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Bain-Management-Umfrage zur Studie "Die neue Dekade der Strategie": Deutschland wird gestärkt aus der Krise hervorgehen

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München (ots)

   - Deutschlands Manager halten die Finanz- und Wirtschaftskrise für
     noch nicht bewältigt
   - Mittelfristig wird die deutsche Wirtschaft jedoch gestärkt aus 
     der Krise hervorgehen
   - Wachstumstreiber sind Konzentration auf das Kerngeschäft, 
     Kundenloyalität und Innovation
   - Strategische Planung muss stärker externe Faktoren 
     berücksichtigen

Eine klare Mehrheit von 70 Prozent der Entscheider der deutschen Wirtschaft hält die Krise für noch nicht überwunden. Dennoch glauben 80 Prozent, dass Deutschland deutlich gestärkt daraus hervorgehen wird. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage der Unternehmensberatung Bain & Company unter knapp 800 Entscheidern aus allen Branchen. Aus Sicht der Manager sind die wichtigsten Wachstumstreiber der Zukunft die Konzentration auf das Kerngeschäft, Kundenloyalität und Innovationsstärke. Die größten Wachstumshemmnisse werden Fachkräftemangel, Regulierung und Bürokratie sowie knappes Fremdkapital sein. Der überwiegende Teil der Unternehmen hat den operativen und strategischen Handlungsbedarf für die Zeit nach der Krise erkannt und in vielen Fällen zur obersten Priorität erhoben. Allerdings bevorzugt die überwiegende Mehrheit Maßnahmen, die unmittelbar Umsatz und Gewinn steigern. Deutlich weniger Unternehmen planen Aktivitäten für eine flexiblere Strategie und eine verbesserte Anpassung an das veränderte Unternehmensumfeld.

Die Krise ist noch nicht vorbei. Das jedenfalls glauben 70 Prozent der knapp 800 im Auftrag der Unternehmensberatung Bain & Company im September 2010 befragten Manager aller Branchen. Auf die eigene Branche bezogen geben 90 Prozent der Automobilmanager an, die Krise sei noch nicht überwunden. Im Bankensektor sind es sogar 95 Prozent. Die Manager in der Tourismus- und Freizeitbranche beurteilen ihre eigene Situation am negativsten - alle Befragten sagen, dass die Branche die Krise noch nicht bewältigt hat. Am besten bewerten sich die Pharmabranche und das Gesundheitswesen, wo knapp die Hälfte der Manager die Krise als überwunden betrachtet, dicht gefolgt von den Energieversorgern. Hier sagen 39 Prozent der Befragten, die Krise sei vorbei.

Innovation ist wichtigster Wachstumstreiber

Für die Zukunft glauben 80 Prozent der befragten Führungskräfte, dass die deutsche Wirtschaft gestärkt aus der Krise kommen wird. 86 Prozent der Befragten setzen als Wachstumstreiber Nummer eins auf die Konzentration ihrer Kernkompetenzen. Investitionen in Kundenloyalität stehen mit 84 Prozent an zweiter Stelle und die Stärkung der eigenen Innovationskraft mit 83 Prozent an dritter Stelle. Als ebenso wichtig für zukünftiges Wachstum bezeichnen die befragten Manager jedoch auch Qualifikationsmaßnahmen ihrer Mitarbeiter. Die Sicherung der Zahlungsfähigkeit belegt Platz fünf, hat aber mit 62 Prozent bereits einen deutlich geringeren Stellenwert.

Das größte Wachstumshemmnis der deutschen Wirtschaft ist nach Ansicht von 68 Prozent der befragten Führungskräfte der zu erwartende Facharbeiter- und Ingenieursmangel. Bereits an zweiter Stelle der Wachstumsbremsen stehen staatliche Regulierung und Bürokratie, die von 63 Prozent der Befragten als kritisch für zukünftiges Wachstum betrachtet werden. Die verknappte und verteuerte Finanzierung bezeichnen 41 Prozent als Wachstumshemmnis mit großer oder sehr großer Bedeutung, gefolgt von den steigenden Energiekosten mit 34 Prozent sowie der Verknappung und Verteuerung von Rohstoffen und Vorprodukten mit 27 Prozent.

"Die deutsche Wirtschaft ist auf gutem Weg aus der Krise. Am deutlichsten spüren das der Maschinen- und Anlagen- sowie der Automobilbau, für Deutschland besonders wichtige Branchen", resümiert Rolf-Magnus Weddigen, Managing Director von Bain & Company. "Die Unternehmen setzen zum einen auf bewährte Stärken, nämlich eine fokussierte strategische Aufstellung, Innovation und qualifizierte Mitarbeiter. Neu und mit Sicherheit ein gutes Zeichen für die deutsche Wirtschaft ist der weit verbreitete Wille, künftig noch mehr in die Stärkung der Kundenloyalität zu investieren."

Handlungsbedarf wird weitgehend erkannt

Die strategischen Handlungsfelder für die Zeit nach der Krise, die Bain & Company in seiner kürzlich veröffentlichten Studie "Die neue Dekade der Strategie" identifizierte, beurteilen die Befragten je nach Branche differenziert: Über alle Branchen hinweg sagen 35 Prozent der Manager, dass eine weitere Steigerung der operativen Exzellenz höchste Priorität in ihrem Unternehmen habe. Besondere Bedeutung hat dieses Thema mit 55 Prozent jedoch in der Automobilindustrie. Aber auch die Tourismusmanager ordnen die operative Exzellenz zu 50 Prozent der obersten Dringlichkeitsstufe zu. Den geringsten operativen Verbesserungsbedarf sehen die Führungskräfte in der Energieversorgung und im Maschinen- und Anlagenbau mit 24 Prozent sowie im Transport- und Logistikwesen mit 26 Prozent.

33 Prozent der Befragten geben der Optimierung ihres Geschäftsportfolios die höchste Priorität. Den größten strategischen Veränderungsbedarf sieht wieder die Automobilindustrie mit 45 Prozent. Dieses Ergebnis ist unter anderem auch dem Technologiewechsel von reinen Verbrennungsmotoren auf Hybrid- und Elektrofahrzeuge geschuldet. Auch in der Medien- und Werbebranche, die mit 43 Prozent an zweiter Stelle liegt, ist aufgrund der wachsenden Bedeutung der Onlinemedien ein Technologiesprung die treibende Kraft für den Optimierungsbedarf des eigenen Angebotsportfolios. Den geringsten strategischen Veränderungsbedarf sehen derzeit die Maschinenbauer und Energieversorger mit immerhin noch 28 und 29 Prozent der Nennungen.

Die Handlungsfelder "Sicherung einer ausreichenden Kapitalisierung" und "Erhöhung der Planungsflexibilität" haben mit insgesamt 18 und 13 Prozent der Nennungen eine deutlich geringere Wichtigkeit für die befragten Führungskräfte. Vor allem in der Transport- und Logistikbranche steht das Thema Kapitalisierungsabsicherung mit 34 Prozent weit oben auf der Management-Agenda. Mit 28 und 24 Prozent liegen Banken und Versicherungen auf dem zweiten und dritten Platz. Den mit elf Prozent der Nennungen geringsten Bedarf für finanzielle Absicherung sieht die Telekommunikationsbranche.

Eine größere Planungsflexibilität brauchen nach eigenen Angaben in Zukunft vor allem Konsumgüterhersteller und Handelsunternehmen. Mehr als ein Viertel der befragten Manager dieser Branchen bewertet eine flexiblere Planung als höchste Priorität für das eigene Unternehmen. Banken mit nur sieben Prozent der Nennungen sowie Versicherungen mit neun Prozent sehen den geringsten Flexibilisierungsbedarf. Lediglich fünf Prozent der Brefragten aller Branchen bezeichnen die Verbreiterung des Stakeholderansatzes in ihrem Unternehmen als höchste Priorität.

"Wir sehen aus den Antworten, dass den Managern Handlungsfelder wie operative Exzellenz und strategische Ausrichtung des Geschäftsportfolios, also solche, die Umsatz und Gewinn direkt beeinflussen, wichtiger sind, als indirekte Maßnahmen, wie die Sicherung der Kreditlinien oder der Aufbau einer Szenarioplanung. Das ist möglicherweise auch eine Folge der in den Augen der Befragten noch nicht überwundenen Krise", kommentiert Bain-Deutschlandchef Weddigen die Ergebnisse. "Insgesamt sehen wir jedoch, dass die strategischen Notwendigkeiten einer flexibleren Planung und einer umfassenderen Stakeholderorientierung bereits von vielen erkannt und adressiert werden."

Die Bain-Studie "Die neue Dekade der Strategie" zeigt, dass im kommenden Jahrzehnt externe Faktoren deutlich wichtiger für die Strategiearbeit in den Unternehmen werden. Zu den "alten" Strategiefaktoren Kunden und Wettbewerb kommen nun noch unter Druck stehende Staaten, volatile Märkte, knappes Kapital und eine kritischere öffentliche Meinung hinzu. Um in diesem komplexen Umfeld erfolgreich zu sein, müssen Unternehmen ihre Planung stärker flexibilisieren und ihre Strategie laufend an das regulatorische, wirtschaftliche, finanzielle und soziale Umfeld anpassen, in dem sie agieren.

Über die Studie

Die Studie "Die neue Dekade der Strategie" wurde von Januar bis Mai 2010 von Bain & Company erstellt. Im ersten Schritt filterte die Studie aus rund 220 weltweit beobachtbaren Entwicklungen 21 Fundamentaltrends mit besonderer wirtschaftlicher Relevanz heraus. Der zweite Schritt untersuchte, inwieweit die Krise diese Fundamentaltrends verändert hat. Das Ergebnis: 12 der 21 Trends beschleunigten oder verlangsamten sich oder haben sich sogar umgekehrt. Der dritte Schritt der Studie untersuchte die spezifischen Auswirkungen auf einzelne Branchen, wie etwa Pharma, Finanzdienstleistungen oder Energieversorger. Bei allen untersuchten Branchen besteht Handlungsbedarf, da die Folgen der Krise die Risikosituation und die Wachstumsaussichten stark beeinflussen. Im vierten Schritt entwickelte die Bain-Studie eine Systematik, mit der Schwachstellen im Unternehmen identifiziert und behoben werden können.

Pressekontakt:

Leila Kunstmann-Seik
Bain & Company Germany, Inc.
Tel.: +49 (0)89 5123 1246
E-Mail: leila.kunstmann@bain.com

Original content of: Bain & Company, transmitted by news aktuell

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