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Bremer Fernsehpreis 2017: Besondere Leistungen im Regionalfernsehen ausgezeichnet

Bremen (ots)

Die Gewinnerinnen und Gewinner des Bremer Fernsehpreises 2017 stehen fest: Heute Abend (17.11.) erhielten acht Produktionen und eine Moderatorin die begehrten Auszeichnungen des Regionalwettbewerbs der ARD. Die Jury um den Vorsitzenden der Fernsehpreis-Jury und Präsentator der Gala Frank Plasberg kürte bei der Preisverleihung in Bremen das Beste im deutschsprachigen Regionalfernsehen.

Sieger in der Kategorie "Die beste Sendung" ist:

+ Hallo Niedersachsen vom 27. Juli 2017, NDR, Hannover

In der Kategorie "Der einzelne Beitrag vom Tag für den Tag" hat gewonnen:

+ Dildokreuz an St. Stephani, buten un binnen vom 11. November 2016, Radio Bremen, Bremen

Als "Die beste Moderatorin/Der beste Moderator" wurde ausgezeichnet:

+ Anne Willmes, Lokalzeit vom 15. Juni 2017, WDR, Essen

In der Kategorie "Worauf wir besonders stolz sind" vergab die Jury zwei erste Plätze:

+ #ausgesetzt, Aktuelle Stunde vom 5. April 2017, WDR, Düsseldorf

+ Wo bin ich? Naturkundemuseum, MDR Sachsen-Anhalt heute vom 25. September 2016, MDR, Magdeburg

In dieser Kategorie geht außerdem der "Sonderpreis der Jury" an:

+ Ansichtssache, Abendschau vom 22. März 2017, rbb, Berlin

Auch in der neuen Kategorie "Die beste Recherche" gibt es zwei Gewinner:

+ Anis Amri, Abendschau ab Januar 2017, rbb, Berlin + Medikamentenversuche an Heimkindern, Schleswig-Holstein Magazin vom 11.10.2016, NDR, Kiel

In der zweiten neuen Kategorie "Die gelungenste Zuschauerbeteiligung" geht der Bremer Fernsehpreis 2017 an:

+ Herzenssache - Lieblingsmenschen Danke sagen, zibb vom 5. Dezember 2016, rbb, Potsdam

Für den richtigen Sound bei der Preisverleihung sorgte der Singer/Songwriter Pohlmann.

Bevor die Gewinnerinnen und Gewinner gekürt wurden, fand unter dem Titel "Neue Trends im Regionalprogramm 2017" am Nachmittag wieder das Werkstattgespräch statt. Rainer Maria Tauber (erfahrener TV-Journalist, Chef vom Dienst für die Sendung zibb vom rbb und Trainer) führte durch die Veranstaltung mit Vorträgen, Vorführungen und Gesprächen. Max Ruppert (Hochschule der Medien Stuttgart und langjähriger ARD-Reporter) und Fabian Werba (Drohnen-Pilot und Kamera-Operator) referierten zu "Copter Communication - Drohnenjournalismus 2017", Erfahrungen und Denkanstöße zum Thema "Moderation crossmedial" gab Eva-Maria Lemke (Moderatorin von heute+ (ZDF)) und Nils Dobrinzsky (Qualitätsmanager SWR) berichtete über "Internationale Trends im Fernsehen".

Der Bremer Fernsehpreis

Den Bremer Fernsehpreis gibt es mit Unterbrechungen seit 1974. Der Preis gilt als maßgebliche Auszeichnung für regionale deutschsprachige Fernsehprogramme. Radio Bremen organisiert den Wettbewerb der Fernsehregionalprogramme im Auftrag der ARD. Wer sich dieses Jahr über die begehrten Auszeichnungen freuen darf, entschied die Jury mit:

+ Frank Plasberg (ARD-Moderator und Jury-Vorsitzender), 
+ Gesa Eberl (Moderatorin bei n-tv und RTL), 
+ Hans Helmich (Redakteur beim Fernsehprogramm der Deutschen Welle 
und Medientrainer), 
+ Andreas Jölli (Korrespondent des Österreichischen Rundfunks in 
Berlin und Publizistik-Dozent) und 
+ Birgitta Weber (u.a. stellvertretende Chefredakteurin beim 
Südwestrundfunk und Redaktionsleiterin des ARD-Politikmagazins 
"Report Mainz").

Die Jury-Begründungen:

"Die beste Sendung"

Hallo Niedersachsen vom 27. Juli 2017, NDR, Hannover

Wenn weite Teile eines Bundeslandes unter Wasser stehen, kann man als Journalist in der Zentrale leicht den Überblick verlieren: Wo herrscht Katastrophenstimmung, wo entspannt sich die Lage? Die Redaktion von "Hallo Niedersachsen" behält den Überblick, nimmt die Zuschauer an die Hand und unternimmt mit ihnen eine 30 Minuten lange Reise durch die Regionen: souverän, nie alarmistisch! Und immer gut informiert, was mit dem Einsatz eindrucksvoller Infografiken unter Beweis gestellt wird. Besonderes Lob verdienen die Reporter, die nie sich selbst, sondern das Geschehen und die vielen verzweifelten Menschen in den Vordergrund stellen.

"Der einzelne Beitrag vom Tag für den Tag"

Dildokreuz an St. Stephani, buten un binnen vom 11. November 2016, Radio Bremen, Bremen

Ein Dildo am Kirchturm, klingt, als ließe sich das leicht umsetzen. Doch wie schnell kann eine solche Geschichte ins Schlüpfrige abgleiten. Genau das passiert jedoch nicht. Anke Plautz gelingt die sprachliche Gratwanderung mit Bravour. Mit viel Wortwitz und Sinn für Menschen und Situationen entwickelt sie ein humorvolles feuilletonistisches Kleinod. Auch dank des gekonnten Musik- und Stimmeinsatzes entsteht so ein rundum gut komponierter Beitrag, den die Jury für absolut preiswürdig hält.

"Die beste Moderatorin/Der beste Moderator"

Anne Willmes, Lokalzeit vom 15. Juni 2017, WDR, Essen

Ob ein Moderator/eine Moderatorin gestählt ist, zeigt sich in brenzligen Situationen. Zum Beispiel wenn ein Volksfest fast ins Wasser fällt. Anne Willmes behält nicht nur die Nerven, wenn der Sendeablauf über den Haufen geschmissen wird, sondern bleibt so charmant, wie ihre Zuschauer sie kennen. Denn meist steht sie im trockenen Lokalzeit-Studio in Essen. Was sie da veranstaltet, ist große Kunst: Wie sie dem Zuschauer klarmacht, dass drei kauzige Vogelkundler, die einem Feldsperling nachstellen, die mitreißendste Sache der Welt sind! Mit ihrer klaren ungekünstelten Sprache macht sie den Zuschauer neugierig auf alles, was in seiner Nachbarschaft passiert. Eine Moderatorin so auf Augenhöhe mit ihren Zuschauern - das sieht man selten.

"Worauf wir besonders stolz sind"

#ausgesetzt, Aktuelle Stunde vom 5. April 2017, WDR, Düsseldorf

Ausgesetzt! Schon der Titel suggeriert: Politiker sind peinlich, wenn sie aus ihrer Welt der Gesetzesvorlagen und parteipolitischen Kleinkriegen mal in die reale Welt geraten. Mit "#ausgesetzt" geht bei der "Aktuellen Stunde" eine Fremdschäm-Serie auf Sendung, die es in sich hat: Was passiert mit Politikern, wenn sie in Milieus geraten, mit denen sie nichts verbindet? Spannend auch die Frage: Wie weit biedern sie sich dem noch nicht überzeugten Bürger an? Beim Zuschauen geraten eigene Anschauungen ins Wanken, wenn Spitzenpolitiker in der rauen Wirklichkeit versagen. Aber es macht sie irgendwie auch menschlicher; dank der Autorinnen Beate Becker und Astrid Houben.

Wo bin ich? Naturkundemuseum, MDR Sachsen-Anhalt heute vom 25. September 2016, MDR, Magdeburg

"Wo bin ich?" - der Name der Serie gilt für die Folge "Naturkundemuseum" im doppelten Wortsinn. Denn was das Team um Autor Heiko Cinibulk und Presenter Alex Huth da aus dem Hut zaubern, hat mit einem Museum nur am Rande etwas zu tun: In einer Art Zeitreise findet sich der Zuschauer völlig überrascht im Gruselkabinett, auf dem Schlachtfeld oder am Königshofe wieder und kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Verstaubte Vitrinen? Das war einmal - das Museum lebt! Dass der Zuschauer das mit viel Spaß überlebt, liegt auch an Alex Huth, der die kreativen Theatereinlagen charmant, mit augenzwinkernden Moderationen verbindet. Da wird das Raten fast zur Nebensache.

Ansichtssache, Abendschau vom 22. März 2017, rbb, Berlin

Kommentare - im Fernsehen immer eine Herausforderung. Denn bildlich anregend sind sie in der Regel nicht. Und deshalb tauchen sie in vielen Regionalprogrammen auch kaum noch auf. Florian Eckardt und Ralf Ayen treten den Beweis an, dass das nicht so bleiben muss. Durch den kreativen Einsatz von Grafik, der den Text stützt, ist "Ansichtssache" visuell attraktiv und unterhaltsam. Darüber hinaus haben die Autoren den Mut, ihre Ansicht stringent an den Zuschauer zu bringen. Weg mit dem langatmigen Abwägen von Argumenten! Die Zuschauer können ja in den sozialen Medien schreiben, was sie stört, was ihnen fehlt, was sie selber denken. Endlich haben Redakteure wieder die Möglichkeit, Diskussionen anzuzetteln.

"Die beste Recherche"

Anis Amri, Abendschau ab Januar 2017, rbb, Berlin

Sie haben sich dem Wettlauf um die neueste Information rund um Anis Amri gestellt. Seit dem Attentat auf einem Berliner Weihnachtsmarkt, schaute nicht nur ganz Deutschland auf die Hauptstadt und ihre merkwürdigen Ermittler. Und immer, wenn man dachte, stümperhafter kann es kaum noch sein, legten die rbb-Autoren Norbert Sigmund, Joachim Goll und Thorsten Mandalka noch einmal nach. Neue Fakten über Schlamperei werden nachvollziehbar aufbereitet. Reporterglück? Nein! Investigativen Journalismus in dieser Dichte gibt es nur, wenn Redakteure Experten sind, sich im ganzen Sender zusammenschließen und einen guten Draht zu Informanten haben. Die Abendschau-Redaktion ist offenbar gut organisiert - zur Nachahmung empfohlen!

Medikamentenversuche an Heimkindern, Schleswig-Holstein Magazin vom 11.10.2016, NDR, Kiel

Alles fing mit einer E-Mail an. Als dann ein Informant auspackte, erkannten die beiden Autoren Eike Lüthje und Christian Schepsmeier das Potential dieser Geschichte: Mit viel Energie und journalistischer Hartnäckigkeit durchwühlten sie Archive, sprachen mit Experten und spürten Opfer auf. So entstanden mehrere packende Beiträge im Schleswig-Holstein Magazin über Medikamentenversuche an Heimkindern und an Psychiatriepatienten. Die exzellente Recherche, die eindringlichen Gespräche mit Opfern, die einfühlsame Texthaltung - all das macht die Reihe preiswürdig. Dazu gehört auch die ausgezeichnete bildliche Umsetzung. Die Kameraführung und Art der Fotografie von Kamerafrau Berit Ladewig ist kreativ und sensibel zugleich und komplettiert die hervorragende Teamleistung.

"Die gelungenste Zuschauerbeteiligung"

Herzenssache - Lieblingsmenschen Danke sagen, zibb vom 5. Dezember 2016, rbb, Potsdam

Wenn einer hartgesottenen Jury beim Ansehen von Beiträgen vor Rührung die Tränen in die Augen steigen, dann müssen diese Beiträge etwas Besonderes sein. Und ja, etwas Besonderes ist dem Herzenssache-Team aus der Redaktion zibb gelungen. Auf ihren Aufruf, Menschen Danke zu sagen, gab es Hunderte von Zuschriften. Eindrücklich wird die Reihe jedoch vor allem wegen der Art, wie die Geschichten komponiert sind und wegen der Reporterin Janna Falkenstein. Unprätentiös, einfühlsam, zurückgenommen, dabei aber sehr sympathisch, "öffnet" sie die Menschen. Eine Reihe, die offenbar nicht nur die Jury ins Herz getroffen hat.

Livestream der Gala 
am Freitag, dem 17. November 2017, ab 20 Uhr, auf 
http://www.bremerfernsehpreis.de

Aktuelles rund um den Bremer Fernsehpreis https://twitter.com/Bremer_FS_Preis

Fotos sind in Kürze bei http://www.ard-foto.de/ abrufbar.

Pressekontakt:

Radio Bremen
Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Diepenau 10
28195 Bremen
0421-246.41050
presse.pr@radiobremen.de
www.radiobremen.de

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