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Das Leopold Museum erhält die reichhaltigen Bestände des bedeutenden Archiv Backhausen als Dauerleihgabe

Das Leopold Museum erhält die reichhaltigen Bestände des bedeutenden Archiv Backhausen als Dauerleihgabe
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Wien (ots)

Das umfangreiche Backhausen Archiv wird ab sofort dem Wiener Leopold Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt: Rund 11.000 Einzelobjekte, darunter tausende Originalentwürfe und Stoffmuster aus der Zeit des Historismus, des Jugendstils, des Art déco oder des Kinetismus – unter anderem mit Werken von Josef Hoffmann oder Koloman Moser – können ab November 2024 im Leopold Museum im Rahmen einer Sonderausstellung erstmalig öffentlich besichtigt werden. Die Schau Poesie des Ornaments. Das Archiv Backhausen (13. November 2024 bis 9. März 2025) wird Einblick in die fantastische Vielfalt der Sammlung geben. Darüber hinaus werden ausgewählte Objekte im Rahmen der Wien 1900 Dauerpräsentation im Leopold Museum permanent zu sehen sein.

Das Engagement von Dr. Louise Kiesling (1957–2022)

Die im Dezember 2022 verstorbene Unternehmensinhaberin Louise Kiesling hatte nach ihrer Übernahme von Backhausen im Jahre 2014 die einzigartige Sammlung katalogisiert und digitalisiert. Ihre persönliche Vision, die durch Wertschätzung für und das Wissen über das österreichische Textilhandwerk geprägt war, kann so im Sinne der Familie weitergeführt werden. Louise Kieslings künstlerisch kreative Denkweise, die sich nicht zuletzt durch ihre Abschlüsse an der Universität für angewandte Kunst in Wien sowie am Royal College of Art in London manifestierte, hat sich in ihrem Handeln im Einsatz für die Textilkunst eindrücklich niedergeschlagen und so zentral zum Erhalt dieses musealen Konvoluts beigetragen. „Wir freuen uns, dass es durch diese Kooperation mit einer so renommierten Kulturinstitution wie dem Leopold Museum nunmehr gelungen ist, das Archiv als österreichisches Kulturerbe zu erhalten und einer breiteren interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen“, so Andreas Kiesling, Sohn der verstorbenen Unternehmerin.

Nicht zuletzt der Kunstaffinität und dem Weitblick der Leihgeber ist die erfreuliche Verwirklichung dieses Vorhabens zu verdanken. Leopold Museum Direktor Hans-Peter Wipplinger betont die Wichtigkeit dieser signifikanten Erweiterung des Bestandes: „Wir danken der Eigentümerfamilie für ihr Vertrauen, uns dieses kunsthistorisch bedeutende Archiv zu überantworten. In besonderem Maße sind die Leistungen von Frau Dr. Louise Kiesling hervorzuheben, die sich mit Leidenschaft und großem ideellen wie monetären Engagement für die systematische wissenschaftliche Aufarbeitung, die Inventarisierung, die fotografische Dokumentation und die Lagerung nach musealen konservatorischen Standards eingesetzt hat und damit den Erhalt dieses kostbaren kulturellen Erbes sicherte. Ohne ihre wertvolle Arbeit für das Backhausen Archiv, welches seit 2022 als Einheit ob seiner Einzigartigkeit unter Denkmalschutz steht, würden diese Kooperation und die im Herbst 2024 stattfindende Ausstellung nicht möglich sein.“

Wien 1900. Aufbruch in die Moderne

Die Dauerpräsentation im Leopold Museum ist die weltweit umfassendste Zusammenschau zur Kunst und Kultur in Wien um 1900. Die Ausstellung ermöglicht das Eintauchen in eine einzigartige Erlebniswelt, die vom Historismus über Jugendstil und Expressionismus bis zur Neuen Sachlichkeit führt. Gemälde und grafische Arbeiten bedeutender Künstler*innen wie Hans Makart, Tina Blau, Gustav Klimt, Egon Schiele, Oskar Kokoschka oder Broncia Koller-Pinell sind ebenso zu sehen wie erlesene Beispiele des Kunstgewerbes der Wiener Moderne. Hier knüpfen die Bestände des bedeutenden Archives der Firma Backhausen kongenial an und ermöglichen durch die Übergabe des Archivs in die Obhut des Museums auch weiterhin die wissenschaftliche Erforschung der Objekte sowie die Präsentation im In- und Ausland.

Johann Backhausen & Söhne, eine Traditionsmarke von Weltruf

Das Unternehmen Joh. Backhausen & Söhne zählt zu den traditionsreichsten Möbel- und Dekorstoffproduzenten in der österreichischen Geschichte. Gegründet wurde der Betrieb bereits um 1840 in Wien von Jakob Backhausen (1789–1849). Der Sohn eines Webermeisters kam 1811 aus dem Rheinland nach Wien, wo er ein Haus in Gumpendorf erwarb. Sein Sohn Johann Backhausen (1818–1866) übernahm den Betrieb 1849, im Todesjahr des Vaters, und gründete die Firma Karl & Johann Backhausen & Co., gemeinsam mit seinem Bruder. Die hohe Qualität der Produkte führte bald zu internationalen Auszeichnungen. Nach dem Ausscheiden von Karl aus dem Unternehmen wurde dieses in Johann Backhausen, k. k. ausschließlich privilegierte Mode- und Chenillefabrik umbenannt. Johann sicherte sich die Patente zur Produktion von Chenillewaren in Österreich, Frankreich und Sachsen und lieferte sogar in die Vereinigten Staaten. 1864 bezog man ein Verkaufslokal an der neuen Ringstraße, in dem von Theophil von Hansen gegenüber der Wiener Hofoper errichteten Heinrichshof. Hochwertige Modestoffe sowie die Anfertigung von Möbel und Vorhangstoffen, von Damasten, Brokaten und Teppichen aus Seide und Wolle bildeten die Hauptproduktionszweige. Der florierende Betrieb fertigte Stoffe für die Innenausstattung mehrerer Wiener Ringstraßengebäude an, unter anderem für die k. k. Hofoper, das Reichsratsgebäude (Parlament), das Wiener Rathaus sowie das Hofburgtheater. 1888 wurde Johann Backhausen für seine qualitätsvolle Arbeit und seine hochwertigen Produkte der Titel k. u. k. Hoflieferant verliehen.

Hauptlieferant der Wiener Werkstätte

Ab 1903 widmete sich Backhausen – nicht zuletzt durch die intensive Kooperation mit der im selben Jahr gegründeten Wiener Werkstätte unter dem Gründungstrio Josef Hoffmann, Koloman Moser und Fritz Waerndorfer – intensiv der Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Künstler*innen, unter ihnen herausragende Protagonist*innen der Wiener Moderne wie die eben genannten Künstler Josef Hoffmann und Koloman Moser sowie u. a. Otto Wagner, Joseph Maria Olbrich, Jutta Sika, Dagobert Peche, My Ullmann oder Otto Prutscher. Backhausen spezialisierte sich auf die Umsetzung ihrer Entwürfe in gewerbliche Erzeugnisse. Die fruchtbare Symbiose gipfelte etwa in den Ausstattungen des Sanatorium Purkersdorf (1904/05), der Villa Ast (1911) der Villa Skywa-Primavesi (1913–1915), des Palais Stoclet in Brüssel (1905–1911) oder der Villa Knips (1924).

Artikel zum Archiv Backhausen in der ÖZKD

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