All Stories
Follow
Subscribe to Westfalen-Blatt

Westfalen-Blatt

Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum bevorstehenden TV-Duell

Bielefeld (ots)

Eine Bundestagswahl entschieden hat vermutlich noch kein einziges TV-Duell. An diesem Sonntag wird es aller Voraussicht nach nicht viel anders sein. Angela Merkel gegen Martin Schulz in einem Live-Format vor etwa 20 Millionen Zuschauern - das einzige direkte Aufeinandertreffen verspricht zwar ganz zwangsläufig Spannung und Brisanz. Aber realistisch betrachtet sollte man vom »ganz großen« Fernsehduell zur besten Krimi-Zeit nicht zu viel erwarten. Angela Merkel ist noch aus keinem ihrer drei TV-Duelle als klare Siegerin hervorgegangen. Dennoch wurde sie später immer Kanzlerin. Neu ist diesmal: Merkel und die Union haben vor dem Schlagabtausch laut Umfragen einen komfortablen Vorsprung von etwa 15 Prozent gegenüber Schulz und seiner SPD. Merkels Vorteil ist auch ihre Erfahrung. Derartige Fernsehformate sind zwar so gar nicht ihre Sache und erst recht nicht ihre Stärke, aber zuletzt, beispielsweise bei der 80-minütigen Sommerpressekonferenz mit mehr als 200 Journalisten in Berlin, hat sie bewiesen, dass sie mit Ruhe, Fachkompetenz und sogar Wortwitz überzeugen kann. Martin Schulz muss Merkel direkt angreifen, heißt es immer. Ja, wirklich? Nein, stimmt gar nicht. Mit der direkten Konfrontation ist der Herausforderer zuletzt schon mehrfach auf die Bretter gegangen. Der Kanzlerkandidat der SPD hat Angela Merkel vor Wochen vorgeworfen, sich vor inhaltlichen Auseinandersetzungen zu drücken. Das sei ein - Zitat - »Anschlag auf die Demokratie«. Auch der Vorwurf, Merkel sei abgehoben, hat Schulz eher geschadet als genützt. Genau da liegt sein Problem. Er muss versuchen, Merkel zu stellen und ihre politischen Versäumnisse ansprechen. Aber, Vorsicht! Merkel ist sehr beliebt. Angriffe gegen sie können zum Nachteil für den Angreifer werden. Erschwerend hinzu kommt, dass Schulz ja indirekt sich selbst und seine Partei angreift, wenn er Merkel attackiert. Das meint die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt, wenn sie sagt, dass am Sonntag die Große Koalition »mit sich selbst spricht«. Zuletzt haben Beobachter Martin Schulz mehrmals sehr ungehalten wahrgenommen. Nicht nur auf der Bühne im Wahlkampf. Sondern auch in Interviews. Üblicherweise geht es da nicht so kämpferisch zu. Wenn er nicht Kreide frisst, kann es eng werden für ihn. Die erste Frage am Sonntag geht an den Herausforderer. Das kann ein Vor-, aber auch ein Nachteil sein. Merkel wird über die Auslosung nicht unzufrieden sein. Es passt zu ihr, lieber aus der Defensive zu kommen. Viel wichtiger für die Kanzlerin ist, dass sie das letzte Wort hat. Was wird sie sagen? Sicher nicht »Sie kennen mich« wie vor vier Jahren. Auch nicht »Wir schaffen das«. Vielleicht wird sie sagen: »Deutschland muss stark bleiben«. Wir werden sehen.

Pressekontakt:

Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 - 585261

Original content of: Westfalen-Blatt, transmitted by news aktuell

More stories: Westfalen-Blatt
More stories: Westfalen-Blatt
  • 01.09.2017 – 20:00

    Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Stress bei Schülern

    Bielefeld (ots) - Nein, neu ist das Thema nicht. Stress bei Schülern gibt es schätzungsweise, seitdem es Schüler gibt. Da mögen die Kinds und Teens von heute nur einmal mit den Eltern oder Großeltern reden, die sich auch schon von den Anforderungen, die Schule mit sich bringt und den Erwartungen, die Eltern hegen, unter Druck gesetzt fühlten. Erschreckend ...

  • 01.09.2017 – 20:00

    Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Überschwemmungen

    Bielefeld (ots) - Angesichts der Zerstörungen durch den Hurrikan Harvey in den USA und den Monsun auf dem indischen Subkontinent hört man: Gegen die Natur ist die Menschheit eben machtlos. Der Stoßseufzer ist verständlich. Aber er reicht nicht aus. Irgendwann werden die Hochwasser abgeflossen und mit staatlicher und privater Hilfe hoffentlich die größten Schäden ...

  • 31.08.2017 – 20:30

    Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Schröder und Rosneft

    Bielefeld (ots) - Da ist er wieder, der alte Basta-Stil: »Es geht um mein Leben, und darüber bestimme ich - und nicht die deutsche Presse.« Schluss! Aus! Diskussion beendet! Trotz aller Kritik wird Altkanzler Gerhard Schröder in den Aufsichtsrat des russischen Ölkonzerns Rosneft einziehen - wohl sogar den Vorsitz übernehmen. Der politische Kollateralschaden ...