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Neue Westfälische (Bielefeld): Übermut tut selten gut Carsten Heil

Bielefeld (ots)

Die große Herausforderung für einen guten Leistungssportler besteht darin, genau zum richtigen Zeitpunkt die optimale Form zu haben. Wer ein halbes Jahr vor den Olympischen Spielen Wettkampf auf Wettkampf gewinnt, dem könnte zum großen Ringen die Puste ausgehen. Die SPD ist derzeit in einer Jubelphase. Alles scheint zu gelingen. Toller überraschender Kanzlerkandidat, Super-Umfragewerte, reihenweise Eintritte und gestern wurde einer ihrer Besten zum nächsten Bundespräsidenten gewählt. Die Genossen können ihr Glück nach langer Durststrecke kaum fassen. Doch sie sollten sich an Frank-Walter Steinmeier ein Vorbild nehmen, nicht übermütig werden und statt dessen ruhig, konzentriert und fleißig auf die Bundestags-Wahl hinarbeiten. Am 24. September gilt es - nicht heute. Das zum Einen. Zum Anderen: Die Wahl des Lippers zum Staatsoberhaupt ist kein Signal für Rot-Rot-Grün im Bund. Und auch nicht für einen anderen Wechsel. Das unterscheidet sie von der Wahl Gustav Heinemanns 1969, die als Vorzeichen für den Regierungswechsel im Herbst desselben Jahres gilt. Das hat Angela Merkel in letzter Sekunde und in höchster Not verhindert. Denn die Kanzler-Vorsitzende der CDU hat die gesamte Union soeben noch auf die Wahl des Sozialdemokraten Steinmeier verpflichten können. Das ging vielen Konservativen zwar quer ab, hat aber dazu geführt, dass der Präsident nicht gegen die Vorstellungen der Union gewählt werden konnte und das Wechselsignal ausbleibt. Im September wird sich niemand mehr daran erinnern, dass CDU und CSU nicht in der Lage waren, einen respektablen eigenen Kandidaten oder Kandidatin für das Schloss Bellevue zu präsentieren. Dann gilt nur noch das Rennen Kanzlerin Angela Merkel gegen Herausforderer Martin Schulz. Allerdings, und das kann weiteren Rückenwind für die SPD bedeuten: Wenn Steinmeier die erwartet gute Figur als Staatsoberhaupt macht, wird das bei aller gebotenen parteipolitischen Zurückhaltung des Amtsinhabers eher der SPD als der Union nutzen. Von daher hat der scheidende Parteivorsitzende Sigmar Gabriel für seine Partei alles richtig gemacht. Gleichzeitig wird offensichtlich, dass Angela Merkel schwächer wird. Personelle und inhaltliche Alternativen sind ihr ausgegangen, sie kann sich nur noch auf Wenige stützen. Aber sie wurde noch immer unterschätzt und könnte pünktlich zur Wahl wieder topfit sein.

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