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Grüne Woche: ein EEG für die Landwirtschaft?!

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Gemeinsame Pressemitteilung von Öko-Institut, FiBL und Bioland

Freiburg/Berlin, 26. Januar 2022

Grüne Woche: ein EEG für die Landwirtschaft?!

Die Anlage und Pflege einer Hecke oder die Einrichtung von blühenden Streifen entlang von Äckern – für den Schutz der Biodiversität ist ein ganzes Maßnahmenpuzzle notwendig, für das Landwirtinnen und Landwirte heute häufig noch keine ausreichende finanzielle Gegenleistung erhalten. Wie solche sogenannten Ökosystemleistungen entlohnt werden können, schlägt ein Forschungsteam aus Öko-Institut, Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) und dem Bioland e.V. heute zum Ende der Grünen Woche vor.

Analog zum Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) sollen Mehrkosten der landwirtschaftlichen Betriebe für Biodiversitätsmaßnahmen über ein Umlagesystem vergütet werden. Damit sollen Kosten für Fördermaßnahmen auf Produkteinheiten der landwirtschaftlichen Rohwaren Getreide, Milch, Fleisch, Ölfrüchte, Zuckerrüben und Kartoffeln heruntergebrochen und von den Molkereien, Schlachthöfen oder Mühlen entrichtet werden, die diese Rohwaren bei Landwirtinnen und Landwirten abnehmen.

Wie genau die Kosten für die Biodiversitätsmaßnahmen ermittelt und wie sie rechtssicher auf die Erstabnehmer der landwirtschaftlichen Rohwaren verteilt werden können, untersuchen die Projektpartner noch bis Mitte 2024.

Kleiner Aufschlag, große Wirkung

Erste Betrachtungen am Beispiel mehrjähriger Blühstreifen zeigen, dass eine solche Biodiversitäts-Umlage bei den Endkundinnen und -kunden nur zu einem kleinen Aufschlag auf die verkauften Lebensmittel führt, in der Summe jedoch große Finanzströme in Richtung einer nachhaltigen Landwirtschaft mobilisieren kann. So erhielten landwirtschaftliche Betriebe im Jahr 2020 aus dem Verkauf von einem Kilogramm Mischbrot rund 22 Cent – das macht knapp zehn Prozent des Preises aus, den Verbraucherinnen und Verbraucher an der Theke zur selben Zeit zahlten. Würden auf zehn Prozent der landwirtschaftlichen Fläche Maßnahmen zum Biodiversitätsschutz durchgeführt und die so entstehende Kosten über eine entsprechende Umlage erhoben, kämen etwa ein bis zwei Cent Zusatzkosten auf die Endverbraucher und Endverbraucherinnen hinzu.

„Die Landwirtschaft sichert mit vielseitigen Produkten unser Überleben und prägt etwa die Hälfte unserer Landesfläche“, erläutert Kirsten Wiegmann, Expertin für nachhaltige Landwirtschaft und Projektleiterin am Öko-Institut, „Mit einem solchen Biodiversitäts-Mechanismus entstünde ein Geldfluss, mit dem Ökosystemleistungen nachhaltig finanziert werden können.“

Finanzierung biodiversitätsfördernder Maßnahmen im Praxischeck

Welche Maßnahmen zur Biodiversitätsförderung in welcher Region wie gefördert werden können, bleibt Forschungsgegenstand im noch laufenden Projekt. Dafür wird das Team mit Praxispartnern und -partnerinnen in zwei Beispielgebieten in Niedersachsen und Bayern auf Landkreisebene eine Bestandsaufnahme der aktuell umgesetzten Maßnahmen durchführen. Darauf aufbauend leiten sie auf Basis von Zielen für die Biodiversität den zusätzlich nötigen Maßnahmenbedarf ab, kalkulieren deren reale Kosten und erarbeiten Möglichkeiten der Umsetzung.

„Mit unserem Projekt ‚Blaupause für die Landwirtschaft‘ haben wir die Möglichkeit, einen neuen und innovativen Ansatz zur Honorierung von Biodiversitätsmaßnahmen bzw. Ökosystemleistungen durch die Landwirtschaft zu entwickeln“, sagt Axel Wirz vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau.

Auch die Umsetzung der Maßnahmen zum Artenschutz und die möglichst unbürokratische Auszahlung der Umlage an die landwirtschaftlichen Betriebe wird im Projektverlauf weiter mit Praxispartnerinnen und -partnern diskutiert.

„Umweltschutz in der Landwirtschaft muss sich lohnen, dazu gehört auch die administrativen und finanziellen Hürden abzubauen “, betont Sigrid Griese von Bioland. „Mit der vorgestellten Umlage wird Biodiversitätsschutz attraktiver.“

Das Projekt „Blaupause für die Landwirtschaft“ ist Teil der „Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt", die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird.

Diskussionspapier „Grundprinzip des Ökosystemleistungen-Gesetzes“ von Öko-Institut, FiBL, Bioland

Diskussionspapier „Übertragbarkeit des EEGs auf Landwirtschaft und Ernährung“ von Öko-Institut, FiBL, Bioland

Diskussionspapier „Biodiversitätsmaßnahmen und Ansätze zur Kostenermittlung“ von Öko-Institut, FiBL, Bioland

Informationen zum Projekt mit allen Publikationen

Ansprechpartnerin am Öko-Institut (Projektleitung)

Kirsten Wiegmann

Senior Researcher im Bereich

Energie & Klimaschutz

Öko-Institut e.V., Büro Darmstadt

Telefon: +49 6151 8191-137

E-Mail: k.wiegmann@oeko.de

Ansprechpartner beim Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL)

Axel Wirz

Projektleitung

Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL)

Telefon: +49 69 7137699-150

E-Mail: axel.wirz@fibl.org

Ansprechpartnerin bei Bioland e.V.

Sigrid Griese

Forschung und Entwicklung

Nachhaltigkeit und Klimaschutz

Bioland e.V.

Telefon: +49 6131 2397917

E-Mail: sigrid.griese@bioland.de

Über das Öko-Institut

Das Öko-Institut ist eines der europaweit führenden, unabhängigen Forschungs- und Beratungsinstitute für eine nachhaltige Zukunft. Seit der Gründung im Jahr 1977 erarbeitet das Institut Grundlagen und Strategien, wie die Vision einer nachhaltigen Entwicklung global, national und lokal umgesetzt werden kann. Das Institut ist an den Standorten Freiburg, Darmstadt und Berlin vertreten.

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Über FiBL

Das FiBL Deutschland ist als gemeinnütziger Verein organisiert und bietet wissenschaftliche Expertisen für aktuelle Fragen der ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft. Es forscht interdisziplinär und praxisorientiert, gemeinsam mit Landwirten*innen und Fachleuten aus Wissenschaft und Wirtschaft. So gelangt Wissen aus der Forschung schnell in die Praxis. Zusätzlich ist das FiBL Deutschland Gesellschafter in weiteren Partnerfirmen, die rund um die Themen Qualitätssicherung und Nachhaltigkeit agieren.

www.fibl.org

Über Bioland

Bioland ist der bedeutendste Verband für ökologischen Landbau in Deutschland und Südtirol. Rund 10.000 Betriebe aus Erzeugung, Herstellung und Handel wirtschaften nach den Bioland-Richtlinien. Gemeinsam bilden sie eine Wertegemeinschaft zum Wohl von Mensch und Umwelt.

www.bioland.de | Twitter | Instagram | Facebook | YouTube | Podcast|

Öko-Institut e.V.
Mandy Schoßig
Öffentlichkeit & Kommunikation
Borkumstraße 2
D-13189 Berlin
Tel: +49 30 405085-334 
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