EKD - Evangelische Kirche in Deutschland
„Arbeit ist mehr als Broterwerb“
Kirchliche Flüchtlingsbeauftragte machen sich stark für bessere Arbeitsmarktintegration von Geflüchtete
Hannover (ots)
Der Sonderbeauftragte für Flüchtlingsfragen der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Stefan Heße (Hamburg), und der Beauftragte für Flüchtlingsfragen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Dr. Christian Stäblein (Berlin), haben sich heute (22. Mai 2026) zur Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten in Sachsen-Anhalt informiert. Sie kamen bei einem Besuch eines Handwerksbetriebs mit geflüchteten Auszubildenden sowie mit Vertretern zweier Wirtschaftsverbände ins Gespräch und haben kirchliche Projekte kennengelernt.
Die beiden Flüchtlingsbischöfe besuchten das Autohaus „Car Service Magdeburg GmbH“, das seit Jahren Menschen mit Fluchthintergrund ausbildet. Der Betrieb gehört damit zu jenen Unternehmen, die – trotz vieler Herausforderungen – konsequent auf die Qualifizierung und Integration geflüchteter Menschen setzen. Im Fokus des Besuchs stand der Austausch mit den Auszubildenden. Bischof Stäblein zeigte sich beeindruckt von der Offenheit, mit der die Geflüchteten ihre Erfahrungen teilten: „Was wir heute in den Gesprächen gehört haben, macht deutlich: Wer die Chance bekommt, gibt alles. Diese jungen Menschen haben Flucht, Unsicherheit und jahrelange Ungewissheit hinter sich – heute werden sie ausgebildet, arbeiten in Betrieben, bekommen die Möglichkeit zu weiterer Qualifizierung und bringen sich damit wirtschaftlich und gesellschaftlich ein. Durch ihre Ausbildung machen sie Erfahrungen von Selbstwirksamkeit. Das ist ihr persönlicher Erfolg. Und es ist zugleich der Erfolg hochengagierter Betriebe und Belegschaften, die solche jungen Menschen fördern und ihre Potenziale entwickeln.“
Erzbischof Heße betonte die besondere Bedeutung von Arbeit sowie des betrieblichen Umfelds für das Gelingen von Integration: „Arbeit kann Halt und Struktur bieten und das Gefühl, gebraucht zu werden. Ausbildungsbetriebe wie der, den wir heute besuchen durften, ermöglichen Austausch, Beziehung und Begegnung. Wir haben hier Menschen kennengelernt, die in Deutschland angekommen sind und ihre Zukunft hier aufbauen, und Unternehmer, die ihnen dabei helfen. Das ist ein Miteinander, das volle gesellschaftliche und politische Unterstützung verdient.“
Mehrere Auszubildende berichteten von anfänglichen Sprachschwierigkeiten, die durch Kolleginnen und Kollegen überwunden werden konnten. Ein Azubi schilderte, wie wichtig es für ihn gewesen sei, vom ersten Tag an als vollwertiges Mitglied des Teams behandelt zu werden. Bischof Stäblein kommentierte: „Das, was ich hier gehört habe, bestätigt, was wir als Kirchen immer wieder in die Debatte einbringen: Integration gelingt durch Teilhabe – nicht durch Warteschleifen und jahrelange Unsicherheit. Wer arbeiten und lernen darf, kommt in Deutschland schneller an.“
Im Anschluss tauschten sich die beiden Beauftragten mit Vertretern der Industrie- und Handelskammer sowie der Handwerkskammer Magdeburg aus. Themen waren die Ausbildungsquoten bei Geflüchteten, bürokratische Hindernisse bei der Anerkennung von Qualifikationen und der Erteilung von Ausbildungserlaubnissen sowie der regionale Fachkräftemangel. Beide Bischöfe forderten Erleichterungen beim Zugang zu Ausbildung und Arbeit und unterstrichen die Bedeutung berufsbegleitender Sprachkurse. Dabei bleibt es für die beiden Kirchen nicht bei Forderungen an andere: Mit verschiedenen Projekten und Angeboten unterstützen die Kirchen selbst Geflüchtete konkret bei der Arbeitsmarktintegration. Bei ihrem abschließenden Besuch im interkulturellen Beratungs- und Begegnungszentrum der Caritas im Bistum Magdeburg konnten die beiden Flüchtlingsbischöfe ein Projekt zur Förderung der Arbeitsmarktintegration von geflüchteten Frauen und Migrantinnen kennenlernen. Zudem haben sie sich über die Beratung der Caritas zur Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse informiert. Erzbischof Heße hob hervor: „Gerade geflüchtete Frauen sehen sich beim Zugang zum Arbeitsmarkt oft mit erheblichen Hürden konfrontiert. Hier setzen Projekte der kirchlichen Flüchtlingshilfe an: Durch Empowerment, gezieltes Coaching, Weiterbildung und persönliche Begleitung wird die Arbeitsmarktintegration von Frauen unterstützt. Ziel ist es, Geflüchteten den Weg in Arbeitsstellen zu eröffnen, die ihren Qualifikationen und Erfahrungen entsprechen. Integration ist dann erfolgreich, wenn Menschen Anerkennung und Wertschätzung erfahren, wenn sie mit anpacken dürfen, statt zur Untätigkeit gezwungen zu werden.“
Beide Bischöfe verwiesen abschließend auf die gemeinsame Verantwortung von Gesellschaft, Wirtschaft und Kirche: „Faire Arbeit ist mehr als Broterwerb: Sie ist auch ein Gebot der Menschenwürde. Denn gerechte Arbeitsverhältnisse ermöglichen es dem Menschen, sich als Person zu entfalten. Als Kirchen treten wir entschieden für eine bessere Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten ein. Damit dies gelingt, sind wir alle gefragt: Jeder und jede kann zu einem integrationsfreundlichen Klima in unserer Gesellschaft beitragen.“
Hinweis:
Informationen zur Flüchtlingshilfe der katholischen Kirche sind unter www.fluechtlingshilfe-katholische-kirche.de verfügbar.
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