All Stories
Follow
Subscribe to Weser-Kurier

Weser-Kurier

Weser-Kurier: Kommentar von Joerg Helge Wagner über den Hunger in Syrien

Bremen (ots)

Hunger ist eine Waffe, seit es Kriege gibt. Die alten Griechen hackten die Olivenbaum-Haine vor belagerten Städten um, die Römer versalzten die Felder in aufständischen Provinzen. Hunger öffnete uneinnehmbare Burgen, Hunger entvölkerte ganze Landstriche. Hunger ist die erste Massenvernichtungswaffe der Menschheit gewesen und bis heute ihre effektivste. Hunger löschte mehr Leben aus als alle Schwerter, Gewehre und (Atom-)Bomben zusammen. Allein bei der 900-tägigen Belagerung von Leningrad raffte er fast eine Million Menschen dahin. Hunger ist kein "Kollateralschaden" wie versehentlich bombardierte Krankenhäuser, Botschaften, Hochzeitsgesellschaften. Hunger wird ganz gezielt eingesetzt, um Widerstand und Moral zu brechen, indem er wahllos tötet: Soldaten wie Zivilisten, Frauen wie Männer, Säuglinge wie Greise. Das funktioniert genau so wie Terrorismus. Natürlich ist diese Art von Kriegführung verbrecherisch und von der Weltgemeinschaft geächtet. Trotzdem wird sie weltweit immer wieder angewandt, von Biafra bis Bosnien, selbstredend auch in Syrien - von allen Kriegsparteien. Und doch ist der Hunger für Diktator Assad eine stärkere Waffe als für die Rebellen, denn er kontrolliert die Verteilung der meisten humanitären Hilfslieferungen, die ja nach wie vor ins Land kommen. Die Versorgung des ausgehungerten Städtchens Madaja ist nichts weiter als ein Deal, der ihm womöglich an einer anderen Front in diesem Bürgerkrieg nutzt. Genaugenommen ist deshalb die Vermittlung durch die UN auch die Tolerierung eines monströsen Verbrechens. Den großen Militärmächten, die sich bislang auf das Bombardieren vermeintlicher Stellungen der Terrormiliz Daesch beschränken, könnte man sogar Tötung durch Unterlassen vorwerfen. Denn natürlich sind sie auch in der Lage, Orte wie Madaja aus der Luft zu versorgen. Dass dies effektiv und ohne allzu großes Risiko geht, haben sie schon vor zwei Jahrzehnten in Sarajevo und Mostar bewiesen; ihre Transporter könnten die gleichen türkischen Basen benutzen wie die Bomber. Sicher, eine Doppelstrategie - aber eine glaubwürdige und nachvollziehbare.

Pressekontakt:

Weser-Kurier
Produzierender Chefredakteur
Telefon: +49(0)421 3671 3200
chefredaktion@Weser-Kurier.de

Original content of: Weser-Kurier, transmitted by news aktuell

More stories: Weser-Kurier
More stories: Weser-Kurier
  • 08.01.2016 – 22:08

    Weser-Kurier: Stefan Lakeband über den Rekord von Daimler

    Bremen (ots) - Glück und Unglück liegen oft nah beieinander. Das ist in der Liebe so, im Sport, und auch den Autoherstellern geht es da nicht anders. Während Volkswagen im vergangenen Jahr spürbar weniger Autos verkauft hat, kann sich Daimler über das fünfte Rekordjahr in Folge freuen. Da wirkt es schon fast bizarr, wenn die Hersteller auf der CES in Las Vegas ihre Modelle für die Zukunft präsentieren. Denn das ...

  • 08.01.2016 – 19:54

    Weser-Kurier: Kommentar von Silke Hellwig über Bremens Friedhöfe

    Bremen (ots) - Bremen quält sich gerne mit sich selbst. Das gilt auch für die städtische Entwicklung. Nur ein Beispiel ist der künftige Friedhofsentwicklungsplan. Grundsätzlich spricht nichts dagegen, dass die Grünen Friedhofsflächen als Parks erhalten wollen. Das freut jeden Spaziergänger, die Angehörigen der Toten und wohl den ganzen Stadtteil (so er nicht für die Pflege herhalten muss). Das wäre auch kein ...

  • 08.01.2016 – 19:51

    Weser-Kurier: Kommentar von Moritz Döbler über den Syrien-Einsatz der Bundeswehr

    Bremen (ots) - Wenn Soldaten von Aufklärung sprechen, meinen sie nicht die Geisteshaltung, die uns aus dem Mittelalter geführt hat. Im militärischen Kontext ist Aufklärung eine Tätigkeit, ohne die man nicht Krieg führen kann: Angriffsziele müssen identifiziert werden. Die Aufgabe, die jetzt Bundeswehr-Tornados über Syrien und dem Irak erfüllen, steht damit im ...