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Börsen-Zeitung: Langsamer, aber im Tritt, Kommentar von Reinhard Kuls zum deutlich gefallenen Ifo-Geschäftsklimaindex

Frankfurt (ots)

Viele Monate hat sich die deutsche Wirtschaft,
von den Banken abgesehen, dem Sog der seit vergangenem Sommer 
anhaltenden Finanzmarktkrise entziehen können. Jetzt erreicht das 
Subprime-Debakel mit seinen konjunkturellen Folgen - verstärkt noch 
durch den immer stärkeren Euro, die hohen Energie- und Rohstoffpreise
sowie die ohnehin drohende globale Abkühlung - die deutsche Industrie
und auch den Dienstleistungssektor. Der nun um fast 2 1/2 Punkte 
gefallene Ifo-Geschäftsklimaindex spricht eine deutliche Sprache.
Die Urteile der gewerblichen Wirtschaft in Deutschland zu ihrer 
aktuellen Lage haben sich im April klar verschlechtert, aber man muss
auch beachten, dass sie noch immer weit oberhalb ihres historischen 
Durchschnitts verharren. Anders dagegen die ebenfalls merklich 
eingetrübten Prognosen der Betriebe an ihre geschäftliche Zukunft. 
Der Erwartungsindex liegt praktisch auf seinem Mittelwert. 
Zusammengenommen bieten die beiden Indexkomponenten die Aussicht auf 
eine weitere Abkühlung der deutschen Konjunktur.
Aber nicht nur dieser. Inzwischen lässt auch das Vertrauen der 
französischen Unternehmen nach, die sich bisher ebenfalls als 
vergleichsweise widerstandsfähig erwiesen haben. In Spanien und 
Italien, in der Größenrangfolge der Euro-Länder die beiden folgenden,
war die Stimmung ohnehin schon gekippt.
Die Lage, in der die Europäische Zentralbank (EZB) sich befindet, 
war bisher schon verzwickt, ihr Dilemma wird durch den Ifo-Index nun 
noch etwas größer. Denn die Gemengelage aus konjunktureller Abkühlung
(wenn auch auf einem noch akzeptablen, mittleren Niveau) bei hoher 
Teuerung macht es der EZB nicht leichter, ihren 
stabilitätsorientierten Zinskurs beizubehalten. Diesen gebietet aber 
die Erwartung, dass der Inflationsdruck so schnell nicht nachlässt.
Die Geradeausfahrt der EZB ist so lange akzeptabel, solange keine 
klaren Hinweise auftauchen, dass die Konjunktur in die Nähe der 
Rezession rutscht und so dem steilen Preisanstieg in der Eurozone die
Basis entzogen wird. Der aktuelle Ifo-Index bietet dafür keinen 
Fingerzeig. Mag auch die deutsche Gesamtwirtschaft nun in eine 
langsamere Gangart verfallen sein, aus dem Tritt gekommen ist sie 
nicht. Und das zählt - für Deutschland und ob der Größe der deutschen
Volkswirtschaft für die ganze Eurozone.
(Börsen-Zeitung, 25.4.2008)

Pressekontakt:

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Redaktion

Telefon: 069--2732-0

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