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Bundesverband Contergangeschädigter e.V.

Zeichen Setzen – Pressemitteilung Bundesverband Contergangeschädigter e.V.

Ein Dokument

„Zeichen setzen“ – gegen Vergessen, für Verantwortung

Am 27. November 1961 hat das Chemieunternehmen Grünenthal sein Medikament Contergan in Deutschland vom Markt genommen – am 27. November 2021 will der Bundesverband Contergangeschädigter mit einem Online-Symposium „Zeichen setzen“ für die Anerkennung der Leistung von Pflegenden, für bleibende Wachsamkeit und Verantwortung in der Pharmaindustrie und für die Lebensqualität Contergan Geschädigter.

„Mit dem Grundschaden sind viele von uns mit der Zeit klargekommen, heute geht es darum, die uns pflegenden Personen gut versorgt zu wissen und für uns eine bestmögliche Lebensqualität zu erhalten“, sagt Udo Herterich, Vorsitzender des Bundesverbands Contergangeschädigter. Experten treffen sich für das Symposium „Zeichen setzen“ in der Handelskammer Hamburg, um sich über die „Sicherstellung der medizinischen Versorgung für Menschen mit Behinderungen und seltenen Krankheiten“, „Verantwortung, Schuld und Vergebung“ sowie die „Zukunft der Stiftung“ auszutauschen – live und barrierefrei übertragen im Internet unter www.contergan-live.de. Zu den Referenten und Diskutanten gehören Dieter Hackler, Vorsitzender des Vorstands der Conterganstiftung, Dr. Jan Schulte-Hillen, Betroffener, Arzt und Sohn des Anwalts, der den Prozess gegen Grünenthal ins Rollen brachte, sowie Fachärzte, Therapeuten, Wissenschaftler, weitere Geschädigte, Angehörige von Geschädigten, Mitarbeiter der Contgerganstiftung des Bundes, Mitglieder des Bundestages sowie Historiker. Das Symposium steht unter der Schirmherrschaft von Hamburgs Erstem Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher und der Bundesverband erwartet bis zu 1.500 Zuschauer. Das Symposium wird von Hinnerk Baumgarten (u.a. DAS!, NDR2-Nachmittag) moderiert und von Gebärdensprachdolmetschern übersetzt.

Schon eine halbe Tablette reichte aus

Der Contergan-Skandal war eine der größten Arzneimittelkatastrophen der deutschen Geschichte. Schon eine halbe Tablette des Schlaf- und Beruhigungsmittels Contergan an bestimmten Tagen der frühen Schwangerschaft konnte das Wachstum von Organen des Embryos stark hemmen. Sichtbar wurde es durch Missbildungen von Armen und Beinen, doch auch innere Organe und die Sinnesorgane waren betroffen, viele Kinder kamen tot zur Welt. Die Eltern der Geschädigten haben eine damals noch nie dagewesene Bewegung in Gang gesetzt. Sie haben eine der ersten Selbsthilfeinitiativen gegründet und sind geschlossen gegen Grünenthal vorgegangen, um zumindest finanzielle Unterstützung für ihre Kinder zu erhalten. Als Folge des aufsehenerregenden Prozesses und den gravierenden Schäden des nach damaligen Standards zugelassenen Medikaments wurden umfangreiche Gesetzesänderungen sowie Gesetze erlassen und Zulassungsverfahren eingeführt, die die Entwicklung und Marktreife von Medikamenten regeln und mehr Sicherheit für Patientinnen und Patienten brachten, beispielsweise das Arzneimittelgesetz.

Dialog mit Grünenthal fortsetzen

In den vergangenen Jahren hat sich der Dialog zwischen den Contergan geschädigten Menschen und der Firma Grünenthal intensiviert. Dabei geht es vor allem darum, die Angebote der vor zehn Jahren gegründeten Grünenthal-Stiftung weiter zu entwickeln, um die Lebenssituation der Betroffenen durch Projekte und Sachleistungen zu verbessern. Dieser Weg muss konsequent fortgeführt werden und das Unternehmen muss sich weiter seiner Verantwortung stellen.

Der Bundesverband Contergangeschädigter setzt sich dafür ein, die Lebensqualität Contergan geschädigter Menschen über die Gesundheitsversorgung vor Ort zu verbessern. „2012 hat sie sogenannte Heidelberger Studie festgestellt, dass unsere Lebensqualität, wir waren damals ca. 50 Jahre alt, der eines 80-jährigen entspricht. Heute mit Anfang 60 sind unsere Körper völlig verausgabt und unsere biologische Uhr tickt immer lauter“, sagt Udo Herterich, Vorsitzender des Bundesverbands Contergangeschädigter. Die meisten Geschädigten benötigten Assistenz und technische Hilfsmittel, die es glücklicherweise heute gebe, so Herterich. Ein Ziel des Bundesverbands ist es, dieses Know-how zu den medizinischen Helfenden und Pflegenden vor Ort zu bringen: „Kompetenzzentren sind jetzt aufgebaut, nun geht es darum, das Wissen in die Breite zu tragen, damit alle Menschen mit Behinderungen auch von den medizinischen und technischen Errungenschaften profitieren können.“

Zur Fürsorge des eigenen Körpers kommt für die Geschädigten die Sorge um die Angehörigen, die meist auch in ihre Pflege einbezogen sind. „Unsere Partner, Kinder, Geschwister und Eltern benötigen wie alle pflegenden Angehörigen von Menschen mit Behinderungen eine angemessene Hinterbliebenenrente zur Absicherung Ihres Lebens im Alter. „Zu unseren Lebzeiten mögen wir finanziell gut versorgt sein, es darf aber nicht sein, dass unsere Angehörigen nach unserem Ableben in die Altersarmut rutschen, weil Ihnen Renteneinkünfte durch unsere Versorgung verloren gegangen sind“, so Udo Herterich.

Expertise an einem Ort

Am 27. November 2021 haben Sie die Chance, sich persönlich aus erster Hand bei Experten über den Stand der Contergan-Situation in Deutschland und der Welt zu informieren, von Betroffenen und Angehörigen zu erfahren, wie die Geschädigten heute zurechtkommen und wie sie zur Firma Grünenthal stehen. Nutzen Sie die Gelegenheit, wichtige Persönlichkeiten zum Thema Hinterbliebenenversorgung, Inklusion und Ethik an einem Ort zu treffen. Nehmen Sie Einblick in Literatur, Musik und bildende Kunst von kulturschaffenden contergangeschädigten Menschen.

Das endgültige Programm mit der Teilnehmerliste erhalten Sie in wenigen Tagen. Wenn Sie Interesse an einem Vorabinterview mit Betroffenen und Angehörigen haben, schreiben Sie uns bitte, damit wir Ihnen Gesprächspartner in Ihrer Region vermitteln können.

Bundesverband Contergangeschädigter e.V.

Hilfswerk vorgeburtlich Geschädigter
vertreten durch den Ersten Vorsitzenden Udo Herterich
Maternusstraße 9, 50996 Köln

Pressekontakt:

Oliver Jahn
Konstruktiv PR-Beratungsgesellschaft mbH
Poststraße 14/16, 20354 Hamburg
+49 40 552003-11
+49 171 8375130 contergan@konstruktiv-pr.de
Weiteres Material zum Download

Dokument:  211119_PM_Bundesverb~ngeschaedigter.docx