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'Capital'-Interview mit Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub: KiK wehrt sich gegen Ausbeuter-Image

Hamburg (ots) - Textil-Discounter KiK verspricht offenere Kommunikation / Produktion in Billiglohnländern "eine Form der Entwicklungshilfe" / Interesse an Karstadt-Standorten

Der Textil-Discounter KiK will besser kommunizieren und offener mit Kritik umgehen. "Wir hätten früher auf diese Themen reagieren und uns stellen müssen", sagte Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub in einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin 'Capital' (Ausgabe 8/2010). "Das werden wir in Zukunft verstärkt tun." KiK war wegen der Produktionsbedingungen seiner asiatischen Lieferanten, den Niedriglöhnen in seinen deutschen Filialen und zuletzt wegen der angeblichen Bespitzelung von Mitarbeitern zur Zielscheibe der Kritik geworden. Die Tengelmann-Gruppe ist mit 82 Prozent Mehrheitseigner von KiK.

Den Vorwurf, KiK trage mit seiner Billig-Strategie zur Ausbeutung von Arbeitern in Asien bei, wies Haub zurück. "Nur weil andere die T-Shirts desselben Herstellers für 9,99 Euro verkaufen und wir für 1,99 Euro, macht man allein uns den Vorwurf der Ausbeutung. Das ist absurd." Die ganze Welt kaufe in Asien ein und verglichen mit Wal-Mart oder H&M sei die Tengelmann-Gruppe ein Kleinstbetrieb. Weiter hob Haub in 'Capital' hervor, dass "jeder Auftrag an einen asiatischen Lieferanten eine Investition in die Zukunft dieser Länder" sei. "Das ist durchaus eine Form der Entwicklungshilfe." Man dürfe die Standards dort nicht mit denen in Deutschland vergleichen. Gleichwohl unterstützte Haub die Forderung nach höheren Löhnen in Asien. Allen Kunden müsse aber klar sein, dass dies zu höheren Preisen für Textilien führen werde.

Die geplante Sanierung der Warenhauskette Karstadt betrachtet der Tengelmann-Chef mit Skepsis. "Es wäre das Beste, was geschehen könnte, wenn Karstadt wieder auf die Füße käme, allein schon für die Attraktivität der Innenstädte. Aber das sehe ich im Moment nicht", so Haub. Im Gegensatz zu Woolworth sei Karstadt zu wenig fokussiert, ein "Sammelsurium unterschiedlicher Konzepte". Ein Einstieg bei Karstadt sei daher für ihn "nie infrage gekommen", betonte Haub. "Aber sollten eines Tages einzelne Standorte zur Miete anstehen, die zu uns passen, könnte das interessant sein." Über die Tochtergesellschaft HH Holding hatte die Tengelmann-Gruppe Anfang des Monats die insolvente Billigkaufhauskette Woolworth übernommen.

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