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Auftragszahlen im Täter-Opfer-Ausgleich (TOA) bundesweit rückläufig, auch in Baden-Württemberg - TOA droht marginalisiert zu werden

Stuttgart/Köln (ots) - Nachdem in den letzten Jahren der Täter-Opfer-Ausgleich in Baden-Württemberg sukzessive ausgebaut und als feste Größe in der justiznahen Sozialarbeit landesweit etabliert werden konnte, verzeichnet die NEUSTART gGmbH für 2015 einen Rückgang der Auftragszahlen um über 15 Prozent (2014: 1.800 Aufträge; 2015: circa 1.500 Aufträge). "Diese Entwicklung ist umso bedauerlicher, als die kriminalitätspräventive Wirkung des TOA außer Frage steht. Obgleich wir viel unternommen haben, um die Staatsanwaltschaften von den Vorzügen des außergerichtlichen Tatausgleichs zu überzeugen, sind die Effekte eher gering", erklärt Christian Ricken, Geschäftsführer für Sozialarbeit der NEUSTART gGmbH. Bundesweit ist die Entwicklung nahezu analog.

Potential des Täter-Opfer-Ausgleichs bleibt ungenützt

Gerd Delattre, Leiter des TOA-Servicebüros mit Sitz in Köln, teilt Rickens Überzeugung, dass das große Potential des TOA in der Justiz kaum genützt wird: "Der TOA kommt nach wie vor eher bei Bagatelldelikten zum Einsatz und das, obgleich er prinzipiell auch bei schweren Straftaten durchgeführt werden kann. Sofern Opfer resp. Geschädigte eine Mediation wünschen, sollte dem auch nachgekommen werden. Oft sind die Opfer von Straftaten jedoch nicht über die Möglichkeiten, die der TOA bietet, informiert", verweist Delattre auf eines der zentralen Probleme im Kontext des TOA. "Das soeben beschlossene 3. Opferrechtsreformgesetz stärkt die Informationsrechte der Betroffenen von Straftaten erheblich. Dem muss nun Rechnung getragen werden", betont Delattre.

Opfer, Beschuldigte und Gesellschaft profitieren von einer außergerichtlichen Einigung

Die Geschädigten empfinden es meist als Befreiung, die Täter persönlich mit den negativen Konsequenzen ihrer Vergehen zu konfrontieren. "Opfer von Straftaten, die nicht nur Recht, sondern Gehör für ihre emotionalen Verletzungen erhalten wollen, profitieren erheblich von einem Mediationsgespräch. Wo sonst fänden sie bessere Konditionen, das zu artikulieren, was sie durch eine Straftat erlitten haben?", so Delattre. Wiedergutmachung besitzt jedoch auch materielle Aspekte, "die im TOA definiert und in einer Einigung festgeschrieben werden können", erläutert Volkmar Körner, wirtschaftlicher Geschäftsführer der NEUSTART gGmbH, einen der weiteren Vorzüge des TOA. "Wenn sich beide Parteien auf einen Konsens verständigen, ist auch der Gesellschaft gedient. Die nachhaltige Bereinigung eines Konflikts ist, wie wissenschaftliche Untersuchungen belegen, ungleich wirkungsmächtiger als ein Gerichtsurteil und damit verbundene Sanktionen", so Körner. "Neuerliche Straftaten und daraus resultierende Folgeschäden können damit oft verhindert werden", bestätigt Delattre, der sich explizit dafür verwendet, dem TOA in der Justiz eine weit größere Rolle zuzuschreiben, als er aktuell besitzt. Sonst, so befürchtet Delattre, "wird der TOA zu einem Epiphänomen der Justiz marginalisiert".

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