Institute for Economics and Peace

Global Peace Index 2014: Siebenjähriger Gewalttrend kippt 60 Jahre zunehmende Friedlichkeit

London (ots/PRNewswire) - Neues Modell identifiziert Länder, die Gefahr laufen, in Unruhe- und Gewaltzustände abzurutschen

- Die zehn Länder, deren Friedenszustand sich in den nächsten zwei Jahren
  am wahrscheinlichsten verschlechtern wird, sind Sambia, Haiti, Argentinien, Tschad,
  Bosnien-Herzegowina, Nepal, Burundi, Georgien, Liberia und Katar
- Aufgrund der Aufwärtsrevisionen der chinesischen Militärausgaben sowie der
  Anzahl und Intensität interner Konflikte belastete die globale Gewalt die
  Weltwirtschaft im vergangenen Jahr mit 9,8 Trillionen US-Dollar bzw. 11,3 % des
  globalen BIP, was einer Steigerung um 179 Milliarden US-Dollar im Jahresvergleich
  gleichkommt
- Die Volatilität von Inflationsraten korreliert stark mit den Gewaltraten: Bei
  Ländern im oberen Drittel des Index ist die Volatilität der Inflationsraten im
  Durchschnitt um ein Drittel geringer als bei denen auf den untersten 50 Plätzen
- Afrika ist eine Geschichte zweier Kontinente, mit Nationen, die grosse
  Verbesserungen zeigen, und solchen, die sich stark verschlechtert haben
- Syrien verdrängt Afghanistan als weltweit am wenigsten friedliche Nation,
  während Island seinen Status als friedlichstes Land der Welt beibehält
- Georgien wies die umfangreichste Verbesserung hinsichtlich des Friedensniveaus
  auf, während der Südsudan den grössten Rückgang erlebte und nun den drittletzten
  Platz unter den Ländern einnimmt
 

Terroristische Aktivitäten, die Anzahl ausgetragener Konflikte sowie die Anzahl der Flüchtlinge und Vertriebenen waren die wichtigsten Verursacher der anhaltenden Verschlechterung der globalen Friedlichkeit im vergangenen Jahr. Dies bestätigt ein sieben Jahre anhaltender, schrittweiser, jedoch signifikanter Abwärtstrend, der einen sechzigjährigen Trend zunehmender globaler Friedlichkeit seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges kippt.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen infolge der Begrenzung sowie des Umgangs mit den Folgen der globalen Gewalt im vergangenen Jahr wurden nach dem neuesten, heute veröffentlichten Global Peace Index [http://www.visionofhumanity.org] (GPI) auf 9,8 Trillionen US-Dollar geschätzt. Dies entspricht 11,3 % des globalen BIP oder dem doppelten Umfang des BIP von 54 Ländern in der afrikanischen Wirtschaft.

Steve Killelea [http://economicsandpeace.org/about-us/our-leadership/steve-killelea], Gründer und Vorstandsvorsitzender des IEP, bemerkte dazu:"Viele Makrofaktoren haben zur Verschlechterung der Friedenszustände in den vergangenen sieben Jahren beigetragen, wozu auch die anhaltenden wirtschaftlichen Auswirkungen der globalen Finanzkrise, der Nachhall des Arabischen Frühlings sowie die anhaltende Ausbreitung des Terrorismus zählen. Da sich diese Effekte voraussichtlich in naher Zukunft fortsetzen werden, ist ein signifikanter Übergang zur Friedlichkeit eher unwahrscheinlich."

"Dies führt zu sehr realen Kosten für die Weltwirtschaft. Die Verstärkung der globalen wirtschaftlichen Auswirkungen von Gewalt und die Ausgaben für deren Eindämmung entsprechen 19 % des globalen Wirtschaftswachstums von 2012 bis 2013. Um dies noch weiter zu verdeutlichen: Dies entspricht etwa 1.350 US-Dollar pro Person. Die Gefahr besteht darin, dass wir in einen negativen Zyklus hineingeraten: Geringes Wirtschaftswachstum führt zu einer höheren Gewaltbereitschaft und die Massnahmen zu deren Eindämmung führen zu einem geringeren Wirtschaftswachstum."

Das Institute for Economics and Peace (IEP), das den Bericht erstellt, entwickelte darüber hinaus neue statistische Modellierungstechniken, um die 10 Länder zu identifizieren, die aufgrund eines erhöhten Unruhe- und Gewaltniveaus in den kommenden zwei Jahren am stärksten bedroht sind. Diese Modelle weisen eine neunzigprozentige historische Genauigkeit auf. Zu den Ländern mit einem höheren Risiko zählen Sambia, Haiti, Argentinien, Tschad, Bosnien-Herzegowina, Nepal, Burundi, Georgien, Liberia und Katar, Gastgeber der WM 2022.

Die neue Methode analysiert einen Datensatz, der bis in das Jahr 1996 zurückreicht, und vergleicht Länder mit der Leistung von Staaten mit ähnlichen institutionellen Merkmalen.

"Das Transformatorische an dieser Analyse ist, dass wir das aktuelle Friedensniveau eines Landes mit seinem Potenzial, sich zukünftig in puncto Gewaltbereitschaft zu verbessern oder zu verschlechtern, vergleichen können. Das Potenzial eines Landes, für Frieden zu sorgen, wird von vielen positiven Faktoren beeinflusst. Dazu zählen solide Institutionen, eine gut funktionierende Regierung, niedrige Korruptionsraten sowie eine geschäftsfördernde Umgebung. All diese Faktoren bezeichnen wir als "Säulen des Friedens". Diese Modelle sind für die Beurteilung von Länderrisiken revolutionär. Positive Friedensfaktoren neigen über längere Zeit dazu, sich auf das tatsächliche Ausmass an Gewalt einzupendeln, wodurch eine reale Vorhersagegenauigkeit ermöglicht wird,"sagte Steve Killelea [http://economicsandpeace.org/about-us/our-leadership/steve-killelea].

"Angesichts der sich verschlechternden Situation weltweit können wir uns mit den institutionellen Fundamenten für den Frieden nicht zufrieden geben: Unsere Recherchen verdeutlichen, dass der Frieden ohne ein tiefes Fundament nicht gedeihen kann. Dies ist ein Weckruf an Regierungen, Entwicklungsagenturen, Investoren und die internationale Gemeinschaft, um ins Bewusstsein zu führen, dass die Schaffung von Frieden die Voraussetzung für wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt ist."

Afrika, ein beliebtes Ziel für ausländisches Kapital, wird zu einer Geschichte zweier Kontinente: Vier Länder verbesserten sich im Jahr 2014 um mehr als 5 %, während sich drei Länder um mehr als 5 % verschlechterten. Vier der zehn Länder, die sich im letzten Jahr am meisten verbessert haben, waren die Subsahara-Länder Elfenbeinküste, Burundi, Madagaskar und Äthiopien. Im Gegensatz dazu befanden sich vier afrikanische Subsahara-Länder auch unter den zehn Ländern mit der grössten Verschlechterung ihrer Friedensraten. Diese vier Länder sind der Südsudan, die Zentralafrikanische Republik, Guinea-Bissau sowie die Demokratische Republik Kongo. Alle der zehn leistungsschwächsten Länder des Jahres 2014 werden von einem autoritären Regime regiert.

Der Index zeigt zudem eine direkte Beziehung zwischen Inflation und Frieden. Hohe oder schwankende Inflationsraten üben einen negativen Effekt auf die Wirtschaft aus, da sie die Unsicherheit verstärken und Investoren abschrecken. Bei den Ländern im oberen Drittel des Global Peace Index schwanken die Inflationsraten im Durchschnitt um ein Drittel weniger als in den Länder auf den untersten 50 Plätzen. Allgemeiner gesagt, erzielten Länder, die ihre Friedenssituation zwischen 1996 und 2010 verbessert haben, im Durchschnitt eine um 2 % grössere Steigerung des jährlichen BIP-Wachstums pro Kopf, im Gegensatz zu den Ländern, deren Friedenssituation sich verschlechterte.

REDAKTIONELLE HINWEISE

Den GPI-Bericht, Videos sowie interaktive Karten finden Sie auf http://www.visionofhumanity.org

Twitter: https://twitter.com/GlobPeaceIndex (#peaceindex)

Facebook: http://www.facebook.com/globalpeaceindex

Über den Global Peace Index

Der GPI des "Institute for Economics and Peace" [http://economicsandpeace.org/about-us] ist der global führende Massstab für Weltfrieden. Er misst anhand von 22 Einzelindikatoren andauernde inländische und internationale Konflikte, die Sicherheit und den Schutz in der Gesellschaft sowie die Militarisierung in 162 Ländern.

Über das Institute for Economics and Peace

Das IEP ist eine internationale und unabhängige Denkfabrik zur Verlagerung des Weltblicks auf Frieden als ein positives, erreichbares, und reales Mass für das menschliche Wohlergehen und den Fortschritt.

Über die Risikobewertungsmodelle

Auf Basis einzigartiger Datensätze wurde vom IEP eine Reihe von Länderrisikomodellen entwickelt. Diese Modelle messen Friedens- und Gewaltniveaus, um die relative Wahrscheinlichkeit der Länder im Hinblick auf die Verbesserung oder Verschlechterung ihrer Friedenszustände beurteilen zu können. Die Ergebnisse dieser Modelle haben nach dem Vergleich mit tatsächlichen geschichtlichen Ereignissen eine gute Vorhersagefähigkeit bewiesen. Unter Verwendung einer Kombination aus beiden Modellen wurden im Jahr 2008 die Ukraine, Syrien und Ägypten unter den Top-20-Ländern mit Risikopotenzial identifiziert. Das IEP-Modell weist im Durchschnitt eine neunzigprozentige prognostische Validität bei der Identifikation der zehn Länder mit der grössten Wahrscheinlichkeit einer Verschlechterung des Friedenszustandes in den beiden darauffolgenden Jahren auf. Die Validierung wurde für fünf Zwei-Jahres-Zeiträume von 2006 bis 2010 ausgeführt.

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