Bertelsmann Stiftung

Geplante Reform der Unternehmensbesteuerung verspricht höheres Investitionsvolumen
Bertelsmann Stiftung lässt Steuerbelastung von Unternehmen überprüfen

    Gütersloh (ots) - Unternehmen in Deutschland müssen derzeit mit
einer deutlich höheren Steuerbelastung rechnen als in den USA,
Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden, Dänemark und Japan. Mit
der von der Bundesregierung für 2001 geplanten Reform der
Unternehmensbesteuerung würde sich die Steuerbelastung in Deutschland
dem internationalen Standard annähern. Dies sind Ergebnisse einer
noch unveröffentlichten Studie des renommierten Londoner "Institute
for Fiscal Studies", die im Auftrag der Bertelsmann Stiftung
Deutschlands Position im internationalen Steuerwettbewerb bestimmen
soll.
    
    Um zu beurteilen, wie investitionsfreundlich das Steuersystem
eines Landes insgesamt ist, werden in der Studie die Kapitalkosten
und die effektiven Durchschnittsteuersätze verglichen. Dabei
schneidet Deutschland in der gegenwärtigen Situation schlecht ab: Die
Kapitalkosten sind in Deutschland höher als in jedem anderen der
untersuchten Länder, und bei den effektiven Durchschnittsteuersätzen
wird Deutschland nur noch von Japan übertroffen.
    
    Die von der Bundesregierung geplante Reform der
Unternehmensbesteuerung würde nach den Ergebnissen der britischen
Wissenschaftler die Steuerbelastung in Deutschland dem
internationalen Niveau anpassen. Zu einem Niedrigsteuerland werde
Deutschland durch die Reform aber nicht: Die Kapitalkosten wären etwa
ebenso hoch wie in den Vergleichsländern, und die effektiven
Durchschnittsteuersätze wären auch nach der Reform noch höher als in
Großbritannien, Dänemark und den Niederlanden. Insgesamt dürfe sich
Deutschland aber von der Reform ein höheres Investitionsvolumen und
damit auch neue Arbeitsplätze versprechen.
    
    "Besonders bemerkenswert an der Studie ist, dass die britischen
Wissenschaftler in einigen Punkten zu deutlich anderen Ergebnissen
kommen als deutsche Steuerexperten", betont Thorsten Wenzel von der
Bertelsmann Stiftung. Zum Beispiel hätten die Forscher des Institute
for Fiscal Studies keine Einwände gegen die geplante Änderung bei der
Besteuerung von Dividenden, während die deutschen Kollegen
verteilungspolitische Gefahren sehen. Auch die unter deutschen
Steuerexperten umstrittene Absicht der Regierung, einbehaltene
Unternehmensgewinne steuerlich günstiger zu behandeln als Dividenden,
werde von den britischen Wissenschaftlern befürwortet. Sie verweisen
darauf, dass mindestens 70 Prozent der Finanzmittel für Investitionen
aus einbehaltenen Gewinnen stammen.
    
    
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