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Kann man "Heimat" besitzen?

Leipzig (ots) - Die dritte Folge der Reihe "Wem gehört der Osten?" thematisiert die Privatisierung von Küsten, Seen und Erholungsgebieten. Zu sehen ist die 45-minütige Doku "Die Heimat" am Dienstag, 14. Juli, um 22.05 Uhr im MDR FERNSEHEN, in der MDR-Mediathek bereits ab 18.00 Uhr.

Anno August Jagdfeld ist Immobilieninvestor und hat Verbindungen bis in die höchsten politischen Kreise. Allein in Berlin gehören seiner FUNDUS-Gruppe Prestige-Objekte wie das Hotel Adlon, das Einkaufszentrum Quartier 206 oder das Kunsthaus Tacheles. An das Ostseebad Heiligendamm und dessen prächtige Villen hat er sein Herz verloren. 1996 kaufte er das ganze Ensemble wertvoller Gebäude von der Treuhand, sanierte das Grand Hotel Heiligendamm für viele Millionen. Doch der Investor überschätzte den Markt in Ostdeutschland, 2012 war das Grand Hotel Heiligendamm pleite und die Küstenvillen sind bis heute nicht saniert. Ein Stück Heimat ist verkauft und es gibt keine Einigung über die Nutzung.

Auf meist wenigen Quadratmetern hatten sich in der DDR etwa 1 Million Pächter ihr ganz privates Idyll errichtet: ihre Datsche. Dass das Land nicht ihnen gehörte, hatte zu DDR-Zeiten keine Bedeutung. Auch Familie Wachall verbringt seit Jahren ihre Freizeit in ihrer Datsche im thüringischen Sondershausen. Wie alle Besitzer profitieren auch sie vom besonderen Kündigungsschutz ihrer Pachtverträge - doch ab Oktober 2015 verfällt diese Regelung. Familie Wachall würde das Grundstück gern kaufen, doch der Besitzer weigert sich. Leider kein Einzelfall.

Für die Region Bitterfeld war die Wiedervereinigung eine große Chance. Milliardenschwere Rekultivierungsmaßnahmen verhalfen der Natur in der einstigen Tagebauregion zum Aufschwung. Ein Beispiel dafür ist der Goitzsche-See, den die Goitzsche Tourismus Gesellschaft (GTG) für die verhältnismäßig geringe Summe von 2,9 Millionen Euro kaufte. Investor Ingo Jung möchte an dem zweitgrößten See im Mitteldeutschen Seenland eine Regattastrecke und ein Hotel errichten. Doch die Privatisierung weckt auch Ängste. Viele der kleinen Gewerbetreibenden befürchten, dass die größten Akteure Vorrang haben im Geschäft mit den Seen. Denn die GTG ist eine Tochter der Blausee GmbH und besitzt auch den Gröberner, Gremminer, Neuhäuser, Zwenkauer und Hainer See.

Dass Stadtimmobilien, Landflächen und zugkräftige Betriebe Rendite bringen sollten, hatte man nach der Wiedervereinigung schnell verstanden. Doch plötzlich wurde der monetäre Wert von Seen, Flüssen und Bergen verhandelt. Ein Stück Heimat, zu dem die Ostdeutschen eine tiefe emotionale Beziehung haben.

Das begleitende Online-Projekt ist unter www.wem-gehoert-der-osten.de zu finden. Fotos unter www.ard-foto.de.

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