Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe

Auf Sonderkonjunktur folgt Normalmarkt
Kfz-Gewerbe zieht Bilanz des Autojahres 2009

Bonn (ots) - Die Sonderkonjunktur der "Umweltprämie" hat dem Deutschen Kraftfahrzeuggewerbe in 2009 einen Umsatzanstieg von 3,7 Prozent auf 134,4 Milliarden Euro beschert. Der Zuwachs bei den Pkw-Neuzulassungen um mehr als 700.000 Einheiten gegenüber 2008 ließ die Umsätze im Neufahrzeughandel um 11,5 Prozent auf 59,6 Milliarden Euro wachsen. Auch das Gebrauchtwagengeschäft im fabrikatsgebundenen Autohandel wuchs um 5,6 Prozent auf 30,5 Milliarden Euro. Das Servicegeschäft in den Kfz-Meisterbetrieben lag mit 28,1 Milliarden Euro in 2009 leicht um 0,3 Prozent über dem Vorjahr. Die Auslastung der Werkstätten hatte sich 2009 gegenüber dem Vorjahr um 2,5 Prozent verbessert.

Bei der Vorlage der Bilanz des Autojahres 2009 sagte Robert Rademacher, Präsident des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK), dass sich die Rendite im Kfz-Gewerbe im vergangenen Jahr auf einen vorläufigen Durchschnittswert von über einem Prozent vor Steuern verbessert habe. Dies sei eine erfreuliche Entwicklung gegenüber dem Vorjahr, als das Kfz-Gewerbe erstmals nach langer Zeit leicht Rot geschrieben hatte. Nun gelte es, die positive Renditeentwicklung im laufenden Jahr zu stabilisieren.

Die Zahlen des Ausnahmejahres 2009 sollten nach Ansicht Rademachers nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich das Kfz-Gewerbe auf absehbare Zeit an ein Leben mit dem "Normalmarkt" gewöhnen müsse: "Das heißt für uns eine jährliche Zahl von etwa 3 Millionen Neufahrzeugen und etwa 6 Millionen Gebrauchtwagen, wobei eine Schwankungsbreite von 5 bis 10 Prozent nach oben und unten im Toleranzbereich liegt", so Rademacher. In 2010 sei mit etwa 2,7 bis 2,8 Millionen Pkw-Neuzulassungen zu rechnen.

Strukturwandel setzt sich fort

Auch der seit Jahren anhaltende Strukturwandel im Kfz-Gewerbe habe sich in 2009 fortgesetzt. Zum 31. Dezember 2009 zählte die Branche bundesweit insgesamt 38.300 Kfz-Meisterbetriebe, davon waren 18.250 fabrikatsgebundene Betriebe und 20.050 freie Werkstätten. Damit lag die Gesamtzahl der Betriebe um zwei Prozent beziehungsweise 800 unter dem Vorjahr.

Zum 31. Dezember 2009 beschäftigten die Kfz-Meisterbetriebe insgesamt 456.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in technischen und kaufmännischen Berufen, das sind 1,3 Prozent beziehungsweise 5.900 Menschen weniger als am 31. Dezember 2008. Parallel dazu ging auch die Gesamtzahl der Auszubildenden im Kfz-Gewerbe per 31. Dezember 2009 um vier Prozent auf nunmehr knapp 85.500 eingetragene Ausbildungsverhältnisse zurück.

Wie Robert Rademacher betonte, könne man diese Entwicklung nicht isoliert betrachten, sondern müsse sie in den Gesamtzusammenhang des Automobilmarkts einbetten. Das Kfz-Gewerbe befinde sich seit Jahren in einem umfassenden Strukturwandel. Der Trend hin zu weniger, aber größeren Unternehmen mit mehreren Betriebsstätten werde sich fortsetzen. Auch die Gesamtzahl der Betriebsstätten werde weiter sinken. Um den Marktteilnehmern ein auskömmliches Überleben zu sichern, müssten sich auch die Grundlagen der Zusammenarbeit zwischen Herstellern und Handel verändern. Dazu werde das Kfz-Gewerbe in Kürze die Grundlagen für ein neues Geschäftsmodell vorstellen, das die Basis für ein auskömmliches Miteinander lege.

Normalisierung der Rabatte notwendig

Kritisch setzte sich Rademacher mit dem teilweise nicht mehr nachvollziehbaren Nachlassgebaren in der Kfz-Branche auseinander. Durch die Umweltprämie seien die Kunden an ein teilweise völlig unrealistisches Preisniveau gewöhnt, so dass es schwieriger werde, die Preise wieder auf ein betriebswirtschaftlich gesundes Niveau zu bringen. "Bei zweistelligen Nachlässen wird im Handel nur noch Geld gewechselt, es sei denn, die Hersteller beteiligen sich mit Abverkaufshilfen, etwa bei Auslaufmodellen. Deshalb muss es zu einer Normalisierung der Rabatte kommen", betonte er. Das könnten auch die Kunden nachvollziehen. Denn größere Nachlässe bei Neuwagen entwerteten auch die Fahrzeuge in Kundenhand.

Restwertrisiko beim Leasing belastet den Handel

Als zusätzliche Belastung erheblichen Ausmaßes für den Handel bezeichnete der ZDK-Präsident das Restwertrisiko bei Leasing-Rückläufern, weil die Restwerte von Leasingfahrzeugen in der Vergangenheit von den Herstellern und ihren Finanzdienstleistern viel zu hoch angesetzt worden seien. Aufgrund dessen seien die Händler gezwungen, nach dem Auslaufen der Leasingverträge die Fahrzeuge überteuert zurückzunehmen und die Verluste zu tragen. "Hier muss dringend etwas geschehen, und bei einigen Herstellern hat sich schon etwas bewegt", so Rademacher. Denn nur in Deutschland werde das Restwertrisiko den Händlern aufgebürdet, in anderen europäischen Märkten und in den USA trügen es die Hersteller. "Als Verband setzen wir uns nachdrücklich für entsprechende Lösungen mit den Herstellern und Importeuren ein", betonte er.

Durchschnittspreise gesunken, Diesel verliert weiter

Nach Angaben des Kfz-Gewerbes waren in der Bilanz des Autojahres 2009 die Fahrzeugsegmente Minis und Kleinwagen die Gewinner. Gegenüber 2008 steigerten die Minis ihren Anteil an den Neuzulassungen von sechs auf zehn Prozent, die Kleinwagen von 18 auf 24 Prozent. Die Mittelklasse büßte vier Prozentpunkte an den Neuzulassungen ein, ihr Anteil fiel von 17 auf 13 Prozent. Daneben verloren auch die obere Mittelklasse, die Oberklasse, Sportwagen und die Großraum-Vans.

Daraus folgte auch eine deutliche Veränderung des durchschnittlichen Neuwagenpreises, der um 13,4 Prozent auf 22.520 Euro zurückging. Bei den Gebrauchtwagen sank die Zahl der Besitzumschreibungen in 2009 leicht um 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr, und der durchschnittliche Gebrauchtwagenpreis gab lediglich um 100 Euro nach, er fiel von 8.690 Euro in 2008 auf 8.590 Euro in 2009. Bezogen auf die Kraftstoffarten haben Dieselfahrzeuge weiter an Boden verloren. Deren Anteil bei Neuwagen ging 2009 um 14,4 Prozent gegenüber 2008 zurück und lag am 31. Dezember 2009 bei 30,7 Prozent der Pkw-Neuzulassungen gegenüber 69,3 Prozent mit Benzinmotor. Die Umweltprämie hat außerdem für eine starke Angleichung der Verhältnisse zwischen privaten und gewerblichen Zulassungen gesorgt. 77,2 Prozent mehr private Zulassungen in 2009 und ein Rückgang der gewerblichen Zulassungen um 18,5 Prozent gegenüber 2008 brachten ein Verhältnis von 37,3 Prozent gewerblichen Neuzulassungen in 2009 gegenüber 62,7 Prozent privaten Zulassungen.

Kfz-Gewerbe für Elektromobilität gerüstet

Bezogen auf die zukünftigen Herausforderungen der Elektromobilität sieht sich das Kfz-Gewerbe gut gerüstet. Bereits heute sei das Thema "alternative Antriebe" für die Betriebe ja nicht neu, etwa in Form gasgetriebener Fahrzeuge oder von Autos mit Hybridantrieb. "Der Kfz-Meisterbetrieb ist und bleibt der kompetente Servicepartner des Autofahrers - ganz gleich, mit welchem Antrieb sein Fahrzeug zukünftig ausgerüstet sein wird", betonte ZDK-Vizepräsident und Bundesinnungsmeister Wilhelm Hülsdonk.

Gemeinsam mit Herstellern, Importeuren und Berufsgenossenschaft habe das Deutsche Kraftfahrzeuggewerbe ein spezielles Weiterbildungsprogramm für die Wartung und Reparatur so genannter Hochvoltfahrzeuge entwickelt. Bei den zweitägigen Seminaren gehe es unter anderem darum, Hybrid-, Elektro- und Brennstoffzellenautomobile spannungsfrei zu schalten, die Spannungsfreiheit auch zu überprüfen und ein versehentliches Wiedereinschalten zu verhindern.

Neue GVO darf Mehrmarkenvertrieb nicht gefährden

Beim Thema Kfz-Gruppenfreistellungsverordnung (GVO) hat das Kfz-Gewerbe nach den Worten von Präsident Rademacher seine Forderungen gegenüber der EU-Kommission deutlich artikuliert. Grundsätzlich sei zu begrüßen, dass es überhaupt eine neue Kfz-GVO geben werde und die Regelungen der heutigen GVO im Neuwagenbereich um drei Jahre bis 31. Mai 2013 verlängert würden. Ebenfalls positiv sei zu bewerten, dass im Bereich Service und Ersatzteile grundsätzlich das heutige System beibehalten werden solle. Hingegen sieht es der ZDK als problematisch an, dass im Neuwagenvertrieb ab 1. Juni 2013 die allgemeine Vertikal-GVO gelten soll. Dies führe zu einer Schwächung der Position des Handels, da Hersteller und Importeure den Mehrmarkenvertrieb einschränken, eine Bezugspflicht für Neuwagen ihrer Marke von bis zu 80 Prozent des Gesamtbezugs vorsehen und die so genannte Niederlassungsfreiheit aufheben könnten. Zudem entfielen die Regelungen des heutigen Artikels 3 der Kfz-GVO, der sowohl Mindestkündigungsfristen als auch einen Begründungszwang bei einer ordentlichen Kündigung vorsieht und Möglichkeiten der Übertragung des Vertrages ohne Zustimmung des Herstellers oder Importeurs möglich macht.

"Aus Gründen der Rechtssicherheit plädieren wir nachdrücklich dafür, die Bestimmungen der aktuellen Kfz-GVO insbesondere hinsichtlich des Mehrmarkenvertriebs und der bestehenden Kündigungsbestimmungen auf europäischer Ebene langfristig rechtlich verbindlich zu erhalten", so Rademacher.

Einführung des Wechselkennzeichens gefordert

Außerdem setzt sich der ZDK-Präsident nachdrücklich für die Einführung des Wechselkennzeichens in Deutschland ein. Es ermöglicht die Nutzung mehrerer Autos mit einem Kennzeichen, wobei jeweils nur ein Fahrzeug benutzt werden darf und die Steuer und Versicherung nach dem jeweils größten Modell berechnet wird. "Unsere Nachbarn in Österreich und der Schweiz haben mit dieser Variante des Kennzeichens positive Erfahrungen gemacht, auch die Europäische Union und der Bundesverkehrsminister stehen ihm positiv gegenüber", so Rademacher. Durch die Einführung von Wechselkennzeichen könnte bei vielen Autofahrern ein Anreiz geschaffen werden, sich etwa für Stadtfahrten und Kurzstrecken ein zusätzliches kleines und sparsames Fahrzeug anzuschaffen. Davon profitiere nicht zuletzt auch die Umwelt.

Kfz-Gewerbe startet neuen Internet-Auftritt

Anlässlich der Jahrespressekonferenz gab Rademacher den Startschuss für die komplett neuen Internet-Auftritte des ZDK und der 14 Landesverbände des Kfz-Gewerbes. Neu ist unter anderem ein Suchportal für Autofahrer, in das sich Meisterbetriebe der Kfz-Innungen ab sofort kostenlos eintragen können.

Pressekontakt:

Ulrich Köster, Pressesprecher, Deutsches Kfz-Gewerbe, Zentralverband,
Franz-Lohe-Str. 21, 53129 Bonn, Tel. 0228/91 27-270,
Mail: koester@kfzgewerbe.de

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