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20.12.2005 – 12:28

Gruner+Jahr, GEO

"Das große Kopfzerbrechen"

    Hamburg (ots)

Forscher experimentieren mit Rettungs-Methoden für die verbrannten Bücher der Anna-Amalia-Bibliothek

    15 Monate nach dem Brand, der die Weimarer Anna-Amalia-Bibliothek teilweise zerstörte, lassen sich die bisherigen Maßnahmen bilanzieren, möglichst große Teile eines der kostbarsten Bücherschätze Deutschlands doch noch zu retten. Wie das Magazin GEO in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, lagern in den Kühlkammern des Leipziger Zentrums für Bucherhaltung noch 22 Tonnen verkohltes Papier: etwa 28 000 beschädigte Bücher, Handschriften, Partituren, deren weiterer Zerfall zunächst durch das Einfrieren bei minus 20 Grad verhindert werden soll. Eine Maßnahme, die  die Werke auch vor Schimmelpilz und dem weiteren "Ausbluten" von Tinten und Farben bewahren soll.

    Rund 10 000 "leichtverletzte" Bücher gelten nach der Trocknung von Löschwasserrückständen und grober Reinigung inzwischen als "geheilt" und sollen in ein neues, feuerfestes Tiefenmagazin der Weimarer Bibliothek einsortiert werden.

    Ungewiss ist dagegen noch immer, welchen Teil des in Leipzig gelagerten Bestandes die Restauratoren werden retten können. "Das Verfahren der Gefriertrocknung ähnelt dem bei der Herstellung von Instant-Kaffee", zitiert GEO den Experten Manfred Anders. Es sei unter den bekannten Methoden die schonendste, das Löschwasser aus den Büchern zu ziehen. 50 verschiedene Materialien für Schutzhüllen wurden dabei getestet, die die Bücher den bis zu vierwöchigen Trockenprozess in einem Beinahe-Vakuum von unter sechs Millibar überstehen lassen sollen. Jetzt aber, so Anders, sei "das große Kopfzerbrechen" über die weiteren Schritte im Gange.

    Dazu zählen Versuche, mit Infrarotverfahren wenigstens den Inhalt unrettbarer Schriftstücke zu identifizieren und ihn digital festzuhalten. Bei besonders wertvollen Einzelwerken sollen die teils nur ein Zehntel Millimeter dünnen, im durch Hitze und Löschwasser miteinander "verbackenen" Blätter in Vorder- und Rückseite gespalten, mit einem neuen, festen Papierkern gestärkt und anschließend einzeln konserviert werden. Beschädigte Einbände anderer kostbarer Werke sollen einer Art "Hauttransplantation" unterzogen werden.

    Auf insgesamt 20 Millionen Euro werden die Kosten der verschiedenen Maßnahmen geschätzt; 20 bis 30 Jahre könnte es dauern, das Weimarer Weltkulturerbe wenigstens in Teilen zu erhalten.

    GEO "Warum glaubt der Mensch" umfasst 180 Seiten, kostet 6,- Euro und ist seit gestern im Handel erhältlich.

    Unter www.geo.de/presse-download finden Sie das aktuelle Heftcover zum Download.

    Belegexemplare erbeten.

Für Rückfragen:

Maike Pelikan GEO Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Tel.: 040/3703-2157, Fax: 040/3703-5683, E-Mail: pelikan.maike@geo.de GEO im Internet: www.GEO.de

Original-Content von: Gruner+Jahr, GEO, übermittelt durch news aktuell

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