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CDU/CSU - Bundestagsfraktion

Schäuble: Besonnenheit und Zukunft

Berlin (ots)

Zum Thema „Zentrum gegen Vertreibungen“ erscheint
in der Ausgabe der Zeitung „Der Tagesspiegel“ vom 19.10.2003 folgende
Kolumne des stellvertretenden Vorsitzenden der
CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Dr. Wolfgang Schäuble MdB:
Die Heftigkeit, mit der die Debatte um das „Zentrum gegen
Vertreibungen“ geführt wird, erklärt Antje Vollmer mit dem besonders
grundsätzlichen Charakter jener Fragen, bei denen es um kollektive
Erinnerung und das Selbstverständnis Deutschlands geht. Nicht nur
Deutschlands, würde ich ergänzen, denn der Grad öffentlicher Erregung
scheint mir in Polen oder Tschechien nicht unbedingt geringer zu
sein. Was die These von Antje Vollmer eher bestätigt, denn auch
diesen Ländern geht es um ihr Selbstverständnis, um ihre kollektive
Erinnerung, man kann auch sagen: um ihre nationale Identität.
Damit hängt unmittelbar zusammen ein zweiter Grund für die
Schroffheit der Gegensätze und auch für das Verletzungspotential in
dieser Debatte, der sich nach meinem Dafürhalten aus den
unterschiedlichen Möglichkeiten und Antworten auf die Frage ergibt,
wie erlebte und insbesondere erlittene Geschichte verstanden,
verarbeitet wird und welche Schlussfolgerungen man aus ihr zieht.
Eine solche Lehre aus der Geschichte ist nämlich, dass sich auch die
tragischsten Folgen gewaltsamer Veränderungen selbst beim besten
Willen niemals vollständig rückgängig machen lassen. Das wusste man
schon beim Westfälischen Frieden und auch beim Wiener Kongress.
Gleichwohl scheint diese für viele bittere, aber wahre Erkenntnis
noch heute längst nicht von jedem akzeptiert werden zu können oder zu
wollen. Das belegt in Deutschland auch der nicht enden wollende
Verlauf einer anderen, nicht weniger unversöhnlich geführten Debatte,
nämlich der um die Behandlung der Enteignungen in der ehemaligen
sowjetischen Besatzungszone zwischen 1945 und 1949 bei der vierzig
Jahre später glücklich erlangten Wiedervereinigung. Auch hier
entspricht es geschichtlicher Erfahrung, dass die Hartnäckigkeit, mit
der Erben Vermögensopfer ihrer Vorfahren rückgängig machen wollen,
manchmal in keinem rechten Verhältnis steht zu den denknotwendig
nicht rückgängig zu machenden Opfern an Leib und Leben, die Gewalt
und Diktatur in der Geschichte allzu oft geschlagen haben.
Letzten Endes bleibt dagegen immer nur die Hoffnung, aus der
Geschichte zu lernen, dazu Zeichen des Erinnerns und des
Verständnisses zu setzen und auf dieser Grundlage eine bessere
Zukunft zu bauen. Deswegen ist das Anliegen des „Zentrums gegen
Vertreibungen“ ja auch richtig, das nach den Worten seiner
Initiatoren ein lebendiges Beispiel der Vertriebenen sein soll, „das
Miteinander mit unseren östlichen Nachbarländern zu suchen und die
Schrecken der Vergangenheit zu überwinden.“
Genau darum muss es jetzt gehen in dieser Debatte, in der bisher
leider zu viel schief gelaufen ist: um Mäßigung und Besonnenheit im
Ton, wozu Frau Steinbach dankenswerter Weise gerade erst wieder
aufgerufen hat, und in der Sache um die Ausrichtung auf die Zukunft.
Und die kann nur Europa heißen. So wie die Grenzen zwischen unseren
Ländern das Trennende verlieren, so sollen und können auch die
unterschiedlichen geschichtlichen Erfahrungen selbst von großem Leid
und Unrecht Ausgangspunkt, Anlass und sicher nicht das schwächste
Motiv sein, sich gemeinsam für ein einiges, starkes und
handlungsfähiges Europa einzusetzen.
Die nächste und beste Gelegenheit dazu bietet die
Regierungskonferenz zum Konventsentwurf für eine Europäische
Verfassung. Auch hier liegt leider noch manches im Argen, wie
wiederum die Hartnäckigkeit zeigt, mit der manche ihre auf dem
gescheiterten Gipfel von Nizza erlangten Besitzstände verteidigen
wollen. Europa kann auch scheitern – diese Gefahr liegt in all diesen
überzogenen Egoismen. Stillstand ist Rückschritt. Und wo uns der in
Europa hinführen würde, kann gerade auch ein „Zentrum gegen
Vertreibungen“ aufzeigen.
ots-Originaltext: CDU/CSU - Bundestagsfraktion
Digitale Pressemappe:
http://www.presseportal.de/story.htx?firmaid=7846

Kontakt:

CDU/CSU - Bundestagsfraktion
Pressestelle
Telefon: (030) 227-52360
Fax: (030) 227-56660
Internet: http://www.cducsu.de
Email: fraktion@cducsu.de

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