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Lamers: Es gibt nur eine politische Lösung für Mazedonien

    Berlin (ots) - Zu den Auseinandersetzungen in Mazedonien erklärt
der außenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Karl
Lamers MdB:
    
    Mit den Kämpfen in Mazedonien droht eine weitere westliche
Illusion des Multi-Ethnizitismus auf dem Balkan zu platzen. Für das
Überleben dieses Staates gibt es nur noch eine Chance: Die
Anerkennung der Albaner als zweite staatsbildende Nation.
    
    Gewiss ist militärische Hilfe für das Land bei dem Versuch, die
Ausweitung der Kämpfe um Tetovo zu einem flächendeckenden Bürgerkrieg
zu vermeiden, richtig; aber sie kann nur in Kombination mit einem
politischen Konzept erfolgversprechend sein und sie darf keine
Teilnahme an den Kämpfen sein, die schnell in einen den Kosovo
einschließenden Sumpf führte.
    
    Wenn überhaupt, dann kann nur solcher Art eine dauerhafte Lösung
gefunden und der albanische Nationalismus gebändigt werden.
Jedenfalls ist dieser die entscheidende Realität in den Köpfen der
Albaner, wie aller anderen Völker in der Region, woraus der Westen im
Falle der Kroaten und Slowenen bereits die notwendigen Konsequenzen
gezogen hat. Die unvermeidliche Intervention der NATO im Kosovo hat
längst zu einer faktischen, nie mehr rückgängig zu machenden
Unabhängigkeit des Kosovo geführt.
    
    Das Ergebnis der zehnjährigen Konflikte im früheren Jugoslawien
ist eine weitreichende und immer noch weiter gehende Separation der
Ethnien. Jede politische Ordnung auf dem Balkan ist nur so stabil,
wie sie auf dem Einverständnis der Betroffenen beruht und Separation
ist, auch wenn wir das beklagen, in der Regel Voraussetzung für
Versöhnung. Schreckgespenster wie Großalbanien - gerade mal 5.3
Millionen Einwohner - oder ähnliche angebliche Nachtmahr sind
Ausdruck der Angst des Status-Quo-fixierten Westens vor Veränderung
in einer Region, in der alle Kräfte Veränderung wollen. Die damit
verbundene, bereits eingetretene und sich weiter vollziehende
Fragmentierung der politischen Strukturen hat neben ihrer
befriedenden Wirkung äußerst negative Folgen für die Lebensfähigkeit
der so entstehenden Gebilde. Sie können nur durch Integration, durch
eine neue übergreifende Struktur europäischer Art abgewendet werden.
Dafür drängt sich die Institutionalisierung des Stabilitätspakts
geradezu auf.
    
    Wenn der Westen die Ereignisse in Mazedonien nicht endlich zum
Anlass nimmt, ein realistisches Gesamtkonzept für die Region zu
entwickeln, wird er sich auf eine jahrzehntelange Präsenz auf dem
Balkan einrichten müssen. Mit einem realistischen Plan könnte diese
Zeit auf vielleicht ein Jahrzehnt verkürzt werden. Die zu diesem
Zeitpunkt unglückliche Ankündigung einer deutlichen Verringerung der
US-Kräfte in Bosnien muss die Europäer zusätzlich wachrütteln.
    
    
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