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„Investitionen ins Ökosystem sind eine Multigewinnstrategie“

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„Investitionen ins Ökosystem sind eine Multigewinnstrategie“

Diskussionsabend der Evangelischen Akademie Bad Boll und der Kreissparkasse Göppingen

Austausch und Debatte sind gefragt, wenn es darum geht, die großen Aufgaben der Gegenwart zu bewältigen. Dieser Gedanke stand hinter der Veranstaltung „Zurück in die Zukunft?! – Wirtschaft zwischen Wandel und Weiter-so“, die am Montag (08.11.2021) in der Sparkassenakademie in Stuttgart in Präsenz stattfand und zeitgleich online gestreamt wurde. Eingeladen hatten die Kreissparkasse Göppingen und die Evangelische Akademie Bad Boll. Gemeinsames Ziel war es, ökonomische und ökologische Perspektiven zusammenzutragen und zu diskutieren. Gäste auf dem Podium waren die Transformationsforscherin Prof. Dr. Maja Göpel, der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Dr. h.c. Lars P. Feld, die Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen des Landes Baden-Württemberg, Nicole Razavi MdL, sowie der Präsident des Sparkassenverbandes Peter Schneider.

„Die Pandemie und die Klimakrise zwingen uns zu handeln“, betonte Dr. Hariolf Teufel, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Göppingen, gleich zu Beginn in seinem Grußwort. Er hob die Bedeutung der gesellschaftlichen und politischen Kipppunkte hervor, die schnelles Reagieren erforderten.

„Aktueller könnte unsere Veranstaltung kaum sein“, formulierte es auch Prof. Dr. Jörg Hübner, Direktor der Evangelischen Akademie Bad Boll. „Was wollen, was sollen, was dürfen wir angesichts der schlimmer werdenden Klimakrise?“, lautete seine rhetorische Frage. Die Antworten, die an diesem Abend gegeben wurden, waren teilweise kontrovers.

„Jede wissenschaftliche Perspektive ist nur ein Ausschnitt der Realität“, betonte Professorin Maja Göpel in ihrem Impulsvortrag. Sie plädierte an Wissenschaft und Wirtschaft, ihre Prämissen auf den Prüfstand zu stellen. So sage beispielsweise das Bruttoinlandsprodukt nichts über die Nachhaltigkeit aus. Tatsächlich arbeite die Wirtschaft aktuell hoch unökonomisch. „Bevor wir von Erfolg reden, müssen wir auch die Schäden einberechnen“, hob sie hervor. Sie verwies dabei auf die „Kriterien des Wachstums“, die der Club of Rome bereits in 1972 formuliert hatte. Monetär gelte ökologisch bewusstes Wirtschaften aktuell noch als Kostenfaktor. Das Gegenteil sei der Fall: „Ins Ökosystem zu investieren ist eine Multigewinn-strategie“, so Göpel.

„Wenn wir etwas verändern wollen, müssen wir in der Umsetzung besser werden“, betonte der Ökonom Professor Lars P. Feld. Die öffentliche Verwaltung sei jedoch nicht in bestem Zustand – weder in ihren Ämtern noch im Gesundheits- und Bildungsbereich. Als Vorbild für den Gesundheitsbereich verwies er auf die Bewältigung der Corona-Pandemie in Südkorea, wo man die Möglichkeiten der digitalen Nachverfolgung intensiver genutzt und systematischer geimpft habe.

Mit Blick auf den Klimawandel forderte Feld die CO2-Bepreisung mindestens zu verdoppeln. „Preise sorgen dafür, dass Veränderungen sich durchsetzen“, betonte er. Im Gegenzug müsse ein Ausgleich für sozial Schwache geschaffen werden. Da die Verwaltung dies aktuell nicht leisten könne, sei die Rückgabe der Mittel mit den Rundfunkgebühren aktuell die beste Lösung – „die GEZ hat wenigstens die Informationen über die Haushalte.“ Zuversicht äußerte der Wirtschaftswissenschaftler hinsichtlich technischer Innovationen. Hier liege „der Schlüssel zur Lösung“. Ebenso wichtig sei es, international gemeinsam zu agieren. Den Klimawandel könne man nur aufhalten, wenn auch Indien und China im Boot sind.

Peter Schneider schilderte in der Podiumsdiskussion die teilweise „irrsinnigen“ regulatorischen Verordnungen, mit denen Sparkassen aktuell zu kämpfen haben. Einige Forderungen zur Nachhaltigkeit seien für die Institute kaum zu realisieren. „Ich bin nicht gegen ihre Forderungen“, betonte er gegenüber Maja Göpel, „aber ich bitte um Hilfestellung und Klarstellung und somit Verlässlichkeit bei der praktischen Umsetzung.“ Es sei für Sparkassen aktuell kaum möglich, alle Anlageprodukte restlos zu durchleuchten. Ähnliches gelte auch für Kreditnehmer. „Ich kann nicht garantieren, dass am Ende in einem Betrieb nicht doch mit Schrauben gearbeitet wird, die in Kinderarbeit hergestellt wurden“, so Schneider.

„Ökonomie und Ökologie sollten nicht konträr diskutiert werden, sondern sind zwei Seiten einer Medaille“, erklärte Ministerin Nicole Razavi. Das Land Baden-Württemberg habe in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, dass es die richtigen Antworten auf die Herausforderungen der Zeit finden könne. „Wir sollten auf unser Können vertrauen.“

Im Anschluss an die Debatte nützen etliche Zuhörerinnen und Zuhörer vor Ort und im Online-Chat die Gelegenheit, um Fragen zu stellen. Die Vielfalt der angesprochenen Themen könnte Stoff für viele weitere Diskussionsabende bieten.

Pressefotos: bei Nennung der Fotografin/des Fotografen zum Abdruck frei.

Mit freundlichen Grüßen

Miriam Kaufmann, Referentin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
 

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