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22.06.2020 – 15:45

BUND

++ Fall Tönnies: Symbol eines menschenunwürdigen und Tierleid erzeugenden Agrarsystems - Politik hat ihren Anteil am Skandal ++

BUND-Kommentar vom 22. Juni 2020

Fall Tönnies: Symbol eines menschenunwürdigen und Tierleid erzeugenden Agrarsystems – Politik hat ihren Anteil am Skandal

Zur aktuellen Debatte über die Corona-Fälle im Schlachtkonzern von Clemens Tönnies erklärt Olaf Bandt, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND):

„Der Fall Tönnies ist nur die Spitze des Eisbergs. Er steht für ein menschenunwürdiges und Tierleid erzeugendes Agrarsystem. Seit Jahrzehnten erleben wir in der Land- und Lebensmittelwirtschaft ungehemmte Konzentrationsprozesse zu immer größeren Ställen, Bauernhöfen oder Schlachtkonzernen. Dabei bleiben gute Arbeitsbedingungen, artgerechte Tierhaltung sowie Umwelt- und Klimaschutz viel zu oft auf der Strecke. Die auf Wachstum und Agrarexport ausgerichtete Politik hat einen erheblichen Anteil an dem Skandal.

Wir brauchen regionale Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen. Die Bundesregierung ist aufgefordert, sich für dezentrale Schlachthöfe, Mühlen und Lebensmittelhandwerk einzusetzen. Sie muss für faire Arbeitsbedingungen und gerechte Löhne für alle Menschen in der Wertschöpfungskette sowie den dringend notwendigen Umbau der Nutztierhaltung sorgen. In diesem Punkt bietet das Konjunkturpaket der Bundesregierung viel zu wenig.

Die Empfehlungen des Kompetenznetzwerks Nutztierhaltung werden für bessere Haltungsbedingungen für Schweine, Kühe und Geflügel sorgen, wenn die Agrarpolitik sie endlich umsetzt. Es ist zu begrüßen, dass sich Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner am Wochenende zu zentralen Empfehlungen der Borchert-Kommission bekannt hat. Sie hätte aber schon längst handeln müssen. Anstatt den Prozess weiter zu verschleppen, erwarten wir von Ministerin Klöckner jetzt konkrete Schritte zur Umsetzung der Empfehlungen der Borchert-Kommission.

Menschenunwürdige, tierquälerische und umweltfeindliche Bedingungen dürfen nicht weiter mit der Herstellung von Fleisch, Milch und Eiern verbunden sein. Das Signal kann auch in der nächsten Woche der Bundestag bei seiner Entscheidung zur Borchert-Kommission setzen.

Wir wünschen den Beschäftigten, die erkrankt sind, gute und schnelle Genesung.“

Kontakt: Christian Rehmer, BUND-Experte für Agrarpolitik, Mobil: 0174-3932100, E-Mail: christian.rehmer@bund.net

BUND-Pressestelle:

Sigrid Wolff | Daniel Jahn | Judith Freund | Heye Jensen

Tel. 030-27586-425 | -531 | -497 | -464 | E-Mail: presse@bund.net, www.bund.net

Sie erreichen die Pressestelle zurzeit vermehrt mobil.

Sigrid Wolff: 0162 96 11 946

Daniel Jahn: 0170 160 66 58

Judith Freund: 0176 476 841 64

Heye Jensen: 01590 633 23 72

Hrsg.: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) e.V., Antje von Broock (v.i.S.d.P.), Kaiserin-Augusta-Allee 5, 10553 Berlin

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