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08.05.2020 – 10:07

BUND

++ Keine Staatshilfen für Dividenden zahlende Konzerne - Autokonzerne müssen Zahlungen an Aktionäre in Höhe von 5,8 Milliarden Euro stoppen ++

Gemeinsame Pressemitteilung vom 8. Mai 2020

Keine Staatshilfen für Dividenden zahlende Konzerne – Autokonzerne müssen Zahlungen an Aktionäre in Höhe von 5,8 Milliarden Euro stoppen

Berlin/Köln. Die Autolobby ruft in diesen Tagen nach Kaufprämien für Pkw. Zeitgleich planen eben diese Autokonzerne Dividendenauszahlungen in Milliardenhöhe an Aktionärinnen und Aktionäre. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre kritisieren diese Vorgehen scharf und machen anhand konkreter Zahlen der drei großen deutschen Automobilhersteller deutlich, dass die Forderungen der Autokonzerne nach Staatshilfen in Form von Kaufbeihilfen, Steuersenkungen und einer neuen Form der Abwrackprämie absolut unangemessen sind.

Jens Hilgenberg, Leiter Verkehrspolitik des BUND und Vorstandsmitglied beim Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre: „Gewinne privatisieren und Risiken sozialisieren, das ist der Plan der Autokonzerne. Jetzt ist die Bundesregierung gefordert, diese Unverschämtheit nicht zuzulassen. Es muss gelten: Keine Staatshilfen für Dividenden zahlenden Konzerne.“

Mit insgesamt 5,8 Milliarden Euro Dividende wollen Volkswagen, Daimler und BMW ihre Aktionärinnen und Aktionäre am für die Konzerne finanziell erfolgreichen Jahr 2019 beteiligen. Gleichzeitig rufen die gleichen Konzerne nach finanzieller Unterstützung des Staates für das Jahr 2020. Hilgenberg weiter: „Die gerade in der Corona-Krise nach wie vor begrenzten Steuermittel müssen vor allem solchen Unternehmen zugutekommen, die anders als unsere Autokonzerne keine großen finanziellen Rücklagen bilden konnten. Das betrifft vor allem kleine Unternehmen und den Mittelstand, die in vielen Fällen in der Existenz bedroht sind. Dass gut situierte Konzerne jetzt solchen Unternehmen die begrenzten Mittel streitig machen, ist unlauter.“

Auch großzügige Boni für Vorstandsmitglieder sind der aktuellen Situation nicht angemessen und müssen gekürzt werden, erklärt JensHilgenberg weiter: „Boni für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hingegen sollten von den Dividendenzahlungen entkoppelt und ausgezahlt werden. Denn Sonderzahlungen für Mitarbeitende kommen, entgegen der Managerboni, vor allem der lokalen Wirtschaft zugute.“

Aktuell einbrechende Absatzzahlen sind nicht zuletzt einer verfehlten Modellpolitik der letzten Jahre geschuldet. Die Konzentration auf immer größere, schwerere und leistungsstärkere Fahrzeuge macht sich in der Krise besonders negativ bemerkbar. Zukünftig müssen die Konzerne auf kleine, leichte und sparsame Elektrofahrzeuge setzten, die energie- und ressourcenschonend in Herstellung, Betrieb und Entsorgung sind. Auch sollten die Konzerne vermehrt auf die Produktion von Fahrzeugen für öffentliche Verkehre umstellen.

Hilgenberg abschließend: „Großaktionäre wie das Land Niedersachsen bei der Volkswagen AG oder die Familie Quandt/Klatten bei der BMW AG haben jetzt die Chance, Haltung zu zeigen. Sie müssen dafür bei den anstehenden Hauptversammlungen die Dividendenzahlung für das vergangene Geschäftsjahr unterbinden und dafür sorgen, dass die Modellpolitik und Geschäftsmodelle einmal grundlegend überdacht werden.“

Hintergrund

Geplante Dividendenzahlungen deutscher Autokonzerne 2020:

- VW  Aktionärsstruktur: www.volkswagenag.com/de/InvestorRelations/shares/shareholder-structure.html 
 Aktienkurs: 128,32 (Stand 07.05.2020) 
 Dividende je Stammaktie: 6,50 € 
 Dividende je Vorzugsaktie: 6,56 € 
 Anzahl der ausstehenden Aktien: 
 Stammaktien: 295.089.818 x 6,50 € = 1.918.083.817 € 
 Vorzugsaktien: 206.205.445 x 6,56 € = 1.352.707.719 € 
 Dividendenausschüttung gesamt: 3.270.791.536 €
- BMW Aktionärsstruktur: www.bmwgroup.com/de/investor-relations/aktie.html#ace-411422262 
 Aktienkurs: 50,35 (Stand 07.05.2020) 
 Dividende je Stammaktie: 2,50 € 
 Dividende je Vorzugsaktie: 2,52 € 
 Anzahl der ausstehenden Aktien: 
 Stammaktien: 601.995.196 x 2,50 € = 1.504.987.990,00 € 
 Vorzugsaktien: 56.122.857 x 2,52 € = 141.429.599,64 € 
 Dividendenausschüttung gesamt: 1.646.417.589,64 €
- Daimler Aktionärsstruktur: www.daimler.com/investoren/aktie/aktionaersstruktur 
 Aktienkurs: 30,29 € (Stand: 07.05.2020) 
 Dividende je Stammaktie: 0,90 Euro 
 Anzahl der ausstehenden Aktien: 1.069.837.447 
 Dividendenausschüttung gesamt: 962.853.702 €  

Den Gegenantrag zur Hauptversammlung der BMW AG am 14. Mai 2020, keine Dividende auszuschütten, finden Sie hier: www.kritischeaktionaere.de/bmw/gegenantraege-43/

Kontakt: Jens Hilgenberg, Leiter Verkehrspolitik BUND und Vorstand Dachverband der Kritischen Aktionäre, Tel.: 0151-56313302, E-Mail: jens.hilgenberg@bund.net

BUND-Pressestelle:

Sigrid Wolff | Daniel Jahn | Judith Freund | Heye Jensen

Tel. 030-27586-425 | -531 | -497 | -464 | E-Mail: presse@bund.net, www.bund.net

Sie erreichen die Pressestelle zurzeit vorrangig mobil:

Sigrid Wolff: 0162-96 11 946

Daniel Jahn: 0170-160 66 58

Judith Freund: 0176-476 841 64

Heye Jensen: 01590-633 23 72

Hinweis: Angesichts der Ausbreitung des Corona-Virus ergreift auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) alle notwendigen Vorsichtsmaßnahmen. So arbeiten die Mitarbeiter*innen verstärkt im Home-Office und nutzen Telefonkonferenzen und digitale Medien für die Kommunikation. Wir alle tragen Verantwortung im Kampf gegen eine weitere Verbreitung des Virus. Gesamtgesellschaftliches Handeln ist das Gebot der Stunde. Von diesem Bewusstsein lassen wir uns stets auch bei unserem Einsatz für den Umwelt- und Naturschutz leiten. Trotz Corona-Krise ist es daher wichtig, dieses Engagement unter Berücksichtigung der gebotenen Vorsichtsmaßnahmen fortzusetzen. Auch die Klimakrise und das Artensterben sind weltweite Krisen, die nicht aus dem Blick geraten dürfen. Umwelt- und Naturschutz betreffen uns alle unmittelbar.

Hrsg.: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) e.V., Antje von Broock (v.i.S.d.P.), Kaiserin-Augusta-Allee 5, 10553 Berlin