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BUND: Nitrofen-Fall kein Argument gegen Ökolandbau / Pestizidbelastungen in EU und bundesweit reduzieren!

    Berlin (ots) - Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland
(BUND) hat die Agrarminister der Länder aufgefordert, zusammen mit
den Umweltministerien Pestizidaltlasten aufzuspüren und diese zu
entsorgen. Anderenfalls könnten sich giftige Kontaminationen von
Lebensmitteln aus konventioneller und ökologischer Landwirtschaft
jederzeit wiederholen. Zugleich müsse die Agrarwende beschleunigt
werden, um den Einsatz der zur Zeit über tausend in Deutschland
zugelassenen Pestizide drastisch zu reduzieren. Der
Futtermittelindustrie warf der BUND vor, im Nitrofen-Fall eine
ähnlich unrühmliche Rolle gespielt zu haben wie beim BSE-Skandal. Sie
bleibe jedoch - zum Schaden von Verbrauchern und Landwirten - erneut
von zusätzlichen Kontrollmaßnahmen verschont und lehne zudem jede
Beteiligung an den Folgekosten ab. Auf EU-Ebene müsse nun dringend
eine offene Futtermitteldeklarierung durchgesetzt werden.
    
    Hubert Weiger, BUND-Agrarexperte: "Die Umwelt- und Agrarminister
müssen die Altlastenkataster der Länder nach möglichen
Kontaminationsquellen für Agrarprodukte durchforsten. Die frühere
Lagerung von Pestiziden in der Futtermittel-Halle von Malchin hätte
als Gefahr erkannt werden können. Der Nitrofen-Fall hätte zudem bei
kürzeren Aufkaufswegen nicht dieses Ausmaß erreicht. Es macht wenig
Sinn, Futtergetreide aus Brandenburg in Mecklenburg einzulagern und
dann nach Niedersachsen oder Bayern zu liefern. Zum ökologischen
Landbau gibt es gerade wegen des Nitrofen-Skandals keine Alternative.
Gesunde, umweltfreundlich produzierte und unbelastete Nahrungsmittel
sind nur mit ökologischen Anbaumethoden, einer betriebseigenen
Futterbasis und artgerechter Tierhaltung möglich."
    
    Die Umweltorganisationen BUND und EURONATUR beklagen die extrem
hohe "normale" Pestizidbelastung von Lebensmitteln in Europa. Seit
1996 seien die Überschreitungen der Grenzwerte für Pflanzengifte bei
den untersuchten Lebensmitteln von 3 Prozent auf über 4 Prozent
gestiegen. Bei rund einem Drittel der Lebensmittel waren
Pestizidbelastungen bis zur Höhe der jeweiligen Grenzwerte
festzustellen. Lutz Ribbe, Agrarexperte von EURONATUR: "Der
Nitrofenskandal hat gezeigt, welche langfristigen Risiken und
kurzfristigen Nebenwirkungen der Einsatz von Agrargiften in der
Landwirtschaft hat. Allein die scharfe Kontrolle der Bioprodukte hat
die Schlamperei in der Malchiner Lagerhalle aufgedeckt. Die Prüfung
der Futter- und Lebensmittel auf Schadstoffe muss europaweit
verbessert werden. Die Öffentlichkeit hat zudem ein Recht darauf,
sofort über Gefahren und Verstöße aufgeklärt zu werden." Ein
entsprechendes Verbraucherinformationsgesetz war vor einer Woche
durch die CDU/CSU-geführten Länder im Bundesrat blockiert worden und
liegt derzeit im Vermittlungsausschuss. Der BUND ruft Verbraucher und
Verbraucherinnen auf, verstärkt Biolebensmittel zu kaufen.
Deutschland könne sich am Beispiel Italiens orientieren, wo bereits
über eine Million Hektar Land ökologisch bewirtschaftet würden. Durch
intensive Förderung und Verbraucheraufklärung sei es auch in Dänemark
und Schweden gelungen, Supermärkte, Schulen und Betriebskantinen zu
Hauptabnehmern von Bioprodukten zu machen. Das sei die beste Vorsorge
gegen künftige Lebensmittelskandale.
    
    
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