"M" Menschen Machen Medien (ver.di)

Wert der journalistischen Arbeit - Nutzen für die Demokratie
23. Journalistentag der dju in ver.di versammelte über 150 Interessierte

    Berlin (ots) - Der Wert der journalistischen Arbeit war Thema des 23. Journalistentages der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union in ver.di, der am 28. November 150 Teilnehmer in Berlin zusammenführte. "Die Bedingungen für Unabhängigkeit und Qualität der Medien haben sich massiv verschlechtert", erklärte verdi-Vize Frank Werneke. Der Arbeitsalltag sei durch Leistungsverdichtung, Stellenverluste, Knebelverträge und schlechte Honorierung für Freie, die Filetierung von Zeitungshäusern, Ausgründungen, den massiven Einsatz von Leiharbeit und wachsende Tarifflucht gekennzeichnet. In dieses Bild, so Werneke, passten auch "brachiale Versuche politischer Einflussnahme" auf Redaktionen und Sender, wie die Nichtverlängerung des Vertrages für ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender durch den Verwaltungsrat erneut belege. "Dies ist ein massiver Anschlag auf die Staatsferne des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Journalistische Berichterstattung muss unabhängig sein. Politik darf sich weder in Personalentscheidungen von Redaktionen noch in journalistische Angelegenheiten einmischen", hießt es dazu in einer Resolution des Journalistentages. Brender, der das Eröffnungsreferat halten sollte, hatte wegen der personellen Querelen seine Teilnahme am dju-Journalistentag kurzfristig abgesagt.

    "Mehr Respekt der Verleger vor Kosten und Renditen als vor journalistischer Leistung", machte Detlef Hensche aus. Der letzte IG-Medien-Vorsitzende verwies auf den "sich ölfleckartig ausbreitenden Niedriglohnsektor" auch im Medienbereich, der zudem Unterbietungskonkurrenz unter den Journalisten befördere. Nur "Druck und kollektive Selbsthilfe" könnten zunehmender Polarisierung, wachsender Armut und der Konkurrenz in den eigenen Reihen  wirksam entgegenwirken. Hensche sah einen "festen Zusammenhang" zwischen Arbeitsbedingungen und Entlohnung darin, dass beide erst "Freiheit und Zeit für Qualitätsjournalismus" schaffen. Mit der Praxis und dem Einfluss interner Medienkonzentration auf die Berichterstattung in norddeutschen Tageszeitungen befasste sich Dr. Elke Grittmann von der Universität Lüneburg. Aus einer Inhaltsanalyse der monopolisierten Tageszeitungslandschaft in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein leitete sie Indikatoren für einen "inhaltlichen Vielfaltsverlust und eine Gefährdung der Qualität" ab.

    Abschließend debattierten die Teilnehmer Perspektiven der aktuellen Tarifsituation. dju-Vorsitzender Uli Janßen bestärkte die Gewerkschafter zu mehr Selbstbewusstsein in bevorstehenden Auseinandersetzungen mit den Verlegern, aber auch im offensiven gesellschaftlichen Diskurs. "Journalismus wird nur dann gut bezahlt werden, wenn er einen Nutzwert für die Demokratie hat", brachte es ver.di-Tarifsekretär Siegfried Heim auf den Punkt.

Pressekontakt:
Ulrike Maercks-Franzen
Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union der dju in ver.di
Bundesgeschäftsführerin
Telefon 030 / 69 56 23 22
Fax 030 / 69 56 36 57
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