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Ostthüringer Zeitung: Kommentar "Geduldsprobe um Afghanistan" von Dirk Hautkapp

Gera (ots) - Afghanistans Noch-Präsident Hamid Karsai lässt auf der Zielgeraden seiner zwölfjährigen Amtszeit wirklich nichts aus, um die amerikanische Regierung auf die Palme zu bringen. Die Freilassung von 70 Gefangenen, die Washington im Dunstkreis der Taliban verortet und gerne weiter hinter Gittern gesehen hätte, ist nur ein Beweis dafür, dass der einst als "Bürgermeister von Kabul" bespöttelte Paschtune bis zur Präsidentenwahl Anfang April nur noch eines im Sinne hat: Porzellan zu zerschlagen. Das ist gefährlich. Stand heute ist es nicht völlig ausgeschlossen, dass der amerikanische Präsident wie 2011 im Irak gegen Jahresende zum Totalrückzug bläst. Karsai weigert sich gegen den Willen des Stammesältesten-Parlaments Loja Dschirga standhaft, ein zentrales Abkommen zu unterzeichnen. Darin wird der Verbleib von cirka 10.000 ausländischen Soldaten ab 2015 zwischen Masar-I-Scharif im Norden und Kandahar im Süden geregelt: Stabilitäts- statt Kampfeinsatz. Das Weiße Haus will die Angelegenheit auch mit Rücksicht auf andere Truppensteller wie Deutschland lieber heute als morgen in trockenen Tücher haben. Karsai ignoriert logistische Fragen. Bei der Kraftprobe steht viel auf dem Spiel. Ohne Nato-Truppen und internationale Hilfsorganisationen wird sich nicht nur die Sicherheitslage am Hindukusch drastisch verschlechtern. Auch Milliarden-Investitionen aus dem Ausland fielen dann weg. Dabei kann die afghanische Wirtschaft noch längst nicht auf eigenen Beinen stehen. Kommt Karsai nicht zügig zur Vernunft, könnte Obama der Geduldsfaden reißen. Nutznießer wären die Taliban. Das kann niemand wollen.

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