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Grünes Königreich als Chance für deutsche Unternehmen?

Berlin, London, Bonn (ots) - Angst vor Rezession, Insel in der Krise, knallharter Sparkurs: In den letzten Wochen haben das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland nicht gerade für positive Schlagzeilen gesorgt. Anders als in Deutschland fiel die Erholung der Wirtschaftsleistung im Vereinigten Königreich mit +1,5% (Schätzung) im Jahr 2010 vergleichsweise schwach aus. Im laufenden Jahr dürfte sich das reale BIP-Wachstum leicht auf bis zu 2% beschleunigen. "Dennoch könnte die Wirtschaftsleistung auf der Insel erst gegen Jahresende 2012 wieder das Vorkrisenniveau erreichen", prognostiziert Steffen Ehninger, Analyst von Germany Trade & Invest in London.

Doch trotz dieser alles andere als positiven Vorzeichen können deutsche Unternehmen auf die erneuerbaren Energien hoffen. Insbesondere die Windkraft onshore wie offshore gehören zu den Wachstumsbranchen mit dem größten Wachstumspotenzial. Vor allem ausländische Technologiekonzerne wie Siemens, die ins Vereinigte Königreich exportieren, profitieren von dem Boom. Dies soll sich nach dem Willen der britischen Regierung ändern: Künftig soll im Bereich der erneuerbaren Energien mehr Wertschöpfung im Land stattfinden.

Siemens will in Hull an der englischen Ostküste rund 80 Mio. GBP investieren und dort künftig 6 MW-Anlagen für den Offshore-Einsatz fertigen. Der japanische Konkurrent Mitsubishi hat die schottische Technologiefirma Artemis Intelligent Power übernommen und will in den kommenden Jahren rund 100 Mio. GBP in ein Forschungs- und Entwicklungszentrum für Offshore-Technologie in Edinburgh anlegen. Gamesa und General Electric (GE) wollen ebenfalls dreistellige Millionensummen in neue Produktionsstätten vor Ort investieren.

Hintergrund für die millionenschweren Investitionen der weltweit führenden Windanlagenbauer auf der Insel ist die Lizenzvergaberunde "Round 3" der Liegenschaftsverwaltung Crown Estate. Die Pläne sehen vor, dass die Ausschreibungsgewinner in neun Hochseezonen in den kommenden zwei Jahrzehnten bis zu 32 GW an Offshore-Windkraftkapazitäten entwickeln. Die Investitionssumme dürfte bei insgesamt 75 Mrd. bis 80 Mrd. GBP liegen. Zu den Bietern gehören auch die deutschen Konzerne wie E.ON UK, RWE Npower Renewables, Siemens Project Ventures sowie Hochtief.

Angesichts des Booms bei der Offshore-Windenergie kam es eher zur Unzeit, dass das britische Energieministerium im Dezember 2010 ankündigte, die Regulierung des Energiemarkts komplett überarbeiten zu wollen: "Der derzeitige Entwirf sieht vor, dass das Fördersystem auf einem mehr oder minder fixen Einspeisetarif basiert. Die Förderung soll entgegen der aktuellen Rahmenbedingungen dann auch Atomkraft umfassen. Bereits im Oktober 2010 hatte Energieminister Chris Huhne angekündigt, dass im Vereinigten Königreich bis 2025 mindestens acht neue Kernkraftwerke gebaut werden sollen.

Trotz seiner Reputation als regenreiches Land erlebte das Vereinigte Königreich in den vergangenen Monaten einen Boom in der Solarenergie, von dem auch deutsche Firmen profitierten. Grund ist der neue Einspeisetarif im Bereich der "Microgeneration" (Klein- und Kleinst-Anlagen), der im Frühjahr 2010 eingeführt worden war und bisher zur Installation von rund 20.000 Photovoltaikanlagen geführt hat. Doch der soll überarbeitet werden. Die Regierung befürchtet, dass ein Großteil der Fördermittel für große Freiflächenanlagen ausgegeben wird. Gedacht sind diese Gelder eigentlich für Hausbesitzer.

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