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ARD-exclusiv, Mittwoch, 8.11.2006, 21.45 Uhr im Ersten SWR-Chefreporter Leif deckt Tricks der Weinmacher auf

    Baden-Baden (ots) - Seehofer will "Reinheitsgebot für den Wein" / Weinkontrolleure stellen bei jedem 5. Winzer "Weinverfälschungen" fest

    Der auch für die Weinproduktion zuständige Verbraucherminister Horst Seehofer (CSU) will in Deutschland ein strenges "Reinheitsgebot für den Wein" vergleichbar dem schon gültigen Bier-Reinheitsgebot durchsetzen. Auf die Frage, ob dieses anspruchsvolle Ziel durchsetzbar sei, sagte Seehofer gegenüber der ARD: "Wenn mich der Herrgott lässt, ja. Das ist der einzige Unsicherheitsfaktor. Aber politisch haben wir das geschafft." Weiter führte Seehofer aus: "Die Weinbauverbände habe ich dafür gewonnen. Die haben da auch sehr stark mitgearbeitet. Das ist das Wichtigste." Dies berichtet der SWR in der ARD-exclusiv-Reportage "Die Tricks der Weinmacher - Kulturgut oder Industrieprodukt?" am Mittwoch, 8. November 2006, 21.45 bis 22.15 Uhr im Ersten.

    Hintergrund für die Initiative zu einem "Reinheitsgebot für den Wein" sind die auffallend häufigen Verstöße gegen das Weingesetz. "In jedem fünften Weinbaubetrieb stellen wir Weinverfälschungen fest", bilanziert Tomasz Brzezina, Chemie-Direktor im zuständigen Institut für Lebensmittel-Chemie in Mainz. Allein in Rheinland-Pfalz werden 14.600 Betriebe von 26 Kontrolleuren überprüft. Im vergangenen Jahr beanstandeten sie 1.050 von 5.533 Proben, also ungefähr jede fünfte Flasche. Die häufigsten Verstöße gegen das Weingesetz waren: die Verwendung von Glycerin, die Aufzuckerung unter anderem mit Rübenzucker, der Einsatz von Aromastoffen, Farbstoffen und Wasser, die Überschreitung von Grenzwerten unter anderem bei schwefliger Säure oder Sorbin.

    "Das ist wie beim Doping. Wir hinken mit den Kontrollen immer hinterher", bilanzierte Brzezina gegenüber dem SWR. Demnächst werden deutsche Winzer auch die umstrittenen Eichenholz-Chips oder Eichenholz-Pulver zur Imitation des sogenannten Barrique-Geschmacks der Eichenholz-Fässer in der Weinproduktion einsetzen können. Eine entsprechende EU-Verordnung von Ende Oktober wurde vor kurzem vom zuständigen Bundesministerium den Bundesländern zugestellt. Eichen-Chips sollen demnach bei einfachen Weinen, nicht aber bei Prädikatsweinen (Kabinett, Spätlese, Auslese, Beerenauslese, Trockenbeerenauslese und Eiswein), erlaubt werden. Gegen diesen Vorschlag für eine "nationale Verordnung" gibt es nach SWR-Informationen massiven Widerstand vom Weinbauverband Franken. Alle anderen Bundesländer haben für diese Regelung Zustimmung signalisiert.

    In der ARD-Reportage "Die Tricks der Weinmacher" kommen Kritiker und Befürworter der neuen Weinbau-Methoden zu Wort. Der Autor Thomas Leif zeichnet in der Reportage die Entwicklung des Weins vom Kulturgut zum Industrieprodukt nach.

    Sendetermin: Mittwoch, 8.11.2006, 21.45 Uhr bis 22.15 Uhr im Ersten

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