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Sende-Sperrfrist bis 14.00 Uhr Peter Voß will früher gehen SWR-Intendant bleibt bis Mitte 2007 im Amt

    Baden-Baden (ots) - Mainz. SWR-Intendant Peter Voß wird sich nicht um eine weitere Amtszeit bewerben und will spätestens am 30. Juni 2007 aus dem Dienst ausscheiden. Er wolle seine Dienstzeit deutlich verkürzen und seinen Auftrag als Intendant noch etwa ein Jahr bis maximal 15 Monate lang wahrnehmen, kündigte Voß in Mainz vor dem SWR-Verwaltungsrat und der SWR-Geschäftsleitung an. Voß' reguläre Dienstzeit endet am 30. April 2008. Voß wird bei seinem angekündigten Ausscheiden 66 Jahre alt und mehr als 14 Jahre lang Intendant gewesen sein, davon über neun Jahre Gründungsintendant des SWR, der 1998 aus SDR und SWF zusammengefügt worden war. Voß hatte sich zuvor als SWF-Intendant nachdrücklich für diese Fusion eingesetzt. In der ARD, deren Vorsitzender bzw. stellv. Vorsitzender er von 1999 bis 2002 war, trat er u.a. für ein unabhängiges Gebührenverfahren ein, verteidigte erfolgreich den nach seinen Vorschlägen reformierten ARD-Finanzausgleich und trug wesentlich dazu bei, den Rechteerwerb für die Fußball-Weltmeisterschaften 2002 und 2006 im Senderverbund zu ermöglichen. Als federführender Intendant für ARD-Online erreichte er, daß die Internetangebote der ARD-Sender untereinander vernetzt und gebündelt über die Dachdomäne ARD.de zugänglich wurden. Zuletzt machte er sich für die weitere verantwortliche Mitwirkung der ARD bei 3sat stark. Aus seiner Absicht ergebe sich, so Voß, daß er für eine Anzahl nebenamtlicher Funktionen nicht erneut zur Verfügung stehen könne. So wird er Ende dieses Jahres aus dem Verwaltungsrat der Europäischen Rundfunkunion (EBU) ausscheiden, in dem er seit 2003 die ARD vertritt. Ebenso wird er Ende 2006 den Vorsitz in der Gesellschafterversammlung der ARTE Deutschland GmbH niederlegen, den er seit 1998 wahrnimmt. Sein Ausscheiden aus dem Aufsichtsrat der Produktionsfirma Bavaria im September dieses Jahres hatte Voß bereits vor einigen Monaten angekündigt.

    Neue Ämter und Funktionen suche er nicht, sagte Voß in Mainz; er wolle sich spätestens von Mitte 2007 an als Journalist und Schriftsteller "auf der freien Wildbahn  tummeln". Er habe seinen Entschluß schon im vorigen Sommer mit seiner Frau verabredet, aber vermeiden wollen, daß die Entscheidung über seine Nachfolge in den Aufgeregtheiten der Landtagswahlkämpfe in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz aufgeheizt und politisiert werde.

    Er gehe davon aus, so Voß, daß die SWR-Gremien zu gegebener Zeit ohne unangemessenen Wirbel, sondern in aller Ruhe und gutem Stil die Nachfolgefrage klären würden. Dafür gebe es nun eine mehr als ausreichende Frist, die ihm aber wichtig sei, weil er es für seine Pflicht halte, nach der Nachfolge-Entscheidung seinen Beitrag zu einem reibungslosen Führungswechsel und einer guten Perspektive für den SWR zu leisten. Deshalb kündige er seinen Schritt jetzt an, obwohl ihm sein Arbeitsvertrag erlaube, sein Ausscheiden aus der Intendantenfunktion mit nur sechs Monaten Vorlauf zu erklären. Er wolle seine Absicht nun zunächst dem Rundfunkrat erläutern und sie dem Verwaltungsrat fristgerecht formal übermitteln.

    Der Führungswechsel im nächsten Jahr entspreche nicht nur seiner persönlichen Lebensplanung, sondern sei auch ein günstiger Zeitpunkt im Hinblick auf den SWR und die ARD, betonte Voß. Die ARD reformiere gegenwärtig ihre Führungsstruktur und die Zusammenarbeit mit den Gremien, sie stehe vor wichtigen Personalentscheidungen. Er gehe davon aus, daß dieser Prozeß, an dem er sich intensiv beteilige, bald zu positiven Ergebnissen führen und eine neue Struktur bis Mitte 2007 eingespielt und erfolgreich in Funktion sein werde. Für den SWR liege eine deutliche Verjüngung an der Spitze des Hauses dann ebenfalls nahe, denn der Sender werde bis dahin alle Einsparungs- und Konsolidierungsbeschlüsse, die sich aus der letzten Gebührenentscheidung ergeben hätten, realisiert haben. Alle Reformvorhaben, die er auf den Weg gebracht habe, seien dann erfolgreich verwirklicht. Innovative Angebote wie das digitale Jugendradio DasDing und das Wortradio Cont.Ra seien durchgesetzt und etabliert. Auch die Kooperation mit dem Saarländischen Rundfunk (SR) sei auf eine neue Grundlage gestellt worden, die Orchesterfusion auf gutem Weg. Der SWR stehe in jeder Hinsicht hervorragend da. Er sei eine tragende Säule der ARD und des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und ein unentbehrlicher Integrationsfaktor für die Länder Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Er biete Service im besten Sinne, nämlich eine Dienstleistung für alle; denn er trage mit seinen Programmen in Hörfunk, Fernsehen und Internet zur Orientierung und damit zur Mündigkeit der Bürger und zur Demokratiefähigkeit der Gesellschaft bei.

    Ein Ausscheiden vor dem genannten Zeitraum ziehe er nicht in Betracht, fügte Voß hinzu. Der Abschied von den vielen tüchtigen und engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Sender werde ihm auch mit 66 sehr schwer fallen. "Doch wenn der Sender steht, kann der Gründer gehen"; denn mehr könne und wolle er in seinem abwechslungsreichen und in jeder Hinsicht erfüllten Berufsleben nicht erreichen. Die dritte und letzte, hoffentlich nicht zu knapp bemessene Lebensphase solle dann, neben der Familie und den Freunden, vor allem der Literatur gehören und "einem Leben in Freiheit".

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