SWR - Südwestrundfunk

Südwestrundfunk (SWR) Programmhinweise für Freitag, 3.03.06 (Woche 9)

    Baden-Baden (ots) - Freitag, 3. März 2006 (Woche 09)/1.03.2006

    22.03
            Nachtcafé
            Gäste bei Wieland Backes
            Arbeiten im Alter - Last oder Lust?

    Da verstehe noch einer die Politik: Mehr als fünf Millionen Menschen im Land sind ohne Arbeit, die meisten Betriebe beschäftigen keinen über 50 und trotzdem sollen die Deutschen im Alter länger arbeiten. Die volle Rente gibt's künftig erst mit 67 Jahren. Die einen frohlocken, weil sie sich mit ihren jahrzehntelangen beruflichen Erfahrungen weiterhin nützlich machen können und nicht zu früh aufs Abstellgleis geraten. Die anderen fühlen sich um ihren wohlverdienten Lebensabend gebracht. Ihre heiß ersehnte Weltreise rückt in noch weitere Ferne und die Enkel müssen sich noch länger gedulden. Sind ältere Arbeitnehmer in ihrem Job überhaupt noch motiviert, geistig und körperlich voll belastbar? Können wir auf ihre Routine und ihr Know-How verzichten? Wie passen Altersteilzeitregelungen wie jüngst bei Volkswagen und Millionen von Arbeitssuchenden zu den neuen Rentenplänen?

    Die Gäste:

    Er kann es immer noch nicht lassen, das Arbeiten: Lothar Späth, ehemaliger baden-württembergischer Ministerpräsident und Ex-Jenoptikchef ist als Investmentbanker bis zu 14 Stunden am Tag auf den Beinen - und fühlt sich gut dabei. Die Rente mit 67 findet er richtig. Er selbst ist mittlerweile 68 Jahre alt, doch vom gediegenen Ruhestand hält er gar nichts: "Ich wäre der unglücklichste Mensch, wenn ich jetzt das Golfspielen anfangen müsste."

    Auch Annemarie Lindner kann nicht genug kriegen - von Salben, Cremes und Lotionen. Die Pionierin der Naturkosmetik und Gründerin der Kosmetikmarke "Annemarie Börlind" ging offiziell bereits vor 20 Jahren in den Ruhestand. Die Geschäftsführung überließ sie damals ihrem Sohn. Dies hält die 85-Jährige aber nicht davon ab, bis heute ihre Erfahrung in die Firma einzubringen, zu beraten und zu repräsentieren, denn: "Wer arbeitet, bleibt länger jung!"

    Da hat der Arbeitsmediziner Dr. Wolfgang Panter so seine Zweifel. Als Betriebsarzt der Hüttenwerke Krupp Mannesmann ist ihm vom Stahlkocher bis zum Softwareingenieur eigentlich keine berufsbedingte Verschleißerscheinung unbekannt. Rückenschmerzen, Bluthochdruck und vor allem die Schwierigkeit, im zunehmenden Alter die Schichtarbeit zu bewältigen, sind die häufigsten Probleme mit denen er konfrontiert wird. Deshalb weiß der 57-Jährige: "Dass alle bis 67 arbeiten sollen ist aus medizinischer Sicht absoluter Quatsch!"

    Damit spricht er Christl Kohler aus der Seele. Die engagierte Krankenschwester liebt ihren Beruf, ist sich aber sicher, dass sie und ihre Kollegen niemals bis 67 durchhalten können. Dafür sei die Krankenpflege körperlich und seelisch viel zu anstrengend. Gezwungenermaßen müsse man daher Renteneinbußen in Kauf nehmen - eine Tatsache, die von den Politikern bewusst einkalkuliert wird, so die 55-Jährige. Doch nicht nur ihre eigenen Bedürfnisse sind ihr ein Anliegen: "Wenn wir altersbedingt Fehler machen, badet das am Ende der Patient aus."

    Elisabeth Niejahr plädiert dennoch für längeres Arbeiten. Und auch gegen die Nullrunden der heutigen Renten hat sie nichts. Schließlich sollen auch die Rentner ihren Beitrag für die Zukunft leisten. Ob das Arbeiten im Alter nun Last oder Lust mit sich bringt, ist für die Wirtschaftsjournalistin zweitrangig - der 40-Jährigen geht es um den Blick in die Zukunft: "Wir können es uns einfach nicht mehr leisten, so viele Leistungsfähige in den Ruhestand zu schicken!"

    Herbert Herz ging bewusst schon mit 59 in Frührente. Seitdem genießt der heute 64-Jährige seinen Un-Ruhestand in vollen Zügen: Mindestens einmal im Monat besucht er ein Opernfestspiel irgendwo in Europa, in der verbleibenden Zeit musiziert er selbst oder schreibt an einem Buch. Ein schlechtes Gewissen den Jungen gegenüber hat er wegen seines frühen Ausstiegs nicht: "Die Klagen kann ich nicht mehr hören: Denen geht es so gut wie keiner Generation davor!"

    An der Bar: Mit 96 Jahren ist Konrad Thurano der älteste aktive Artist der Welt. Gemeinsam mit seinem Sohn Johnjohn, der inzwischen auch schon stramm auf die 60 zugeht, wird er nicht nur sein erstaunliches athletisches Können präsentieren, sondern auch  verraten, wie man es schafft, 81 Jahre lang zu arbeiten und dabei mopsfidel zu bleiben.

    Freitag, 3. März 2006 (Woche 09)/1.03.2006

    23.35
            Nachtkultur
            Die Kultur-Illustrierte
            Moderation: Markus Brock

    unter anderem mit folgenden Themen:

    Charmanter Lebemann - der Chansonnier Serge Gainsbourg Orpheus und Eurydike heute - der neue Roman von Sibylle Lewitscharoff Was tut sich im deutschen Tanz ?- Bilanz der Stuttgarter Tanzplattform Kleiner Mann ganz groß - die Hamburger Charlie Chaplin Schau

    Weitere Informationen im Internet: http://www.swr.de/nachtkultur

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