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"Was soll er uns bedeuten?" SWR2-Sendungen zum 150. Todestag von Heinrich Heine

    Baden-Baden (ots) - "Ich hätte mir als lyrischer Dichter Ruhm erwerben können [...] und Deutschland hätte mich geliebt, als satirischer hätte es mich gefürchtet, als Polemiker hätte es auf mich gehört und mich gehaßt! Nun bin ich aber, Gott sei's geklagt, so ziemlich Alles gewesen und Niemand weiß mich zu classificiren ..." Zwischen allen Stühlen fühlte sich Heinrich Heine zeitlebens. Als er am 17. Februar 1856 in seinem freiwillig gewählten Pariser Exil starb, gehörte er zu den bekanntesten, aber auch zu den umstrittensten Dichtern in Europa. War in seinen frühen Gedichten der Einfluss der deutschen Romantik noch unüberhörbar, entwickelte er deren Prinzip der ironischen Brechung auf seine ganz eigene Art weiter. In unnachahmlicher Weise machte er die Alltagssprache lyriktauglich und wandte sich mit ätzendem Spott zunehmend gesellschaftlichen Themen zu. Die preußische Zensur trieb ihn 1931 ins Pariser Exil, von wo aus der "verzweifelte Deutsche" die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in seinem geliebt-gehassten Vaterland anprangerte wie kein anderer. Bis in unsere Gegenwart scheiden sich an Heine die Geister. So konnte sich die Stadt Düsseldorf erst 1989 nach jahrelangem Streit dazu durchringen, ihre Universität nach dem großen Sohn der Stadt zu   benennen.

    Zum 150. Todestag widmet SWR2 dem Dichter mehrere Sendungen: Unter dem Titel "Das Glück ist eine leichte Dirne" besucht die "SWR2 Matinee" am 12. Februar ab 9 Uhr einige Orte seines bewegten Lebens: von der Geburtstadt Düsseldorf über Hamburg bis zu Heines zahlreichen Pariser Wohnstätten, einschließlich der legendären "Matratzengruft", in der er - spöttisch und geistreich wie eh und je - die letzten Jahre seines Lebens verbracht hat. Direkt im Anschluss begibt sich Andreas Malessa in den "SWR2 Glaubensfragen" auf die Spuren des "gläubigen Spötters" (12.2., 12.05 Uhr). Bei aller offenen Religionskritik, so Malessa, hat sich Heine in seinem Gesamtwerk rund 440 Mal auf Bibelverse und biblische Geschichten bezogen. Mehr als jeder andere Schriftsteller vor oder nach ihm. Unübertroffen ist Heine auch, wenn es um die Zahl der Vertonungen seiner Gedichte geht: Bis zu 10.000 wollen Heine-Forscher aufgespürt haben. Ab 13. Februar stellt Wolfgang Sandberger in seiner fünfteiligen "SWR2 Musikstunde" einige davon vor (13.2. bis 17.2., jew. 9.05 - 10 Uhr). Zusätzlich erfahren die Hörer auch einiges über Heines extravaganten Musikgeschmack, seine feinsinnig-ironischen Musikkritiken und seine Begegnungen mit Musikern und Komponisten.

    Am 14. Februar ab 17.05 Uhr diskutiert SWR2-Moderator Dietrich Brants im "SWR2 Forum" mit Heine-Experten über die Frage "Was soll er uns bedeuten?". Gäste der Sendung sind Prof. Jakob Hessing (Ordinarius für deutsche Literatur an der Hebrew University, Jerusalem), Prof. Jürgen Wertheimer (Lehrstuhl für Komparatistik und Neuere Deutsche Literaturwissenschaft, Universität Tübingen), Dr. Edda Ziegler (Germanistin, Ludwig-Maximilians-Universität, München). Unter dem Titel "Der verlorene Sohn" geht es schließlich an Heines Todestag in "SWR2 Wissen" um Heines letzte Jahre in seiner "Matratzengruft" (17.2., 8.30 Uhr). Genau zwei Monate später setzt sich Robert Gernhardt im "SWR2 RadioArt: Essay" mit seinem "Seelenverwandten" auseinander: "Denk' ich an Heine in der Nacht" lautet der Titel seiner Reflexion übers Dichten, Lachen und Leiden (17.4., 21.03 Uhr).

    Heinrich Heine zum 150. Todestag - Sendungen in SWR2

    Sonntag, 12. Februar, 9.03 - 12.00 Uhr SWR2 Matinee: "Das Glück ist eine leichte Dirne" Sonntagsfeuilleton mit Ellinor Krogmann

    Sonntag, 12. Februar, 12.05 - 12.30 Uhr SWR2 Glaubensfragen: Der gläubige Spötter Von Andreas Malessa

    Sonntag, 12. Februar, 23.03  - 24.00 Uhr SWR2 vor Mitternacht Als ob das Herz recht angenehm verblute ... - Trübsal für Kenner Von Stefan Siegert

    Montag, 13. Februar bis Freitag, 17. Februar, tägl. 9.05 bis 10.00 Uhr SWR2 Musikstunde "Ich weiß nicht, was soll es bedeuten" - Heinrich Heine und die Musik (1) mit  Wolfgang Sandberger

    Dienstag, 14. Februar 2006, 17.05 Uhr SWR2 Forum Was soll er uns heute bedeuten? - Zum 150. Todestag von Heinrich Heine Mit Prof. Jakob Hessing (Ordinarius für deutsche Literatur, Hebrew University, Jerusalem), Prof. Jürgen Wertheimer (Lehrstuhl für Komparatistik und Neuere Deutsche Literaturwissenschaft, Universität Tübingen), Dr. Edda Ziegler (Germanistin, Ludwig-Maximilians-Universität, München); Moderation: Dietrich Brants

    Freitag, 17. Februar 2006, 8.30 Uhr SWR2 Wissen Der verlorene Sohn - Heinrich Heine zum 150. Todestag Aus der Reihe: Schauplatz Von Harald Gerlach

    Montag, 17. April 2006, 21.03 Uhr (Ostermontag) SWR2 RadioArt: Essay Denk' ich an Heine in  der Nacht - Übers Dichten, Lachen und Leiden Von Robert Gernhardt

    Weitere Informationen im Internet unter www.SWR2.de

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