SWR - Südwestrundfunk

Südwestrundfunk (SWR) Programmhinweise von Freitag, 4.11.05 (Woche 44) bis Sonntag 11.12.05 (Woche 50)

    Baden-Baden (ots) - Freitag, 4. November 2005 (Woche 44)/2.11.2005


23.30
            Nachtkultur
            Die Kultur-Illustrierte
Moderation: Heike Greis

    Unter anderem mit folgenden Themen:

    Eiskalte Erotik - Alain Delon wird 70: Er hat eine Metzgerlehre begonnen und als Koch seinen Abschluss gemacht. Im Indochinakrieg kämpfte er an der Front, und als er 1955 völlig mittellos nach Paris zurückkehrte, hielt er sich mit Aushilfsjobs über Wasser. Das Leben von Alain Delon, bevor er entdeckt und zu einem der großen Stars des Französischen Films avancierte. Am 8. November wird er 70 Jahre alt. "Killer lassen bitten" - Mit der Rolle des jungen Jo, der im Schatten seines Auftraggebers mordet, begann 1957 sein unaufhaltsamer Aufstieg. Knapp 22 Jahre war Delon damals alt - gutaussehend, mit eisblauen Augen und einem unwiderstehlich spröden Charme. Oft spielte er den schönen Fremden, den melancholischen Schweiger, den kühlen Rächer. Figuren, die eher vom Scheitern bedroht sind - gerade das machte Delons Faszination aus. Über achtzig Filme hat Alain Delon gedreht, in fast allen war er in der Hauptrolle zu sehen. Seine größten Erfolge: "Rocco und seine Brüder", "Der eiskalte Engel", "Endstation Schafott" und "Der Swimmingpool" an der Seite seiner Ex-Verlobten Romy Schneider. Nach drei gescheiterten Ehen lebt Alain Delon heute alleine in seinem Haus am Genfer See. Seine beruflichen Pläne: Im nächsten Jahr soll er als "Cäsar" für den neuen Asterix-Film vor der Kamera stehen.

    Philosophisches Liebesgeflüster - Martin Heideggers Briefe an die Ehefrau: "Sind meine Hände heilig genug, um die Deinen bebend zu umfassen", schreibt der 26-jährige Martin Heidegger 1915 seiner zukünftigen Ehefrau Elfride Petri. Ein Auszug aus einem von über tausend Briefen, die der berühmte Freiburger Philosoph (1889-1976) ihr im Laufe von 55 Jahren geschrieben hat. Briefe, die stets mit "Mein liebes Seelchen!" begannen. Briefe, in denen er ihr seine Liebe gestand, in denen er über sein Denken und seine Überzeugungen schrieb, über finanzielle Schwierigkeiten, sein Frauenbild und auch über seine zahlreichen Affären. Die jüdische Philosophin Hannah Arendt war nur eine davon.

    Elfride Heidegger (1893-1992) hat alle Briefe und Karten in einer Kiste aufbewahrt und 1977 ihrer Enkelin übergeben, mit der Auflage, sie erst nach ihrem Tod zu öffnen. Jetzt hat Gertrud Heidegger die Briefsammlung in einer umfangreichen Auswahl publiziert. Ergänzt um persönliche Kommentare geben sie Einblicke in das gemeinsame Leben des Paares und die Persönlichkeit ihrer Großmutter. Unter dem Titel "Mein liebes Seelchen!" ist die Briefauswahl jetzt bei DVA erschienen. Nachtkultur über private Zeugnisse aus der fast sechzig Jahre währenden Ehe von Elfride und Martin Heidegger.

    Unverhüllte Körper - Arabische Mode von einer Deutschen designt: Wenn man arabische Mode "made in Kairo" hört, stellen sich sofort alle Vorurteile ein, die die westliche Welt bezüglich der Bekleidungsordnung in moslemischen Ländern hegt: alles bedeckt, verschlossen, tief verschleiert. Das Bedeckte ist das Normale. Vor sechs Jahren zog es die deutsche Modedesignerin Susanne Kümper an den Nil, um an der Helwan Universität von Kairo einen Lehrstuhl für Modedesign zu gründen. Mit Erfolg. Jetzt haben die jungen ägyptischen Designstudenten ihre Ausbildung beendet und mit Susanne Kümper ein Atelier gegründet, das Mode "made in Egypt" entwickelt, die so gar nicht verhüllt ist und Versteck spielt mit dem Körper. Sie hat einen internationalen Look und scheut nicht den Wettbewerb mit globalen Labels. Aber sie gibt sich dennoch selbstbewusst ägyptisch und spielt mit den Traditionen der Wüstenvölker, mit Perlen- und Garnstickereien der Beduinen und den hochwertigen Baumwollmaterialien, die das Land zu bieten hat. Ägypten auf dem Weg zur eigenen Couture. Nachtkultur hat die Modedesignerin in Kairo getroffen.

    Verblüffende Metamorphosen - Tiere und ihre Kunst der Tarnung: Ein Barkautz, der sich geschickt vor einem Baumstamm platziert, Insekten, die grünen Blättern verblüffend ähnlich sind, oder ein Rotfuchs, der im herbstlichen Baumlaub fast völlig verschwindet. Sie sind gar nicht so leicht zu entdecken, die Tiere, die sich in Art Wolfes Fotoband "Kunst der Tarnung" (Frederking & Thaler) in ihrem Lebensumfeld fast unsichtbar machen. Tarnen und Täuschen sind zwei der wichtigsten Überlebensstrategien im Tierreich. Während kleine, wehrlose Tiere wie Motte, Käfer oder Frösche sich auf diese Art vor potentiellen Feinden in Sicherheit bringen, verschaffen sich andere damit eine günstige Ausgangsposition bei der Jagd nach Beute. Immer aber geht es darum, anhand von ausgefeilten "Tricks" andere Lebewesen in die Irre zu führen und sich dadurch selbst einen überlebenswichtigen Vorteil zu verschaffen. Art Wolfe hat sich einiges einfallen lassen, um das Phänomen, das in der Biologie als Mimikry bekannt ist, optimal in Szene zu setzen. "'Kunst der Tarnung' ist ein Bilderbogen der unglaublichen Fähigkeit von Tieren, sich vor aller Augen unsichtbar zu machen. Um dem gerecht zu werden, habe ich drei fotografische Praktiken benutzt und mich zusätzlich bemüht, das Auffinden der Objekte möglichst zu erschweren - damit es im Bild fast genauso schwierig wird, Tiere zu entdecken, die nicht gesehen werden wollen", sagt der Natur- und Landschaftsfotograf. Nachtkultur über beeindruckende Aufnahmen, auf denen die "Hauptdarsteller" oft erst auf den zweiten Blick zu erkennen sind.

Freitag, 11. November 2005 (Woche 45)2.11.2005


00.00
            Literatur im Foyer
            mit Thea Dorn
            Gäste: Zsuzsa Bánk, Arno Geiger, Reinhard Mohr, Wolfgang
Büscher

    Alle 14 Tage präsentiert Thea Dorn Schriftsteller, Dichter, Sachbuchautoren: Renommierte und Debütanten. Alle Themen kommen vor: vom unterhaltsamen Roman bis zu konfliktreichen Debatten um Ehrenmorde, Islam oder den neuesten deutschen Historikerstreit.

    Am 11. November stellt Thea Dorn folgende Gäste und ihre Bücher vor: Arno Geiger: "Es geht uns gut". Für seinen neuen Roman hat der Wiener Schriftsteller gerade den Deutschen Buchpreis erhalten. Ein österreichischer Familienroman, der erzählt, dass zwischen Erinnern und Vergessen das Erfinden liegt.

    Thema: Deutschland - wie geht's? Reinhard Mohr: "Das Deutschlandgefühl. Eine Heimatkunde". Wolfgang Büscher: "Deutschland, eine Reise". Zwei Journalisten mit ihren Gedanken zu Deutschland, 50 Jahre nach der Wiedervereinigung. Erfühlt: Reinhard Mohr begibt sich auf die Suche nach einer positiven deutschen Befindlichkeit. Erwandert: 3.500 Kilometer und 3 Monate hatte Wolfgang Büscher Deutschlandgrenzen unter den Füßen.

    Zsuzsa Bánk: "Heißester Sommer". Zsuzsa Bánk erzählt von Menschen, die eines Tages einfach die Tür hinter sich ins Schloss fallen lassen, von Heimatlosen, von Vergeblichkeiten.

Sonntag, 13. November 2005 (Woche 46)/2.11.2005


22.35
            (VPS: 22.34)
Wortwechsel
            Birgitta Weber im Gespräch mit Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer
            (Mediziner und Autor)

    Ein bisschen ist er ein Star unter den Medizinern und das nicht etwa weil Herbert Grönemeyer sein Bruder ist. Sein "Rückenbuch" war monatelang auf den Bestsellerlisten. Jetzt ist sein neues Buch erschienen: "Der kleine Medicus" weiht Kinder in die Geheimnisse des Körpers ein. Dietrich Grönemeyer ist überzeugt, "Wissenschaft und neue Methoden brauchen Öffentlichkeit, damit sie wahrgenommen werden". Und so wirbt der Medizinrebell Grönemeyer für eine liebevolle Medizin, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt, für eine Wissenschaft zwischen Hightech und Naturheilkunde. Zuhören können ist für ihn die wichtigste Tugend eines Arztes. Doch die kommt in der Medizin heute viel zu kurz. Vertrauen schaffen und den Patienten respektieren, das heißt für ihn Arzt sein. Dietrich Grönemeyer leitet in Bochum das Institut für Mikrotherapie und lehrt an der Universität in Witten-Herdecke. "Mensch bleiben", das ist ihm wichtig für sich und seine Patienten. Birgitta Weber spricht mit Dietrich Grönemeyer über seine Arbeit, seine Familie und geht der Frage nach, wie eine "liebevolle Medizin" funktionieren kann.

Freitag, 18. November 2005 (Woche 46)/2.11.2005


22.00
            Nachtcafé
            Gäste bei Wieland Backes
            Mitgefühl Mangelware

    Mütter, die ihre Kinder verhungern lassen, Jugendliche, die Obdachlose tottreten - das Elend ist nicht nur in Afrika. Schreckliche Dinge geschehen mitten unter uns. Und in manchen Fällen drängt sich die Frage auf: Haben wir die Dinge einfach so geschehen lassen? Schließlich gibt es oft genug Mitwisser, Augenzeugen, Nachbarn, die hätten einschreiten können. So erhärtet sich der Verdacht, dass Teile unserer Gesellschaft zusehends abstumpfen und verrohen, dass Mitgefühl zur Mangelware geworden ist.

    Sicher: Man kann nicht das ganze Leid dieser Welt allein auf seinen Schultern tragen. Wenn eine Katastrophe die nächste jagt, muss man sich auch mal abgrenzen können. Und doch gibt es genug Situationen, die Einsatz geradezu heraufbeschwören und trotzdem an der allgemeinen Gleichgültigkeit scheitern. Wo verläuft die Grenze zwischen Selbstschutz und Anteilnahme? Muss man Mitgefühl gezielt hervorrufen oder gar lernen?

    Die Gäste: Ulrich Wickert darf als Moderator der "Tagesthemen" auch die schrecklichsten Ereignisse nicht zu nah an sich heranlassen, um noch die richtigen, nüchternen Worte zu finden. In seinen Büchern kann er seine andere Seite zeigen: die des moralischen, mitfühlenden Menschen. Der 62-Jährige sagt: "Ich glaube, dass die Achtung des anderen die Voraussetzung ist für Mitgefühl."

    Carmen Hollenbach muss schon seit Jahren die Erfahrung machen, dass sie als Langzeitarbeitslose nicht ge-, sondern verachtet wird. Die Alleinerziehende spürt immer wieder, wie wenig sich ihre Umwelt in ihren täglichen Überlebenskampf hineinversetzen kann und dass in Zeiten von Hartz IV Mitgefühl tatsächlich Mangelware ist. Das bittere Fazit der 47-Jährigen: "Die Leute tun sich leichter woanders hinzuspenden, wo sie die Armut und das Elend nicht sehen müssen."

    Gisela Dahls Beruf ist eine Berufung. Als Ärztin kann sie das Leid anderer nicht ignorieren und muss sich engagieren - sei es für die Obdachlosen und Straßenkinder hier bei uns oder gegen die Armut im fernen Peru. Die tatkräftige 62-Jährige meint: "Das Problem unserer Zeit ist, Gefühle machen uns Angst. Denn wenn ich etwas fühle, müsste ich ja handeln."

    Wie verroht und gefühlskalt bereits manche Jugendliche sind, weiß Andreas Dielitz nur zu genau. Er ist Vorsitzender Jugendrichter am Landgericht Frankfurt/Oder, wo er gemeinschaftliche Folter- und Tötungsfälle zu verhandeln hatte, die an Erbarmungslosigkeit nicht zu überbieten sind. Seine Erfahrung: "Starker Alkoholkonsum, Partyfeiern, keine Perspektiven im Leben, das führt zu Gleichgültigkeit. In diesen Gesichtern finden sie kein Mitgefühl!"

    Wegen wiederholter Brutalität seiner bewaffneten Raubüberfälle wurde Benjamin Wagner bereits als 15-Jähriger zu vier Jahren Jugendstrafe verurteilt. Zur Hafterleichterung begann er ein Anti- Aggressionstraining, das der erste Schritt in ein gewaltfreies Leben war. Zu seinem früheren Verhalten sagt der heute 23-Jährige: "Ich wollte cool sein, und dieses Gefühl ist stärker als Mitgefühl."

    Andreas Schicks möchte es bei seiner Arbeit gar nicht erst so weit kommen lassen. Mit seinem Präventionsmodell "Faustlos" will der 40- jährige Psychologe und Familientherapeut schon bei kleinen Kindern Aggressionen abbauen und Mitgefühl wecken. Er weiß: "Im Kern hat vieles damit zu tun, ob der Mensch eine im Großwerden erlebte sichere Bindung zur Bezugsperson hat oder nicht."

    An der Bar: Marion Furtwängler-Fritz musste mangelndes Mitgefühl buchstäblich am eigenen Leib erfahren. Sie wurde nach einem Disput vor ihrer eigenen Haustür von einer Frau geschlagen, gebissen und schließlich, bereits am Boden liegend, gewürgt. Damit nicht genug: Dem Vorfall sahen mehrere Nachbarn der gutbürgerlichen Wohngegend zu, ohne einzuschreiten oder Hilfe zu holen. Enttäuscht von diesem Verhalten sagt die 46-Jährige: "Eines weiß ich jetzt: Es hilft dir keiner, wenn es dir an den Kragen geht."

Freitag, 25. November 2005 (Woche 47)/2.11.2005


00.00
            Literatur im Foyer
            mit Thea Dorn
            Gäste: Joseph Ortheil, Frank Goosen, Tilman Spreckelsen,
Thommie Bayer

    Alle 14 Tage präsentiert Thea Dorn Schriftsteller, Dichter, Sachbuchautoren: Renommierte und Debütanten. Alle Themen kommen vor: vom unterhaltsamen Roman bis zu konfliktreichen Debatten um Ehrenmorde, Islam oder den neuesten deutschen Historikerstreit.

    Dieses Mal gibt es eine große Gesprächsrunde zum Thema "Väter und Söhne". Thea Dorn begrüßt im theater rampe stuttgart vier Autoren:

    Hanns-Josef Ortheil - "Die geheimen Stunden der Nacht": In Ortheils neuem Roman liegt der Übervater und Großverleger mit dem zweiten Herzinfarkt im Krankenhaus. Für den ältesten Sohn beginnt der Kampf um die Nachfolge und das Familienerbe .

    Frank Goosen - "Pink Moon": Vor 19 Jahren angeblich gestorben und plötzlich taucht er auf: In dem Roman erzählt Frank Goosen von einem Ruhrgebiets-Kneipier auf der Suche nach seinem verlorenen Vater.

    Tilman Spreckelsen: Der F.A.Z.-Redakteur hat in "Mein Vater, der Held" die schönsten, schrecklichsten und besten Geschichten vom Glanz und Elend des Vatertums vereint. Mit den Vätern, Söhnen, und - Töchtern: Kurt Tucholsky, Theodor Storm, Astrid Lindgren und Raymond Carver.

    Thommie Bayer: "Singvogel" heißt sein neuer Roman über eine brisante Liebe, die als E-Mail-Kontakt beginnt: Ein Vater, der nicht weiß, dass er Vater ist, begegnet einer jungen Frau .

Dienstag, 6. Dezember 2005 (Woche 49)/2.11.2005

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23.00    (VPS 22.59)
            Menschen unter uns
            Wolken über Wolfsburg
            VW, die Mitarbeiter und die Krise
            Ein Film von Ute Heers

    "Solidarität wurde bei uns immer großgeschrieben", sagt Rainer Staats. "Alle für einen, einer für alle." Rainer Staats ist engagierter Gewerkschafter und arbeitet seit 25 Jahren bei VW in Wolfsburg. Hier hat er gelernt, den Golf mitgebaut, für bessere Löhne gekämpft und für den Erhalt der Arbeitsplätze. Damit alle Kollegen ihre Arbeit behalten, haben die VW'ler weniger gearbeitet und auf 20% ihres Einkommens verzichtet. Das war praktizierte Solidarität, gemeinsam beschlossen von Betriebsrat und Geschäftsführung, getragen von der Belegschaft. Kooperative Konfliktbewältigung nannte sich das, und mit diesem Modell war VW immer gut gefahren. "Dieses Modell hat nun Risse bekommen", sagt Industriepfarrer Hans-Karl Finette. Im Sommer wurden Gerüchte laut, dass Betriebsratsvorsitzende und Mitglieder der Geschäftsführung Gelder des Unternehmens veruntreut hätten, um sich Luxusreisen und Prostituierte zu gönnen. Millionensummen sollen verschleudert worden sein; die Staatsanwaltschaft ermittelt. Kein Tag vergeht, an dem nicht neue Beschuldigungen in den Gazetten und in Wolfsburger Tageszeitungen auftauchen.

    Pfarrer Hans-Karl Finette versucht, zu beruhigen und zu vermitteln, dass, wenn sich die Anschuldigungen bewahrheiten sollten, es sich um Verfehlungen Einzelner und nicht um die ganze Führungsspitze von Betriebsrat und Geschäftsführung gehandelt hat. Größere Sorgen aber macht den Wolfsburgern, dass bei VW saniert werden soll. Zwar sind die Arbeitsplätze tarifvertraglich bis 2011 abgesichert, dennoch will und muss VW Stellen abbauen. Nun werden ältere Arbeitnehmer, die eigentlich noch länger arbeiten wollten, in den Vorruhestand gedrängt. Sie müssen sich neue Aufgaben suchen. Hans-Karl Finette hilft ihnen dabei. Und es trifft auch die Auszubildenden. Waren Jugendliche früher für ihre Zukunft abgesichert, wenn sie einen Job bei VW bekamen, ist dies nun ungewiss. Zwar werden die nächsten Jahrgänge der Auszubildenden noch übernommen, aber sie verdienen weniger und arbeiten mehr. Was in drei Jahren ist, weiß niemand. "Wir werden kämpfen", verspricht Rainer Staats. "Jetzt erst recht." Industriepfarrer Hans-Karl Finette setzt eher auf leise Töne und aufs Gespräch. Er hofft weiter, dass Gedanken christlicher Ethik auch in der Wirtschaft Platz finden.

Sonntag, 11. Dezember 2005 (Woche 50)/2.11.2005


10.15
            (VPS: 09.15)
Faszination Musik
            Johann Sebastian Bach: Konzert für 2 Violinen d-moll
            Baden-Badener Philharmonie
            Leitung: Werner Stiefel

    Als "Ton gewordene Lebensbejahung" hat man dieses Werk bezeichnet, das zu den meistgespielten Bach'schen Konzerten gehört. Entstanden ist es um 1718 in Köthen, wo Bach ein Jahr zuvor zum Hofkapellmeister des Fürsten Leopold von Anhalt-Köthen berufen wurde. Formal geprägt sind die Violinkonzerte durch die Schöpfungen des Italieners Antonio Vivaldi, von denen er zehn Transkriptionen vorlegte. Darin, und vor allem in seinen originalen Arbeiten, zeigt sich Bachs Bestreben, Neuerungen wie die innigere Verflechtung von Solo und Orchestertutti herbeizuführen. Durch die Art, in der er Soloinstrumente und Orchester miteinander konzertieren lässt, nähert er sich bereits der späteren klassischen Form der Gattung. Die italienische Concertoform mit ihren drei Sätzen blieb aber erhalten. Rainer Kussmaul ist gebürtiger Mannheimer und stammt aus einer bekannten Musikerfamilie. Ersten Geigenunterricht erhielt er bei seinem Vater, sein Studium absolvierte er später bei Riccardo Odnoposoff. Sowohl als Solist wie als Kammermusiker (u.a. zählte er zu den Gründungsmitgliedern des Stuttgarter Klaviertrios) ist Rainer Kussmaul auf der ganzen Welt aufgetreten, zudem hatte er von 1993 bis 1998 die Position des ersten Konzertmeisters bei den Berliner Philharmonikern inne. Einen weiteren wichtigen Schwerpunkt seiner Arbeit bildet die Tätigkeit als Lehrer: 1977 wurde er als Professor an die Musikhochschule in Freiburg berufen, seit 1987 leitet er die Violinklasse der Carl-Flesch-Akademie in Baden-Baden. Darüber hinaus hat er in der Schweiz, in Schweden, in den USA, Kanada und Japan Meisterkurse gegeben. 1995 gründete Rainer Kussmaul gemeinsam mit einigen philharmonischen Kollegen die Berliner Barock Solisten, deren künstlerischer Leiter er seitdem ist und mit denen er bei vielen bedeutenden Festivals und Konzertreihen gastierte. Er spielt eine Stradivari-Violine aus dem Jahr 1724. Yasushi Ideue ist erster Konzertmeister der Baden-Badener Philharmonie. Der 1974 in Tokio geborene Geiger erhielt seinen ersten Violinunterricht im Alter von vier Jahren. Bereits mit fünfzehn Jahren wurde er Preisträger eines japanischen Violinwettbewerbs. Nach seinem Studium an der Staatlichen Hochschule für Kunst und Musik in Tokio begann Yasushi Ideue 1996 ein Aufbaustudium an der Musikhochschule Freiburg zunächst bei Wolfgang Marschner und danach bei Rainer Kussmaul.

    Im Sommer 1998 absolvierte er dort sein Konzertexamen "mit Auszeichnung" und trat sofort danach seine Stelle als 1.Konzertmeister der Baden-Badener Philharmonie an. Bereits während seiner Studienzeit spielte Yasushi Ideue als Solist mit zahlreichen Orchestern, so mit der Jenaer Philharmonie oder mit dem Loh- Orchester Sondershausen (Kyffhäuserkreis). 1997 erhielt Yasushi Ideue den Sonderpreis für die beste Interpretation eines zeitgenössischen Werkes beim Internationalen Violinwettbewerb Ludwig Spohr und nahm am Marschner Festival in Hinterzarten teil. Jüngster Erfolg war die Einladung zu einem Solo-Recital im größten Kammermusiksaal Tokios im Februar 2000. Aufzeichnung eines Konzertes anlässlich des 150-jährigen Bestehens der Baden-Badener Philharmonie am 1. November 2004 im Kurhaus Baden- Baden.

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