SWR - Südwestrundfunk

Südwestrundfunk (SWR) Programmhinweise von Freitag, 28.10.05 (Woche 43) bis Mittwoch, 30.11.05 (Woche 48)

    Baden-Baden (ots) - Freitag, 28. Oktober 2005 (Woche 43)/19.10.2005


22.00
            Nachtcafé
            Gäste bei Wieland Backes
            Angst vor dem Islam

    Geschichten aus 1001 Nacht - das war einmal. Für viele lauert inzwischen hinter den Geheimnissen des Orients eine echte Bedrohung. Immer häufiger werden mit dem Begriff Islam nicht Bauchtanz und Bazar, sondern Selbstmordattentäter, Unterdrückung der Frau und Rückständigkeit verbunden. Die Frage, ob die Türkei zu Europa gehört, spaltet die Nation. Hinzu kommt, dass sich zusehends radikale Islamisten in Deutschland Gehör verschaffen und schon den Jüngsten in kaum zugänglichen Koranschulen Hass gepredigt wird. Doch muss man deswegen unter jedem Kopftuch und hinter jedem Bart einen Extremisten vermuten? Gibt es nicht auch genug Signale, dass sich die vermeintlich mittelalterliche Haltung gegenüber dem Westen öffnen und modernisieren will? Wie viel Toleranz verträgt unsere Gesellschaft, ohne dass ihre Grundwerte in Gefahr sind?

    Die Gäste: Der Islamkenner und Publizist Bahman Nirumand musste zweimal um sein Leben bangen und aus seiner Heimat, dem Gottesstaat Iran, fliehen. Trotzdem glaubt er fest daran, dass der Islam reformiert werden kann, denn "sonst kann es weder Frieden noch Demokratie und Freiheit geben." Die westliche Sicht hält der Publizist für zu einseitig und von Vorurteilen und übersteigerten Ängsten geprägt.

    Der Journalist Elmar Theveßen hingegen meint: Hierzulande wird die Gefahr des islamistischen Terrorismus bei weitem unterschätzt. Seit dem 11. September 2001 und dem Irakkrieg wachse die Zahl gewaltbereiter Islamisten - auch in der Bundesrepublik. Junge Muslime, oftmals ohne Lebensperspektive, fänden ihren einzigen Halt in der Parallelgesellschaft, wo arabische Fernsehsender tagtäglich Hassfilme senden.

    Ali Kizilkaya, der Vorsitzende des Islamrats, fühlt sich zu Unrecht angeklagt. Mord, Misshandlung von Frauen und Terrorismus sei mitnichten Teil seines Glaubens. Der Generalverdacht gegen die Muslime sei ausgrenzend, denn: "Wir sind ein Teil dieser Gesellschaft." Seine Glaubensgemeinschaft Milli Görüs steht allerdings wegen islamistischer Bestrebungen unter Beobachtung des Verfassungsschutzes.

    Die türkischstämmige Hülya Kandemir ist in einem toleranten Elternhaus aufgewachsen. Sie spielte in einer evangelischen Kirchenband und brach mit 16 die Schule ab, um Popstar zu werden. Bis sie eines Tages zum Entsetzen von Band und Fans entschied, ein strenggläubiges Leben als Muslimin mit Kopftuch zu führen. Sie sagt: "Ich empfinde es als Erleichterung, mich zu bedecken, so rückt der Mensch in den Vordergrund und nicht mehr mein weibliches Äußeres."

    Für Fatma Bläser wäre das Kopftuch undenkbar. Ihr Leben war geprägt von Gewalt im Zeichen islamischen Patriarchentums: So musste sie als Mädchen in der Türkei mit ansehen, wie eine angebliche Ehebrecherin gesteinigt wurde. In Deutschland wurde sie von der Schulbildung ferngehalten, verprügelt und zwangsverheiratet. Erst als sie unter Lebensgefahr floh, entkam sie ihrer traditionellen Familie. Heute hilft sie muslimischen Mädchen in ähnlichen Situationen.

    Seit einiger Zeit herrscht Aufregung in der schwäbischen Kleinstadtidylle von Bürgermeister Edgar Wolff. Eine Erzieherin mit Kopftuch, die im Kindergarten weder Weihnachten noch Ostern feiern will? Ein Muezzin, der vom Minarett aus zum Morgengebet ruft? Mitten in Ebersbach? Nun wird gemeinsam mit allen Mitbürgern der Spagat zwischen Integration und Leitkulturdebatte versucht.

    An der Bar: Im Februar dieses Jahres wurde eine junge Türkin in Berlin auf offener Straße regelrecht hingerichtet. Der Täter - ihr Bruder. Auslöser für eine Solidaritätsaktion von Güner Yasemin Balci. 10.000 Postkarten bedruckte sie gemeinsam mit jungen Türken, der provokante Titel: "Ehre ist, für die Freiheit meiner Schwester zu kämpfen." Es ist ein Versuch, auf das Unrecht an den Frauen aufmerksam zu machen und den fundamentalistischen Traditionen den Kampf anzusagen.

Mittwoch, 30. November 2005 (Woche 48)/19.10.2005


21.45
            Auslandsreporter
            Zurückgekehrt nach Kasachstan
            Wie Russlanddeutsche zu Hause Karriere machen
            Ein Film von Christoph-Michael Adam

    Ein Möbelfabrikant, der in Deutschland Bademeister und davor Boxer war, ein Getränke-Hersteller, der in Deutschland nicht die Straße fegen wollte, ein Weinbauer und ein Generaldirektor. Alle vier haben eines gemeinsam: Als Russlanddeutsche kamen sie einst aus dem weiten Kasachstan nach Deutschland in das "Land ihrer Väter". Nach einiger Zeit gingen sie wieder zurück nach Kasachstan, teils enttäuscht, teils ernüchtert. Jedes Mal hatten sie aber eine Geschäftsidee im Gepäck, die ihnen in Deutschland gekommen war. In ihrem eigentlichen Heimatland machen sie nun Karriere - in Kasachstan, das sieben Mal so groß ist wie Deutschland. Das neuntgrößte Land der Erde hat eine lange Grenze zu China und Russland und wird immer mehr zum Wirtschaftsmotor Zentralasiens. Unbeschreiblicher Reichtum und schockierende Armut kennzeichnen den wirtschaftlichen Umbruch der ehemaligen sowjetischen Republik, aus der Hunderttausende von Russlanddeutschen auswanderten. Weil das Land aber nur 15 Millionen Einwohner hat, ist es für ideenreiche Unternehmer das neue "Land der unbegrenzten Möglichkeiten". Und: Sie sind gerne gesehen, die Heimkehrer aus Deutschland, die Know-how und Geld mitbringen. Hier sind sie jetzt wer - anders als in Deutschland, wo sie nur Russlanddeutsche waren.

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