SWR - Südwestrundfunk

Programmhinweise von 23.09.2005 (Woche 38) bis 29.10.2005 (Woche 44) Baden-Baden (ots) -

    Baden-Baden (ots) - Freitag, 23. September 2005 (Woche 38) / 21.09.2005


23.30
            Nachtkultur
            Die Kultur-Illustrierte

    Moderation: Markus Brock unter anderem mit folgenden Themen: Bis heute unvergessen - Der Tenor Fritz Wunderlich Ob Mozart-Opern, Bach-Passionen, deutsche Volkslieder oder populäre Operetten. Für Fritz Wunderlich (1930-1966) gab es keine Grenze zwischen ernster und leichter Musik. Für ihn gab es nur Musik, die er liebte und die sein Publikum von ihm hören wollte. Als er mit nur 35 Jahren tödlich verunglückte, war der Tenor mit der Ausnahmestimme auf dem Höhepunkt seiner Karriere, sein Debüt an der New Yorker Metropolitan Oper stand kurz bevor. Es war das tragische Ende eines großen Künstlers, der sich innerhalb weniger Jahre in die Herzen von Millionen gesungen hatte. Am 26. September wäre er 75 Jahre alt geworden. In der Pfalz geboren und aufgewachsen, wurde Fritz Wunderlich ab 1950 an der Freiburger Musikhochschule ausgebildet, bevor er sich an der Stuttgarter Oper zu einem "Tenor der Sonderklasse" entwickelte. Weitere Stationen seiner schwindelerregenden Karriere waren Frankfurt, Salzburg, München und Wien. Nach seinem unfassbaren Tod blieb für seine Freunde und Bewunderer nur ein kleiner Trost - Fritz Wunderlich hat zahlreiche Aufnahmen hinterlassen, die auch Jahrzehnte nach seinem Tod an die beste Tenorstimme seiner Zeit erinnern. Literarische Blicke auf einen Nachbarn - Autorenreise nach Bulgarien Zehn Jahre lang besuchten deutsche Schriftsteller die bulgarische Großstadt Plovdiv. Zwei Flugstunden von Frankfurt entfernt, wurden die Autoren in eine fremde Welt katapultiert, eine Stadt, so groß wie Frankfurt, mit 8000-jähriger Geschichte, in der asiatische und christliche Kulturen nebeneinander existieren, urtümliche Bergvölker und moderne westliche Lebensarten sich begegnen. Die Altstadt ist Weltkulturerbe, hier steht ein Amphitheater neben einer Moschee, Bettler neben Luxuslimousinen. Bulgarien war die Heimat der Thraker, dem Volk des Sklavenführers Spartakus, hier lebten Etrusker, Römer, Osmanen. "Fremde Nähe" - das steht als Überschrift über dem Autorenbesuch, der in Bulgarien sehr stark beachtet wird. Organisiert vom Künstlerhaus Edenkoben, lebten die Autoren sechs Wochen im Jahr in der historischen Altstadt, führten Reisetagebuch - oder schrieben Gedichte. Herausgekommen ist eine Chronik des Wandels in einem Land, das seit dem Fall des eisernen Vorhangs mit Hochgeschwindigkeit den Weg in die Europäische Gemeinschaft beschreitet. So spricht der Schriftsteller Hans Thill von "Fernweh und Trauer um ein armes, bald eingemeindetes Paradies". Bei der wahrscheinlich letzten Autorenreise nach Plovdiv hat "Nachtkultur" die deutsche Reisegruppe begleitet.

    Plastik macht glücklich - Die Erfolgsgeschichte der Tupperware Sie sind die Stars des Haushalts, fast auf jeder Party vertreten und dürfen auch beim Picknick nicht fehlen: Praktische Plastikschüsseln, in denen sich Steaks, Salate, Kuchen und vieles mehr luftdicht aufbewahren und transportieren lassen. Der Klassiker unter ihnen ist die "Tupperware", benannt nach ihrem Erfinder Earl S. Tupper, der in den 40-er Jahren mit der Kunststoff-Deckel-Konstruktion die (Hausfrauen-)Welt revolutionierte. Als "Wunderschüssel" pries der amerikanische Chemiker damals seine Behälter aus Polyethylen an. Zuerst in Haushalts- und Eisenwarengeschäften, ab den 50-er Jahren ausschließlich über die sogenannte "Tupperparty", die ab 1960 auch hierzulande zum beliebten Muss für jede gute Hausfrau wurde. Denn Tupperware steht nicht nur für Qualität, was das 30-jährige Garantie- und Rückgaberecht verspricht, Tupperware steht auch für ein vielfach prämiertes Design, das es bis in renommierte Museen geschafft hat. Ein bunt illustriertes Buch erzählt jetzt die europäische Erfolgsgeschichte der amerikanischen Kultmarke. Und wie es sich gehört, ist der Band in einer hochwertigen Tupperware-Box erschienen. Luftdicht verpackt, hitze- und gefrierbeständig. "Tupperware - Transparent" ist bei Hatje Cantz erschienen. Eine Stadt im Tanzfieber - Das internationale Ballettfestival "Basel tanzt" Ein taiwanesisches Ensemble, das östliche Rituale mit zeitgenössischem westlichen Tanz verbindet, das Stuttgarter Ballett mit John Crankos "Widerspenstiger Zähmung" und die spanische "Compaòßa Nacional de Danza", die mediterranen Flair auf die Bühne bringt. Das sind nur drei von acht Kompanien aus Asien, den USA und Europa, die beim diesjährigen Ballettfestival "Basel tanzt 05" die enorme Vielfalt des Tanzes präsentieren. "Wir stellen auf drei Bühnen Kompanien vor, die aus ganz unterschiedlichen Bewegungstraditionen und Kulturen herkommen", sagt der Basler Ballettchef Richard Wherlock, der in diesem Jahr zum ersten Mal die Leitung übernimmt. Der britische Choreograph und Regisseur folgt Festivalgründer Heinz Spörli und führt dessen Erfolgskonzept weiter. So können die Besucher noch bis 29. September abwechslungsreiche Ballettabende genießen, mit einem breit gefächerten Programm, das vom klassischen Ballett bis hin zum experimentellen Tanztheater alles zu bieten hat.

Samstag, 29. Oktober 2005 (Woche 44)/21.09.2005


14.20    betrifft: Tanz mit dem Krebs (WH von MO)
            Ein Film von Klaus Balzer

    Ich bin nicht glücklich, dass ich Krebs hatte, bei weitem nicht. Aber das, was hinterher war, ist lebbarer, als das, was vor dem Krebs war." Ingeborg Zeißberger hatte Brustkrebs, ein Teil der Brust musste entfernt werden. Die heute 59-jährige Frau hat vor vier Jahren an einer so genannten "kreativen Therapie" teilgenommen. Sie hat mit Ton plastiziert, mit geschlossenen Augen. Dadurch wurde sie, wie sie sagt, innerlich sehend und konnte ihr Leben ändern, von Grund auf. Heute ist sie so glücklich wie nie zuvor. Jaqueline Breithaupt hat Hautkrebs. Sie tanzt. Sie tanzt gegen den Krebs an, sie tanzt, um sich Mut zu machen. Gemeinsam mit sieben anderen Frauen nimmt sie an der Klinik für Tumorbiologie in Freiburg an einer Tanztherapie teil. Diese Therapie ist Teil der Rehabilitation nach der chemotherapeutischen- und Strahlenbehandlung, die sie gerade hinter sich hat. Beim Tanzen kommen ihr schöne Bilder in den Kopf, sagt sie. Aber erst langsam entdeckt sie mehr von dem, was sich in ihrem Inneren abspielt. Wut, Trauer, Sehnsucht nach einem anderem Leben. Den Weg dahin kennt sie nicht. Noch nicht. Das Tanzen soll ihr helfen, den Weg zu finden. Auch Gisela Großklaus tanzt. Nicht in einer Klinik wie Jaqueline Breithaupt, sondern in einer ambulanten Tanzgruppe, die von der Hamburger Krebsgesellschaft angeboten wird. Frau Großklaus wurde vor zwei Jahren die Gebärmutter entfernt, seitdem lebt sie in der ständigen Furcht, die Krankheit könne wiederkehren. Deshalb tanzt sie, sie tanzt gegen die Angst an. Gemeinsam mit sechs weiteren Frauen, die zum Teil sterbenskrank sind.

In dem Film "Tanz mit dem Krebs" begleitet "betrifft" - Autor und Regisseur Klaus Balzer die drei Frauen durch ihre Therapie. In ungewöhnlich schonungsloser Offenheit reden sie über ihre Krankheit, über Ängste, über Gefühle, die sie bisher nicht wagten auszusprechen. Das zwingt den Autor in eine Rolle, die allmählich über den Interviewer, den stillen Beobachter hinausgeht. Wie ist sein Verhältnis zu unheilbaren Krankheiten, wie stellt er sich seinem Unbehagen, seinen Ängsten

    Tanzen heilt den Krebs nicht. Zumindest gibt es darüber keine gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse. "Das ist auch nicht unser Ziel", sagt die Tanztherapeutin Elana Mannheim. "Wenn die Frauen durch unsere kreativen Therapien wieder Boden unter den Füßen bekommen und einen Weg erkennen, wie sie mit der Krankheit umgehen, ist schon viel gewonnen." Dies ist ein zum Teil äußerst schmerzhafter Prozess, der das Gefühlsleben der Frauen auf den Kopf stellt. Alles, was vor der Krankheit war, stimmt nicht mehr - das sagen die meisten von den Krebspatienten, mit denen Balzer gesprochen hat. Und bis Neues gefunden wird, vergehen oft Jahre, Jahre voll innerer Zweifel und Suche nach dem richtigen Weg. Am Anfang dachte Jaqueline Breithaupt noch, die Tanztherapie sei ganz nett, ohne tiefe Gedanken. "Aber jetzt merke ich eine Steigerung, Intensivierung, die Therapie wird bedeutungsvoller. Es gibt in mir wahrscheinlich noch sehr viel zu entdecken und zu machen. Darauf freue ich mich sehr, das hilft." Ohne Scheu in die Auseinandersetzung mit sich selbst und seinen Sehnsüchten zu gehen, das zeigen die Frauen. Davon kann man lernen, auch wenn man kein Krebs hat. Der Film "Tanz mit dem Krebs" macht Mut, kranken und gesunden Menschen.


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