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ARD Wahl 05: Der Kanzler/Gerhard Schröder/ Ein Porträt von Oliver Merz und Thomas Michel

    Baden-Baden (ots) - „Ich habe mein Leben lang gekämpft und ich werde weiterkämpfen“, so Gerhard Schröder Mitte August 2005 im exklusiven ARD-Interview. Der Kanzler will es noch einmal wissen und beschert dem Land einen spannenden politischen Spätsommer.

    Mit der vorgezogenen Bundestagswahl sucht Bundeskanzler Gerhard Schröder Bestätigung für seine Regierungspolitik, die von vielen Experten als unumgänglich eingeschätzt, die aber genauso oft als nicht konsequent genug beurteilt wird. Der Kanzler selbst bleibt bei seinem Kurs: Wenn Deutschland seinen Sozialstaat erhalten wolle, müssten die Bedingungen für Unternehmen verbessert werden und die Bürger mehr Eigenverantwortung übernehmen – nur dann seien die sozialen Sicherungssysteme in Ost und West weiter zu finanzieren. Die Regierungszeit von Schröder ist gekennzeichnet von innenpolitischen Auseinandersetzungen und außenpolitischen Herausforderungen. Nach einer Serie von Wahlniederlagen zieht der Bundeskanzler Konsequenzen, tritt die Flucht nach vorne an und initiiert Neuwahlen.

    Wer ist der Mann, der Deutschland seit sieben Jahren regiert und nun ein neues Mandat anstrebt? Schröder, ein mutiger Kanzler, der unter Einsicht in die Notwendigkeiten seiner Partei und seinem Land harte Reformen zumutet, um den Sozialstaat unter den Bedingungen globaler Konkurrenz zukunftsfähig zu machen? Oder ist Schröder ein Situationspolitiker, der ohne festen Plan nach den Erfordernissen des Augenblicks regiert und dabei dem Land eine notwendige Orientierung verweigert, wie seine Gegner meinen?

    Hat das Amt den ehrgeizigen Mann verändert, dessen öffentlicher Auftritt vom „Brioni-Kanzler“ zum „harten Reformer“ changierte? Welche Rolle spielt seine Herkunft aus kleinen Verhältnissen bei seinem Politikstil, und welche Überzeugung steckt hinter seiner Politik?

    Der Film von Oliver Merz und Thomas Michel wird diese Fragen beantworten. Gerhard Schröder selbst steht im Interview zu seiner Sache, politische Weggefährten und Gegner sowie alte Freunde zeichnen mit am Bild. Im Mittelpunkt stehen dabei die innenpolitischen Reformen, die bis heute unter dem Titel Agenda 2010 die politische Debatte bestimmen. „Noch nie“, so Schröders Ex- Arbeitsminister Walter Riester, „hat eine Regierung so wenig nach Zustimmung geschielt wie die Regierung Schröder.“ Verzweiflung oder Überzeugung? Hans-Jochen Vogel hingegen stellt sich im SWR-Interview klar vor den Kanzler, der als erster „sozialdemokratischer Kanzler kein Mehr zu verteilen hatte“.

    Das politische Porträt des Kanzlers lässt sieben Jahre Rot-Grün Revue passieren auf der Suche nach den inneren Überzeugungen des Kanzlers. Der Abgang von Oskar Lafontaine, das anspruchsvolle Schröder-Blair-Papier aus dem Jahr 1999, gibt es da einen Zusammenhang? War die SPD jemals bereit, dem Kanzler angesichts leerer Staatskassen auf dem Weg zu mehr Eigenverantwortung des Einzelnen zu folgen? Bodo Hombach meint: „Nein, die SPD wollte, dass er Wahlen gewinnt und von schwierigen inhaltlichen Debatten verschont bleiben.“ Der innerparteiliche Gegenspieler Schröders, der Ex-Bundesgeschäftsführer Ottmar Schreiner, vermisste immer „ein übergeordnetes politisches Projekt“, und der SPIEGEL- Hauptstadtkorrespondent Jürgen Leinemann sagt: „Schröder hat nie einen Plan, aber immer viel Mut“.

    Kurios und gleichzeitig bezeichnend: Der IG-Metall Vorsitzende Jürgen Peters und der DGB-Vorsitzende Michael Sommer lehnten beide dezidiert ein Interview zum Kanzler-Porträt der ARD ab.

    Der Film zeigt den Kanzler – offensichtlich mit sich selbst im Reinen – im Wahlkampf und dokumentiert, wie sich die SPD noch einmal hinter ihm versammelt. „Schröder hat die Sozialdemokraten in die Realität geführt“, meint dazu Kurt Biedenkopf, während Ottmar Schreiner ein „Demokratiedefizit“ in der innerparteilichen Diskussion feststellt. Hartz IV, das umstrittenste Reformprojekt von Kanzler Schröder, wird in seiner Entstehung dokumentiert, und es lässt sich eindeutig feststellen – des Kanzlers eigene Leute wollten diese Politik nie wirklich, auch wenn ihre Notwendigkeit kaum bestritten wird. Der ehemalige „Männerfreund“ und SPD- Parteivorsitzende Oskar Lafontaine kocht aus diesen Widersprüchen nun sein eigenes Süppchen ...

    ... und der Kanzler sitzt zwischen Baum und Borke, zwischen eigener Überzeugung und parteipolitischer Opportunität. „Nichts ist von Schröder ohne seine Herkunft zu verstehen“, meint dazu Jürgen Leinemann. Und der Film nimmt auch diese Spur auf. Schröder, der Mann aus dem sozialen Abseits, aufgewachsen ohne Vater, der Mann, der eigentlich keine Chance hatte? Der Wohnort der Kindheit Talle, der Fußballplatz, das Abendgymnasium und die Jusos – die Anekdoten aus Schröders Kindheit und Jugend erstehen in Interviews mit Zeitzeugen wieder und zeichnen das Bild eines Mannes, der tatsächlich immer gekämpft hat und immer noch kämpft – für sich, seine Macht und für eine neue Definition von „Eigenverantwortung“ in einem Land, dessen soziale Ressourcen erschöpft sind.

    „Wahl 05: Der Kanzler“ am 15. September, drei Tage vor der Wahl, im Ersten.

    Das SÜDWEST Fernsehen wiederholt die Porträts „Die Kandidatin: Angela Merkel“ (Erstsendung am 8. September 2005 im Ersten) und „Der Kanzler: Gerhard Schröder“ am 15. September 2005 ab 23.15 Uhr.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Florian Pflug, Tel.:07221/929-3273

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