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21.03.2005 – 10:41

SWR - Südwestrundfunk

Zwölf Jahre im Amt: Peter Voß zieht Bilanz – Kein Anlaß zur Pauschalkritik an Politikern in Gremien

    Baden-Baden (ots)

Stuttgart. SWR-Intendant Peter Voß hat kein Problem mit der Präsenz von Politikern in den SWR-Gremien. Er habe damit keine schlechten Erfahrungen gemacht, sagte Voß, der nach zwölf Jahren als Intendant zunächst des SWF und dann des SWR einen positive Bilanz für seinen Sender zieht: „Der Erfolg des SWR übertrifft noch die Erwartungen, die ich mit dem Fusionsprojekt verbunden habe“, so Voß gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Der SWR befinde sich seit seiner Gründung in einem ständigen Reform- und Optimierungsprozeß. Zu weiteren medienpolitischen Fragen wie zur Entscheidung der Landtage zum 8. Rundfunkänderungsstaatsvertrag oder zu den Gefahren aus Brüssel nimmt Intendant Voß in einem dpa-Interview mit Werner Scheib Stellung.

    1. Seit zwölf Jahren sind Sie Intendant des SWF und später SWR. Welche Bilanz können Sie ziehen? Angefangen von der Hörerbindung über die Stellung innerhalb der ARD bis hin zum aktuellen finanziellen Standing Ihres Hauses?

    Voß: Zunächst einmal: Ich empfinde es als Privileg, für diesen Sender zu arbeiten. Der Erfolg des SWR übertrifft noch die Erwartungen, die ich mit dem Fusionsprojekt verbunden habe. Die Hörer- und Zuschauerbindung ist kräftig gestärkt worden. Wir haben Personal abgebaut und trotzdem alle Programme neu ausgerichtet und optimiert. In der ARD hat unser Wort Gewicht, wir sind als zweitgrößte Anstalt ein gefragter und respektierter Partner und für wichtige Gemeinschaftsaufgaben verantwortlich. Und wir sind einer der modernsten Sender: In vielen Bereichen, von der Personalsteuerung bis zur digitalen Vernetzung aller Programmbereiche, haben wir strukturelle Probleme angepackt, auf die andere erst nach und nach stoßen. Die aktuellen Schwierigkeiten kommen von außen und sind durch politische Entscheidungen bedingt. Wir müssen in den nächsten vier Jahren 150 Mio. Euro einsparen. Das ist schmerzhaft, aber wir werden es hinbekommen.

    2. Wo muß der SWR wegen der niedrigeren Gebührenerhöhung sparen? Wie hoch sind die Einsparmaßnahmen pro Jahr? Wo trifft dies den Hörer am stärksten?

    Voß: Wir sind ans Sparen ja schon lange gewöhnt, denn der SWR befindet sich seit seiner Gründung in einem ständigen Reformprozeß, um die Kosten zu verringern, die Effizienz zu steigern und das Produkt zu verbessern. Wir müssen überall sparen: Am Programm, am Personal, an den Investitionen und natürlich auch an allen zusätzlichen Leistungen für unsere Gesellschaft und für unsere Standorte.

    3. Ziehen die ARD-Anstalten vor das Bundesverfassungsgericht?

    Voß: Wir sind uns einig in der Auffassung, daß bei der Behandlung des Gebührenvorschlags einer unabhängigen Kommission, nämlich der KEF, durch die Länder gegen das Grundgesetz verstoßen wurde. Wir tragen kofferweise bedrucktes Papier mit Zahlen, Daten, Fakten, Analysen und Begründungen zur KEF, und am Ende wird die Gebühr doch nur nach Gefühl und Wellenschlag politisch hingedrechselt – das ist sehr aufwendig und wenig sinnvoll.

    4. Sie gehen also nach Karlsruhe, auch im Alleingang ?

    Voß: Einen Alleingang des SWR kann ich mir heute nur schwer vorstellen – es ist schon wichtig, daß ARD und ZDF hier zu einer gemeinsamen Linie finden. Ich persönlich halte den Gang nach Karlsruhe allerdings für unausweichlich, damit der unabhängige Status der KEF klargestellt wird. Daran muß doch auch der Politik gelegen sein. Die ARD wird hier aber keinen Schnellschuß abfeuern, sondern sich wie immer nach gründlicher Beratung entscheiden, also werden wir uns dafür auch die nötige Zeit nehmen.

    5. Wie hoch ist künftig noch der Stellenwert der Kultur im SWR- Programm? Wo konkret werden Sie im Kulturbereich sparen?

    Voß: Wir bleiben der größte Kulturveranstalter im Südwesten, weit über den Programmauftrag hinaus. Wir beschneiden ja schon seit längerem die Programmetats, nicht zuletzt beim Sport und bei der Unterhaltung. Die Kultur wurde bisher sehr schonend behandelt, kann aber keine Tabuzone sein. Die Kunst wird sein, diese Korrekturen so zu gestalten, daß das Programm nicht beschädigt wird. Das erfordert eine Vielzahl von Einzelmaßnahmen, die ich hier nicht aufzählen kann.

    6. Welche Gefahren sehen Sie auf die öffentlich-rechtlichen Anstalten aus Brüssel zukommen?

    Voß: Die Europäische Kommission will offenkundig ihre eng begrenzte Zuständigkeit für den Rundfunk zum Nachteil der Mitgliedstaaten erheblich ausweiten, um einer nachhaltigen weiteren Kommerzialisierung den Weg zu bereiten. Über Einzelfragen kann man natürlich reden, aber generell liegt darin eine Gefahr für die kulturelle Autonomie der Mitgliedsländer und eine Gefahr für die Rundfunkfreiheit. Problematisch ist dies auch deshalb, weil sich die Brüsseler Kommission ohnehin zu einer übermächtigen supranationalen und superbürokratischen Instanz mit unzureichender demokratischer Legitimation und Kontrolle zu entwickeln droht.

    7. Sehen Sie in der Politik noch den früheren starken Partner der öffentlich-rechtlichen Anstalten?

    Voß: Ich hoffe, daß sie dies künftig wieder verstärkt sein wird – gerade in Zeiten eines allgemeinen Vertrauensverlustes der Politik ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk ebenso wie die seriöse Presse als Orientierungshilfe unentbehrlich, um den Bürgern eine sachkundige und differenzierte Urteilsbildung zu ermöglichen.

    8. Wäre es nicht gut, Regierungen und Parlamente aus den Aufsichtsgremien herauszuhalten?

    Voß: Ich sehe für den SWR keinen Anlaß zu pauschaler Kritik an der Mitwirkung von Parlaments- und Regierungsmitgliedern in unseren Gremien und deshalb hier im Südwesten auch keinen grundsätzlichen Handlungsbedarf – vielleicht auch deshalb, weil ich mit den Repräsentanten der Politik in unseren Gremien keine schlechten Erfahrungen gemacht habe. Es ist für mich deshalb keine Frage des Ob, sondern des Wie. Die Politik soll sich einbringen, aber nicht etwa bestimmen, welches Programm wir machen.

Daten zur Amtszeit von Peter Voß

    Prof. Peter Voß (64) wurde am 1. April 1993 Intendant des Südwestfunks (als Nachfolger von Willibald Hilf). Seit dem 13. März 1998 führt er den aus Süddeutschem Rundfunk (SDR) und Südwestfunk (SWF) fusionierten SWR. Die Zusammenführung der beiden Sender im Südwesten zur zweitgrößten ARD-Anstalt und die Positionierung des SWR innerhalb des Verbundes der Landesundfunkanstalten prägten die Arbeit des SWR-Gründungsintendanten Voß seit 1998. 1999 übernahm Voß turnusgemäß für zwei Jahre das Amt des ARD-Vorsitzenden. Voß ist in der ARD der federführende Intendant für Online-Fragen und für 3sat. Er gehört dem Verwaltungsrat der Europäischen Rundfunk-Union (EBU) an und ist Vorsitzender der Gesellschafterversammlung von ARTE Deutschland. Peter Voß wurde im 27. Juni 2002 für eine weitere fünfjährige Amtsperiode wiedergewählt, die zum 1. Mai 2008 endet.

SWR-Pressestelle

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Ariane Pfisterer, Tel.: 0711/929-1030

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