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22.12.2004 – 15:34

SWR - Südwestrundfunk

Südwestrundfunk (SWR) Programmhinweise von Donnerstag, 23.12.04 (Woche 52) bis Donnerstag, 03.02.05 (Woche 5)

    Baden-Baden (ots)

Donnerstag, 23. Dezember 2004 (Woche 52)/22.12.2004

    Geänderten Beitrag beachten!


20.15    (VPS 20.14)
            Zum Tode von Lennart Graf Bernadotte:
            Der Herr der Mainau
            Moderation: Markus Brock
            (Erstsendung: 8.05.2004)

Freitag, 21. Januar 2005  (Woche 3)/22.12.2004


00.00
            Literatur im Foyer
            mit Martin Lüdke
            Mord und Totschlag
            Christoph Heins neuer Roman "In seiner frühen Kindheit ein
Garten"
            mit Christoph Hein und dem Lyriker Christian Lehnert und den
            Kritikern Elke Schmitter (DER SPIEGEL) und Jörg Magenau (FAZ)

    Nach seinem großen Erfolgsroman "Landnahme" im vergangenen Frühjahr, präsentiert der Ostberliner Schriftsteller Christoph Hein jetzt ein neues fulminantes Buch: "In seiner frühen Kindheit ein Garten". Acht Jahre hat er daran gearbeitet. Ein authentischer Fall: Mord. Und ein Skandal dazu. Ein Terrorist starb auf den Gleisen eines norddeutschen Bahnhofs. Die Behörden haben einen Selbstmord vorgetäuscht. Monatelang hat diese Geschichte Schlagzeilen gemacht. Ein Bundesminister musste zurücktreten, der Generalbundesanwalt wurde entlassen. Beweise wurden vernichtet. Es wurde gelogen, getäuscht, vertuscht. Der Rechtsstaat stellte sich selbst in Frage. Doch Hein interessiert sich auch und gerade für das Drama hinter dem Skandal. Der Vater des Toten kann sich mit der offiziellen Version nicht abfinden. Er will die Wahrheit wissen. Er beginnt zu kämpfen. Für seinen Sohn. Für die Familie. Für das Recht. Ein packendes, ergreifendes Buch ist daraus geworden. Außerdem stellt "Literatur im Foyer" den jungen Lyriker Christian Lehnert vor, der in der Nähe von Dresden als Pfarrer arbeitet und in seinen Gedichten etwas von der Zeit, die hinter unserer Gegenwart liegt, spürbar macht.

Donnerstag, 3. Februar 2005 (Woche 05)/22.12.2004


22.30
            Deutsche Lebensläufe: Karl Valentin - Ein Hungerkünstler
            Ein Film von Franz Xaver Karl

    Karl Valentin wird bis heute als schräge, verquere Komikertype vereinnahmt und seine Bedeutung damit verkannt. Dabei ist er einer der wenigen Bayern auf Weltniveau, ein Genie auf der Höhe von Chaplin, Buster Keaton oder Beckett. Bertolt Brecht hat mit ihm zusammengearbeitet, Lion Feuchtwanger hat Valentins Auftritte in seinem Roman "Erfolg" verewigt. Aber in seiner Heimatstadt München wollte am Ende kaum einer etwas von ihm wissen. Valentin starb 1948, vergessen - und tief verletzt.

    Valentin Ludwig Fey alias Karl Valentin, wurde als Sohn eines hessischen Vaters und einer sächsischen Mutter am 4. Juni 1882 in der Münchner Vorstadt Au geboren. Sein Vater betreibt das Speditionsunternehmen "Falk und Fey". Der wilde Humor des Knaben Valentin ist berüchtigt; seine Streiche sind legendär. Das dörfliche Au wird ihm später die typischen Valentin-Charaktere liefern: Handwerker, Laien-Musiker, Dreiviertel-Privatiers. Doch zunächst muss der junge Valentin nach dem Tod seines Vaters die Firma übernehmen. Als die pleite ist, beginnt er, mit eigenen Programmen aufzutreten. Nach vier Hungerjahren kommt endlich der Erfolg: mit dem skurrilen Monolog "Das Aquarium". Karl Valentin wird von der Kleinkunstbühne des "Frankfurter Hofs" engagiert. Dort lernt er 1911 die Nebenerwerbs-Soubrette Elisabeth Wellano kennen. Er formt sie zu seinem Geschöpf und tauft sie neu: Liesl Karlstadt.

    Früh - schon 1912, ein Jahr vor Chaplin - entdeckt er die Möglichkeiten des Films; als erster gründet er in München ein Filmstudio. 1923 macht er einen Film zusammen mit Brecht, der Valentin verehrt: Die "Mysterien eines Frisiersalons" sind ein surrealistisches Meisterwerk. Trotz notorischer Reiseangst: Valentin geht nach Berlin; hier feiert er seine größten Triumphe. Kurt Tucholsky schreibt über Valentins Komik, sie sei "ein Höllentanz der Vernunft um beide Pole des Irrsinns".

    Die Nazis hätten sich gerne mit ihm geschmückt. Obwohl die schwarze Komik der Valentinfilme ihnen nicht geheuer ist. Valentin lehnt ab, obwohl er ständig Geldsorgen hat. In Auftritten macht er sich lustig über die Nazis. Dann zieht er sich ganz zurück - von 1940 bis 1946 tritt er nicht mehr öffentlich auf. Nach dem Krieg muss er um Arbeit betteln - seine bitteren Zeitdiagnosen kommen jetzt nicht an.

    Der Film von Franz Xaver Karl zeigt den wahren Valentin, den frühen Filmpionier, der seinen mageren Körper wie kein anderer als Instrument einsetzte, ihn ebenso verwickelte wie seine Sprache, mit der er die Welt und ihre Regeln in Frage stellte und Löcher in die Wirklichkeit bohrte, absurd und komisch zugleich - aber auch tragisch. Bei ihm gibt es definitiv kein Happy End: "Er besitzt eben den Mut extrem zu sein", sagt Herbert Achternbusch, der im Film Karl Valentin kongenial kommentiert. Viele Facetten Valentins kommen da zur Sprache, angefangen von den sadistischen Kinderspielen des "Roten Deifis von der Au" bis zu seiner hochgradigen Hypochondrie. In seiner Heimatstadt München erinnert bis heute nur ein weißblaues Kuriositätenlokal an diesen einzigartigen Künstler, dessen Weltkarriere kaum über Bayern hinausging: Er ging eben nie nach vorne, sondern immer in die Tiefe.

SWR-Pressestelle

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Wolfgang Utz, Tel.: 07221 / 929 - 2785.

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