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14.10.2004 – 16:57

SWR - Südwestrundfunk

Südwestrundfunk (SWR) Achtung, bitte Sperrfrist beachten: 15.10.2004, 7.00 Uhr Probleme beim ARP-Museum in Rolandseck

    Baden-Baden (ots)

Hälfte der vertraglich zugesicherten ARP-Plastiken muss noch gegossen werden

    Mainz - Eine Woche vor der Grundsteinlegung des neuen ARP-Museums in Rolandseck am 23. Oktober 2004 steht die vertragliche Grundlage des 30 Millionen Euro teuren Museums-Komplexes grundsätzlich in Frage. Nach Informationen des Südwestrundfunks will der rheinland- pfälzische Kulturminister Prof. Dr. Jürgen Zöllner den vor fast 10 Jahren abgeschlossenen, bislang geheimgehaltenen "Rahmenvertrag" mit dem Verein "Stiftung Hans Arp und Sophie Taeuber- Arp e. V." grundlegend ändern.

    Nach Einschätzung des Berliner Verwaltungsexperten Prof. Dr. Ulrich Battis handelt es sich bei dem dem SWR vorliegenden "Rahmenvertrag vom 2. Juni 1995" um einen "klassisch asymetrischen Vertrag". Es gibt ein "krasses Missverhältnis" zwischen Geben und Nehmen. "Hier wäre dringend eine Prüfung durch den Rechnungshof geboten", sagte der renommierte Rechtswissenschaftler dem SWR. Der Verwaltungsexperte kritisiert zudem die finanziellen Zugeständnisse des Landes: "Man hat die Solidität und die finanzielle Stärke des privaten Vertragspartners wohl nicht hinreichend geprüft."

    Kulturminister Prof. Dr. Zöllner räumte gegenüber dem SWR ein, dass er sich "sofort nach Amtsantritt" um "eine bessere Vertragsgestaltung" gekümmert hat. "Wir haben ein Interesse daran, diesen Rahmenvertrag so weiter zu entwickeln, dass tatsächlich die Finanz- mit der Betriebsverantwortung zusammentritt."

    Der gültige Rahmenvertrag (UR . Nr. 1116 / 1995 - B) sichert dem privaten ARP-Verein den eigenständigen Betrieb des aus Steuergeldern finanzierten ARP-Museums zu. Im § 9 tritt das Land zudem sämtliche inhaltlichen Gestaltungskompetenzen an den privaten Verein ab. Zu dessen Entscheidungsbefugnis "gehören insbesondere die Einrichtung des neuen Museums, der Standard der Präsentation, die Einstellung des Personals, der Entwurf der Ausstellungsprogramme, die Ausleihung (...), der An- und Verkauf sowie der Tausch von Kunstwerken, Öffentlichkeitsarbeit, Publikationen und die Betreuung und Erhaltung der Kunstwerke."

    Das Land Rheinland-Pfalz hatte zwischen 1996 und 2003 zur Entschuldung des privaten Arp-Vereins für 10 Millionen Euro Kunst gekauft. Dies war Bestandteil der "Rahmenvereinbarung". Aus internen Schreiben des Kultusministeriums, die dem SWR vorliegen, geht hervor, dass von "den 100 versprochenen Plastiken nur 51 existieren, während die restlichen 49 erst noch auf Kosten des Vereins in Bronze gegossen werden sollten."

An die Redaktionen Landesseiten/Kultur

    Zu dem Vorgang, dass 40 Jahre nach dem Tod des Künstlers Hans Arp noch seine Plastiken im großen Stil für ein Museum nachgegossen werden sollen, sagte das Bonner Urheberrechts-Experte Dr. Gerhard Pfennig dem SWR, dass "ein Original nur entstehen kann zu Lebzeiten eines Künstlers und nicht zu Lebzeiten seiner Witwe oder seines Assistenten. Das ist unstreitig". Der Vorsitzende des privaten ARP- Vereins, der Londoner Anwalt Dieter Lange, sagte dem SWR, die Nachgüsse seien "festgelegt, autorisiert und es besteht die Genehmigung durch den Nachlass, die zu benutzen."

    Unterdessen hat Lange von seinem im "Rahmenvertrag" zugesicherten Recht der Personalhoheit Gebrauch gemacht und den Vertrag mit dem seit vier Jahren amtierenden Gründungsdirektor Prof. Dr. Raimund Stecker nicht verlängert. Stecker, dessen Engagement nun im Juni 2005 ausläuft, sagte zu seiner Kündigung gegenüber dem SWR: "Dafür bin ich viel zu stolz, um diesen Umgang in irgendeiner Weise zu kommentieren." Hintergrund des Rauswurfs sind nach SWR- Recherchen vor allem unterschiedliche Meinungen über die Auszeichnung von Nachgüssen, Vergrößerungen und Verkleinerungen. Stecker hatte wiederholt angekündigt, alle "Fälschungen" klar auszuzeichnen bzw. zerstören zu wollen.


ots Originaltext: SWR
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Das ARP-Projekt. Die Kunst, die Sammler und das Museum
Ein Film von Thomas Leif
Ausstrahlung am 16. Oktober, 18.05 Uhr als "Landesart extra" im
SÜDWEST Fernsehen für Rheinland-Pfalz und am Dienstag, 19. Oktober
2004, 23.30 Uhr im SÜDWEST Fernsehen

ots-Originaltext: SWR - Südwestrundfunk

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