SWR - Südwestrundfunk

Programmhinweise von 01. Oktober 2004 (Woche 40) bis 29. Oktober 2004 (Woche 44)

    Baden-Baden (ots) -

Freitag, 01. Oktober 2004 (Woche 40)/29.09.2004


22.00    Nachtcafé
            Gäste bei Wieland Backes
            Dicke Kinder - Essen als Problem

    Die Gäste:

    Die erfolgreiche Fernsehmoderatorin Babette Einstmann kann nicht verstehen, wie manche Kinder von ihren Müttern vollgestopft werden. Sie war selbst ein dickes Kind und weiß deshalb genau, wie schnell sich manches Pfund auf die Hüften legt. Ihre zweijährige Tochter ernährt Babette Einstmann deshalb ganz bewusst gesund: Auf den Tisch kommt viel Gemüse, Salat und Vollkornbrot. Ausreichend Sport und Bewegung ist für die ZDF-Frau selbstverständlich. "Mit diesen einfachen Regeln kann kein Kind dick werden."

    Bei 134 Kilo war für die 15-jährige Sabrina Tillmanns die Grenze überschritten: Sie fühlte sich schrecklich in ihrem übergewichtigen Körper. Die Hänseleien der Mitschüler wurden unerträglich, und sie traute sich nicht mehr auf die Straße. Sie entschloss sich, in der Berchtesgadener Adipositasklinik Insula abzunehmen. "Das war kein normales Leben mehr, das ich führte", sagt die Schülerin, die bereits 32 Kilo abgenommen hat. Von ihrem Traum ist sie dennoch weit entfernt: "Ich will einfach auf die Straße gehen können, ohne dass die Leute hinter meinem Rücken tuscheln."

    Für Prof. Dr. Martin Wabitsch sind solche Fälle Alltag. "Wir werden in der Klinik von dicken Kindern geradezu überrollt", sagt der Adipositasexperte. Er gehört der neugegründeten "Plattform für Ernährung und Bewegung" an, die sich zum Ziel gesetzt hat, das Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen zu bekämpfen. Neben Faktoren wie zu langes Fernsehen und zu viel Knabberzeug gehört Bewegungsarmut zu den Hauptgründen der Verfettung von Kindern und Jugendlichen. Doch auch die Industrie steht im Visier des Kinderarztes, er kämpft für eine Sondersteuer auf Zucker und Fett und gegen Fehlinformationen von Lebensmittelkonzernen in der Werbung.

    Gegen eine solche Anschuldigung wehrt sich der Nestlé-Manager Prof. Dr. Ferdinand Haschke vehement. Seiner Meinung nach stellen die Konzerne diese Produkte zwar her, zwingen aber niemanden, sie zu essen. Nestlé ist Mitinitiator der "Plattform für Ernährung und Bewegung". Der langjährige Leiter der Salzburger Kinderklinik sieht vielmehr in der mangelnden Bewegung den Hauptgrund für die Gewichtszunahme bei Kindern. Als fünffacher Familienvater achtet er auf gesunde Ernährung und hat allein durch regelmäßiges Joggen fünf Kilo abgenommen.

    Dem Ravensburger Thomas Rapp halfen Sport und Diäten nicht beim Abnehmen. Bereits als Kind war er dick und nahm Zeit seines Lebens zu - bis er stolze 225 Kilo auf die Waage brachte. Der Taxifahrer wurde von seiner Umwelt wie ein Aussätziger behandelt und erlebte die massive Diskriminierung von Dicken am eigenen Leib. Im Teufelskreis aus Ausgrenzung und Frust-Fressattacken war er gefangen und wusste, um zur Gesellschaft zu gehören, muss er radikal abnehmen. Eine Magenband-Operation brachte schließlich den Erfolg und ein neues Lebensgefühl.

    Der Schauspieler Gerhard Polacek kann die ganze Aufregung um das Thema nicht verstehen. Für ihn gab es immer Dicke und Dünne, und er sieht keinen Grund, das Dicksein zu pathologisieren. Der Wiener wiegt 130 Kilo und fühlt sich damit pudelwohl. Er denkt nicht daran, auch nur auf ein Gramm seines Übergewichts zu verzichten, obwohl er bereits gesundheitliche Konsequenzen zu tragen hat. Lieber spritzt er sich regelmäßig Insulin, als sich mit Hungerkuren um ein genussvolles Leben zu bringen.

    An der Bar:

    Dr. Christiane Petersen ist Frau der ersten Stunde. Als Schulärztin hat sie über Jahre die zunehmende Verfettung bei Kindern beobachtet. Entschlossen gründete sie das inzwischen bundesweit agierende Netzwerk "Moby Dick" um übergewichtigen Kindern zu einer normalen Figur zu verhelfen. Joy Hermeneit besucht eine Moby Dick-Gruppe in Hamburg und erfährt auf spielerische Art und Weise mehr über Ernährung und Bewegung. So lernt sie in der Gruppe, lästige Pfunde loszuwerden und stark zu werden "wie ein Wal".

Freitag, 01. Oktober 2004 (Woche 40)/29.09.2004


23.30    Nachtkultur
            Die Kultur-Illustrierte
            Moderation: Markus Brock

    unter anderem mit folgenden Themen:

    Mit 1,65 Meter der Größte! - Erinnerungen an Heinz Rühmann Heinz Rühmann (1902 - 1994) war ein Jahrhundertschauspieler. Mit nur 1,65 Meter musste er sich zwar oft auf ein Podest stellen, um seinen Filmpartnerinnen größenmäßig ebenbürtig zu sein, doch schauspielerisch war er fast allen überlegen.

    Der Durchbruch zum Filmstar gelingt dem Essener Gastwirtssohn 1930 mit der Hauptrolle in "Die Drei von der Tankstelle". Es folgen nahezu einhundert Filme, darunter zahlreiche Klassiker wie "Kleider machen Leute", "Die Feuerzangenbowle" und "Der brave Soldat Schwejk". Unvergessen auch seine Rollen als Quax der Bruchpilot, als Pfeiffer mit drei f, als Charley's Tante oder als Hauptmann von Köpenick.

    Anlässlich seines zehnten Todestages am 3. Oktober veröffentlicht Rühmanns dritte Ehefrau, Hertha Rühmann, ihre Erinnerungen an die gemeinsamen Jahre mit dem großen Schauspieler. "Meine Jahre mit Heinz" erscheint bei Langen/Müller.

Programmtipp Samstag, 2. Oktober 2004, 20.15 Uhr im SÜDWEST Fernsehen Heinz Rühmann - Das Leben des Jahrhundertschauspielers Moderation: Markus Brock Zu Gast: Hertha Rühmann, Michael Verhoeven, Torsten Körner, Bruni Löbel

    Nackt! - die Kulturgeschichte des letzten Tabus Für Paul Cezanne, Henri Matisse und Pablo Picasso spielte das Motiv der Nacktbadenden eine große Rolle, Alfred Stieglitz setzte Anfang des 20. Jahrhunderts seine eigene Frau hüllenlos in Szene, und die amerikanische Künstlerin Nan Goldin provozierte ein halbes Jahrhundert später nicht nur mit Bildern von Paaren beim Liebesakt.

    Der nackte Körper ist eines der ältesten und faszinierendsten Motive in der bildenden Kunst und Fotografie. Während es früher um die Darstellung der Vollkommenheit des unbekleideten Körpers ging, begann man ab dem 20. Jahrhundert immer mehr dem Klischee des schönen Aktes entgegen zu wirken.

    Das Buch "Stripped Bare" (Hatje Cantz) zeigt anhand von rund zweihundertfünfzig Abbildungen berühmter Werke von Edgar Degas bis Andy Warhol das gesamte Spektrum der Darstellungsformen von Nacktheit.

    Die Buchmesse kommt! - der algerische Schriftsteller Boualem Sansal Die "Arabische Welt" steht im Mittelpunkt der diesjährigen Frankfurter Buchmesse. Eine der zahlreichen Neuerscheinungen, die anlässlich des Themenschwerpunktes vorgestellt werden, ist Boualem Sansals neues Buch "Erzähl mir vom Paradies".

    Die literarische Karriere des ehemaligen algerischen Regierungsbeamten beginnt 1999, als er im Alter von 50 Jahren seinen ersten Roman vorlegt. "Der Schwur der Barbaren" ist ein brillanter Politkrimi, der in Frankreich gleich mehrfach ausgezeichnet wird. In seiner Heimat findet das Werk allerdings weniger Zuspruch. Doch obwohl Boualem Sansal jetzt als Nestbeschmutzer gilt, bleibt er in Algerien - ganz im Gegensatz zu vielen anderen arabischen Autoren, die heute im Exil leben.

    In seinen Büchern überzeugt Sansal mit einer unverblümten, ironischen und poetischen Sprache. Gleichzeitig wirft er einen analytischen Blick auf seine vom Bürgerkrieg gezeichnete Heimat.

    Mit "Erzähl mir vom Paradies" (Merlin Verlag) hat Boualem Sansal seinen dritten Roman vorgelegt: die "Bar des Amis" in Algier ist Treffpunkt einer fröhlichen Runde - ein Schriftsteller, ein Arzt, ein Verliebter und der Wirt, ein ehemaliger Widerstandskämpfer. Sie rauchen, sie trinken, und sie übertreffen sich mit den unglaublichsten Geschichten über Algerien. Ein Buch zwischen Wunschträumen und der illusionslosen Wirklichkeit des Alltags.

    Legendär! - der Rockgitarrist Jimi Hendrix Jimi Hendrix - einmal ganz cool mit Zigarette, dann fast schüchtern in die Kamera lächelnd und schließlich zusammen mit seiner Band, der Jimi Hendrix Experience.

    1967 beauftragte Hendrix-Manager Chas Chandler den berühmten Londoner Szenefotografen Gered Mankowitz, Jimi Hendrix und seine Band zu fotografieren. Mankowitz holte das Trio in sein Fotostudio, in die Masons Yard im Herzen des Londoner West Ends. Was dort entstand, zählt heute zu den fotografischen Ikonen der Rockgeschichte.

    Jetzt werden die Bilder der beiden ersten Fotosessions erstmals vollständig veröffentlicht. In dem knapp DIN A 3 großen Bildband "Jimi Hendrix", der Anfang Oktober bei Schwarzkopf & Schwarzkopf erscheint. Ein luxuriöses Buch im Großformat, das rund 100 Schwarz-Weiß-Fotografien des einflussreichsten Gitarristen der Rockgeschichte zeigt.

Freitag, 15. Oktober 2004 (Woche 42)/29.09.2004

    22.00 Nachtcafé Gäste bei Wieland Backes Amerika - Vorbild oder Feindbild?

    Es war früher so einfach, die USA zu lieben: Sie brachten uns die Unabhängigkeitserklärung, kaugummiwerfende GIs, Rosinenbomber, Rock 'n' Roll, Frühstück bei Tiffany, Jimi Hendrix und Leonard Bernstein ... Der Amerikaner schien immer ein bisschen optimistischer und der american way of life ein bisschen cooler, glamouröser und abenteuerlicher als der deutsche Michel. Doch der Glorienschein hat spätestens seit dem Vietnam-Krieg Flecke. Heute kriselt es zwischen der Neuen Welt und dem Alten Europa. Bushs Irak- Politik, die Haltung der Amerikaner zu Waffen und Todesstrafe werden nicht erst seit Michael Moores kritischen Anmerkungen hinterfragt. Viele unterstellen den USA angesichts der Übermacht von Hollywoodproduktionen, Pop-Kultur und amerikanischen Fast food- Ketten Kulturimperialismus. Nicht alles, was über den großen Teich schwappt und sofort kopiert wird, taugt. Immer mehr Deutsche haben die Nase voll von Amerikanismen, Aerobicfitness in Outdoorjackets, Joghurt mit Weekendfeeling und hippem Hairstyling. Und wer einerseits über den angeblich überreglementierten Sozialstaat in Deutschland klagt, gerät andererseits angesichts des amerikanischen Neoliberalismus' mit zunehmender Armut und sozialer Ausgrenzung ins Grübeln.

    Taugt Amerika noch als Vorbild? Wie oberflächlich sind die Amerikaner? Und gibt es eine neue deutsche Arroganz? Woher stammt unser Bild von den USA? Wie sieht es tatsächlich aus mit der deutsch- amerikanischen Freundschaft?

Freitag, 22. Oktober 2004 (Woche 43)/29.09.2004


22.00    Nachtcafé
            Gäste bei Wieland Backes
            Im Bann des Übersinnlichen

    Per Fernheiler Krankheiten in den Griff bekommen, der Rutengänger für die Wahl des Wohnorts, die Wahrsagerin bei Liebeskummer, schwanger werden durch Handauflegen und der passende Glücksstein gegen den Ärger im Job - das Übernatürliche hat in Deutschland Hochkonjunktur. Repräsentative Umfragen ergaben, dass etwa zwei Drittel der Bevölkerung bereits einmal übersinnliche Erfahrungen gemacht haben. Schon Konrad Adenauer dachte nicht im Traum daran, ohne Rücksprache mit seiner Wahrsagerin Madame Buchela in den Wahlkampf zu ziehen. Und auch die Polizei setzt bei Entführungsfällen gern das ein oder andere Medium ein. Trotzdem stutzt der kritisch denkende Mensch. Denn paranormale Phänomene sind bekanntermaßen öffentlichkeitsscheu. 1996 wurde ein Preis für die erste Demonstration paranormaler Fähigkeiten unter kontrollierten Bedingungen ausgesetzt - bisher konnte noch keiner die stattliche Prämie von einer Million Dollar für sich ergattern. Wie hilfreich sind Geistheiler und Co.? Und wie schädlich? Was, wenn ein Mensch in die Hände von Scharlatanen gerät? Wenn sich die Erleuchtung als schnöde Geldmacherei entpuppt? Wo endet die Neugier auf das Unerklärbare und wo beginnt die Blauäugigkeit? Woher kommt unsere Sehnsucht nach dem Übernatürlichen?

Mittwoch, 27. Oktober 2004 (Woche 44)/29.09.2004


22.30      Tatort: Bei Auftritt Mord
    Deutscher Kriminalfilm von 1996
    Erstsendung in Das Erste: 31.03.1996
    Regie: Hans Werner

Ein Unbekannter bedroht die Tänzer eines Showballets. Die Plakate für ihren Auftritt in Dresden wurden über Nacht mit dem Schriftzug "Bei Auftritt Mord" überklebt. Lewald, der Chef des Balletts, fordert Polizeischutz. Zur gleichen Zeit wird  bei einem Auftritt in einer Nachtbar ein Tänzer aus Lewalds Truppe durch einen Messerwerfer lebensgefährlich verletzt. Kommissar Ehrlicher und sein Assistent Kain übernehmen den Fall. Doch welches Motiv gibt es für die Tat und wie soll man 26 Tänzer bei einem öffentlichen Auftritt schützen? Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen  werden die Proben fortgesetzt und doch kommt es zu einem weiteren Anschlag. Während der Generalprobe wird die Drohung "Bei Auftritt Mord" wahr. Das Opfer ist die junge Tänzerin Friederike, der neue Star der Truppe. Die gerichtsmedizinische Untersuchung bestätigt den Verdacht, dass Friederike ermordet wurde. Das Gift wurde ihr unmittelbar vor Auftritt verabreicht. An den großen Unbekannten als Täter kann Kommissar Ehrlicher jetzt nicht mehr glauben, auch wenn es dafür immer wieder neue Hinweise gibt. Doch wer aus der Ballet- Truppe hat ein Motiv für  den Mord, und gibt es wirklich einen Zusammenhang zwischen den Fällen? Erst als es Kommissar  Ehrlicher gelingt, den Messerwerfer zu identifizieren, kommt Klarheit in den verwirrenden Fall. Die Drohung "Bei Auftritt Mord" und der Anschlag in der Nachtbar waren Teil einer geheimen PR-Aktion Lewalds, die lebensgefährliche Verletzung des Tänzers war dabei ein Unfall. Mit den weiteren Drohungen und dem Mord an Friederike steht diese Aktion aber nicht in Zusammenhang. Doch wer aus Lewalds Showballett hat dann den Anschlag auf Friederike ausgeführt? Und wird es ein nächstes Opfer geben? Kommissar Ehrlicher und sein Assistent Kain bleibt nicht  mehr viel Zeit, denn die Proben des Showballetts laufen auf Hochtouren

Freitag, 29. Oktober 2004 (Woche 44)/29.09.2004


22.00    Nachtcafé
            Gäste bei Wieland Backes
            Ohne dich bin ich nichts

    Das Eiskunstlaufpaar auf dem Siegertreppchen, das Paar, das sich die ewige Liebe schwört, das Erfolgsduo des Showbusiness, das jahrzehntelang die Bühnen der Welt erobert - jedes erfolgreiche Zweierteam weiß im Augenblick des größten Triumphs: "Ohne dich bin ich nichts, alleine hätte keiner von uns das geschafft, was wir erreicht haben!" Sicher die schönste Anerkennung, die man einem anderen zollen kann. Und die rührendste Liebeserklärung in einer Beziehung. "Jeder von uns beiden wird erst vollkommen durch den anderen. Ohne dich bin ich nichts," schwärmte schon der belgische Schriftsteller Charles de Coster. Doch was, wenn das Gleichgewicht kippt und die Partner sich nicht mehr als ebenbürtig erleben? Auf einmal gehen sich vermeintliche Dreamteams auf die Nerven und perfektionieren ihre Machtspielchen. Wenn Karrieren nur mit dem anderen fortgesetzt werden können, wird die Partnerschaft zur belastenden Zwangsgemeinschaft. Mit welchen Problemen kämpfen Beziehungen, in denen einer einseitig auf den anderen angewiesen ist? Was macht eine gute Partnerschaft aus? Was ist das Rezept erfolgreicher Duos? Wo endet die Anerkennung? Und wo beginnen Selbstaufgabe und krankhafte Abhängigkeit? Wann muss man sich trennen?

    Die Gäste: Alice und Ellen Kessler Seit fast fünf Jahrzehnten weiß man auf der ganzen Welt: Wo die eine ist, da kann die andere nicht weit sein. Alice und Ellen Kessler haben nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Privaten fast immer gemeinsame Sache gemacht. Dabei sind die eineiigen Zwillinge gar nicht mal so synchron, sondern ergänzen sich vor allem auch im Gespräch einfach perfekt. Was die symbiotische Beziehung der beiden Showstars, deren längste Trennung voneinander gerade mal sechs Wochen dauerte, vor allem ausmacht? "Wir sagen immer: Das Gute daran ist - man ist nie allein. Das Schlechte daran ist - man ist nie allein ..."

    Maja Langsdorff Maja Langsdorff hätte liebend gern mehr Anteil am Leben eines anderen gehabt. Jahrelang war sie die Geliebte eines Mannes, dem sie sich ganz und gar verschrieben hatte. Ohne diesen einen, dachte sie, ist sie nichts und ließ sich nach der Trennung von ihm völlig fallen. Erst nach Jahren hat sie durch das Schreiben wieder zu sich gefunden und kann heute sagen: "Ob man Geliebte wird, hat sehr viel damit zu tun, wie sehr man an sich selber glaubt. Ich brauchte jemanden, der mich durchs Leben führt."

    Rika Dorn-Mochow Auch Rika Dorn-Mochow kennt die Abhängigkeit von einem Mann beziehungsweise: von Männern. Nach zwei schwierigen Ehen, in denen die Angst vorm Alleinsein noch größer war als das Leiden an der Beziehung, geriet sie an einen ebenso faszinierenden wie gefährlichen Partner, ohne den sie sich ein Leben kaum vorstellen kann. Trotz Alkohol- und Gewaltexzessen kommt sie bis heute nicht richtig von ihm los und sagt: "Wenn er weg ist, will ich, dass er bei mir ist. Wenn er da ist, will ich, dass er weg ist."

    Helmut Kolitzus Psychische Abhängigkeiten dieser Art sind so etwas wie sein Tagesgeschäft. Der studierte Mediziner, Psychotherapeut und Buchautor Helmut Kolitzus hat in seiner Praxis ständig mit Patienten zu tun, die sich in einer scheinbar aussichtlosen Lebenslage befinden. Sein besonderes Augenmerk gilt der Co-Abhängigkeit, eine Form der psychischen Abhängigkeit, unter der Angehörige Drogensüchtiger leiden. Der Münchener Mediziner spricht hier von einem Taifun-Syndrom: "Angehörige und Freunde, die gerne helfen wollen, rotieren quasi um den uneinsichtigen Süchtigen, der sich im ruhigen Zentrum des Wirbelsturms befindet."

    Marion und Hubert Stapelfeldt Die Geschichte des Ehepaars Stapelfeldt aber zeigt, wie positiv eine Partnerschaft sein kann, in der der eine für den anderen wirklich alles tun würde, denn: Ohne sie wäre er nichts im wahrsten Sinne des Wortes. Hubert Stapelfeldt war wegen eines Tumors schon dem Tode geweiht, als sich seine Frau Marion zu einer riskanten Operation entschloss und ihm die Hälfte ihrer eigenen Leber spendete - ohne zu zögern. "Ich glaube, ich bin dazu geboren irgendwann meinem Mann das Leben zu retten. Man muss 100-prozentig zu dem anderen stehen, dann kann man so etwas machen."

    An der Bar: Christina und William Beier Christina (20) und William Beier (21) sind schon seit der Kindheit zusammengeschweißt. Aufgewachsen in Manila, nahm sie der Vater mit nach Deutschland, wo sie nach seinem frühen Tod alsbald auf sich allein gestellt waren. Durch eine Pflegefamilie entdeckten sie ihre Liebe zum Eistanz und schwebten schon als Junioren der Weltspitze entgegen. Auch wenn sie nach vielen Jahren des gegenseitigen Versorgens privat inzwischen getrennte Wege gehen, bleiben die deutschen Vizemeister in perfekter Harmonie miteinander verbunden und sagen. "Das, was wir auf dem Eis sind, wären wir niemals mit einem anderen Partner."

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