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05.03.2020 – 10:49

SWR - Südwestrundfunk

"Nachtcafé: Sehnsucht nach Gerechtigkeit"

"Nachtcafé: Sehnsucht nach Gerechtigkeit"
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Baden-Baden (ots)

Der Wunsch nach Gerechtigkeit ist tief im Menschen verankert - doch immer wieder wird man im Alltag mit Situationen konfrontiert, die das Gerechtigkeitsempfinden stören. Wenn ein Raser, der den Tod eines jungen Menschen auf dem Gewissen hat, mit einer Bewährungsstrafe davonkommt, hinterlässt dies nicht nur bei den Hinterbliebenen fassungsloses Kopfschütteln. Wer Ungerechtigkeit erfahren hat, wünscht sich Wiedergutmachung und einen Ausgleich - ob ein Rentner, der finanziell betrogen wurde oder jemand, der durch Fremdeinwirkung ein Familienmitglied verloren hat. Manchmal liegen jedoch Welten zwischen gefühlter Gerechtigkeit und gefällten Gerichtsurteilen. Darüber spricht Michael Steinbrecher mit seinen Gästen im "Nachtcafé: Sehnsucht nach Gerechtigkeit" am Freitag, 6. März, 22 Uhr, im SWR Fernsehen.

Die Gäste im "Nachtcafé":

Klaus Radner verlor beim Germanwings-Absturz Tochter, Schwiegersohn und Enkelkind Vor knapp fünf Jahren stürzte über den französischen Alpen eine Germanwings-Maschine mit 150 Insassen ab. An Bord waren auch Klaus Radners Tochter, sein Schwiegersohn und sein Enkelkind. Diese Katastrophe, die absichtlich von dem psychisch kranken Co-Piloten verursacht wurde, hätte verhindert werden können - davon ist Radner überzeugt. Er kämpft seit Jahren darum, dass die aus seiner Sicht Mitschuldigen zur Rechenschaft gezogen werden. Er stellte Strafanzeige gegen die Eltern des Piloten und dessen Ärzte: "Ich kann und will damit nicht abschließen."

Fritz Schramma verlor seinen Sohn aufgrund eines illegalen Autorennens Von Gerechtigkeit keine Spur - dies hat Fritz Schramma empfunden, als sein Sohn als unbeteiligter Fußgänger auf der Straße starb. Der junge Jurist wurde in der Innenstadt Opfer eines illegalen Autorennens. Geblieben ist dem Vater die lebenslange Trauer um seinen Sohn - die beiden Fahrer kamen jedoch mit einer milden Strafe davon: "Zwei Jahre Bewährung ist keine echte Bestrafung. Dieses Gefühl von Ungerechtigkeit hinterlässt Narben", so der ehemalige Oberbürgermeister von Köln.

Mabelle Solano wurde als 13-Jährige von einem Mitschüler vergewaltigt Was Mabelle Solano mit 13 Jahren erleben musste, ist ein Albtraum. Auf dem Heimweg vom Freibad wurde sie von einem Mitschüler in eine Garage gezerrt und vergewaltigt. Sie erstattete Anzeige, doch der Prozess verursachte bei ihr ein zweites Trauma: "Ich musste vor laufender Kamera aussagen, unterschiedlichen Personen immer wieder das Gleiche erzählen. Irgendwann bin ich im Verhör zusammengebrochen." Der 14-jährige Täter kam mit zwölf Sozialstunden davon - Mabelle Solanos weiteres Leben geriet jedoch komplett aus den Fugen.

Maximilian Pollux war Intensivtäter und saß zehn Jahre im Gefängnis Obwohl Maximilian Pollux aus einem fürsorglichen Elternhaus stammt, geriet er bereits mit zwölf Jahren auf die schiefe Bahn. Es war der frühe Anfang einer kriminellen Karriere, in der er wenig ausließ: Von räuberischer Erpressung, Gewalttaten bis hin zu Drogen- und Waffenhandel. Rache und Vergeltung standen auf der Tagesordnung: "Ich hatte kein Unrechtsempfinden." Im Alter von 21 Jahren klickten die Handschellen und Pollux saß zehn Jahre im Gefängnis. Heute ist er in der Kriminalprävention an Schulen und Jugendhäusern aktiv.

Sabrina Kreiselmaier bekommt von ihrem Ex-Mann seit Jahren keinen Kindesunterhalt Sabrina Kreiselmaier führte mit ihrem Mann und den beiden Kindern ein unbeschwertes Leben. Bis bei ihrer Tochter eine Multiorganerkrankung festgestellt wurde und ihr Mann von heute auf morgen die Familie verließ. Er setzte sich ins Ausland ab und verweigert seither den Unterhalt für die Kinder. Mittlerweile wird er per internationalem Haftbefehl gesucht. "Demnächst läuft seine Aufenthaltsgenehmigung ab. Meine Hoffnung ist, dass dann die Behörden zugreifen", so die alleinerziehende Zahnarzthelferin, die seit sieben Jahren ums Überleben kämpft.

Dr. Gabriele Michel ist Vorsitzende der Frauenrechtsorganisation "Amica" Seit mehr als 20 Jahren setzt sich Dr. Gabriele Michel für eine gerechtere Welt für Mädchen und Frauen in Konflikt- und Krisenregionen ein. In Bosnien eröffnete ihr Verein das erste Schutzzentrum für vergewaltigte und vertriebene Frauen. Inzwischen ist "Amica e.V." auch im Libanon, in Libyen und in der Ukraine tätig. Als Frauenaktivistin kämpft sie für ein härteres Vorgehen gegen sexuelle Gewalt als Kriegswaffe und für die Strafverfolgung der Täter. "Viele Frauen sind bis heute traumatisiert und stigmatisiert", so die Vorsitzende der Freiburger Frauenrechtsorganisation.

Prof. Dr. Rudolf Egg ist als Rechtspsychologe und Kriminologe tätig Wie groß der Wunsch nach Gerechtigkeit im Menschen verankert ist, weiß Prof. Dr. Rudolf Egg. Der Kriminologe, Rechtspsychologe und Gerichtsgutachter kennt die Straftäter-Seite, beschäftigt sich aber ebenso mit den Folgen für die Opfer und deren Gerechtigkeitsempfinden - denn er ist auch in der Traumatherapie des Weißen Rings tätig: "Die gefühlte Gerechtigkeit von geschädigten Personen und das gesprochene Recht liegen oft weit auseinander."

"Nachtcafé" - anspruchsvoller Talk auf Augenhöhe Das "Nachtcafé" ist seit Jahrzehnten eine der erfolgreichsten Talkshows im deutschen Fernsehen. Jeden Freitagabend begrüßt Moderator Michael Steinbrecher Menschen mit besonderen Lebensgeschichten, darunter auch Prominente und Experten, um sich gemeinsam mit ihnen mit einem Thema auseinanderzusetzen.

"Nachtcafé: Sehnsucht nach Gerechtigkeit" am Freitag, 6. März 2020, 22 Uhr im SWR Fernsehen

Weitere Informationen unter: http://swr.li/swrfernsehen-nachtcafé-gerechtigkeit

Fotos über www.ARD-Foto.de

Pressekontakt: Grit Krüger, Tel. 07221 929 22285, grit.krueger@SWR.de

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