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09.05.2003 – 11:19

SWR - Südwestrundfunk

Südwestrundfunk (SWR): Professoren fordern mehr Ökonomie in der Medizin
Prof. Arnold in SWR4 Baden-Württemberg: "ungerechtfertigte Behandlungen gegenüber der Solidargemeinschaft nicht zu vertreten "

    Baden-Baden (ots)

Der Vorsitzende des Gesundheitsrats Südwest,
Prof. Michael Arnold aus Tübingen, fordert angesichts der
angespannten Lage der Krankenkassen, dass bei der Behandlung von
Patienten neben medizinischen die wirtschaftlichen Kriterien künftig
eine stärkere Rolle spielen sollen. Ein Arzt müsse notfalls sagen,
"hier wird die Behandlung nicht mehr durchgeführt, einfach weil dies
unter Abwägung aller Umstände nicht mehr gerechtfertigt ist". Wenn
ein Patient medizinisch nicht mehr zu retten sei, dann sollte das der
Arzt auch aus Kostengründen nicht versuchen und beispielsweise die
künstliche Ernährung einstellen. Prof. Michael Arnold dazu in SWR4
Baden-Württemberg: "Das muss man dem Patienten nicht in dem Sinne
aufmachen, dass man ihm sagt, Sie sind zu teuer, sondern man muss
sagen: Diese Maßnahme, die bei Ihnen noch in Frage kommt, die hat
eine so geringe Wahrscheinlichkeit, dass sie zum Erfolg führt, und
kostet ein solches Geld, dass die gegenüber der Solidargemeinschaft
nicht zu vertreten ist. Mir ist natürlich klar, dass das sehr schwer
ist."
    
    Prof. Michael Arnold war Ende der 80er Jahre Vorsitzender des
Sachverständigenrates für die Reform des Gesundheitswesens. Er hatte
früher an der Universität Tübingen den Lehrstuhl am Institut für
Gesundheitssystemforschung inne und ist jetzt Vorsitzender des
Gesundheitsrates. Das unabhängige Gremium berät die
baden-württembergische Landesärztekammer in aktuellen Fragen des
Gesundheitssystems.
    
    Prof. Urban Wiesing, Mediziner und Philosoph am Institut für Ethik
in der Medizin der Tübinger Universität, sagt, dass Prioritäten
erarbeitet werden müssen. Nach diesen solle dann künftig Geld für
Behandlungen ausgegeben werden. Ein solches Verfahren könne die
Älteren besonders treffen. Prof. Wiesing in SWR4 Baden-Württemberg:
"Bei dieser Frage kann eine Antwort herauskommen, wir geben das Geld,
eher zu jemandem, der damit noch viele, viele Lebensjahre gewinnt,
als zu jemandem, wo wir aufgrund des biologischen Alter davon
ausgehen können, dass er nur wenig Nutzen von dieser Maßnahme hat."
    
    
ots Originaltext: SWR
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Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Ruth Broda,
Tel. 0711/929-2611.

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