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21.10.2002 – 09:22

SWR - Südwestrundfunk

Karl-Sczuka-Preis 2002 vergeben

    Donaueschingen/Baden-Baden (ots)

    Stefano Giannotti nimmt Preis in Donaueschingen entgegen / Andreas Bick erhält Förderpreis / Designierte Kulturstaatsministerin Christina Weiss hält Laudatio / Text seit Sa, 13.00 Uhr online          Den vom Südwestrundfunk gestifteten und mit 12.500 Euro dotierten Karl-Sczuka-Preis für Hörspiel als Radiokunst hat Stefano Giannotti am Samstag, 19.10.02, in Donaueschingen entgegen genommen. Ausgezeichnet wurde der 1963 geborene Komponist für seine Autorenproduktion "Il tempo cambia / Time Changes", 32 Hörminiaturen nach dem chinesischen Buch der Wandlungen, dem "I Ging". Überreicht wurde der Preis durch SWR-Hörfunkdirektor Bernhard Hermann im Rahmen einer öffentlichen Preisverleihung während der Donaueschinger Musiktage. Die Laudatio hielt die designierte Staatsministerin für Kultur und Medien, Christina Weiss. Weiss ist Mitglied der Jury des Karl-Sczuka-Preises seit 1994. Den Karl-Sczuka-Förderpreis in Höhe von 5.000 Euro nahm der 1964 in Marl geborene Klangkünstler und Filmkomponist Andreas Bick für seine Produktion "Windscapes" entgegen, die für Deutschlandradio Berlin entstand und am 7. Dezember 2001 urgesendet wurde.          In ihrer Laudatio bei der Preisverleihung bezeichnete Christina Weiss die Arbeit in der Jury des Karl-Sczuka-Preises als "immer wieder konzentrierte Suche nach Hörereignissen, die neue Klänge entdecken und ein stringentes Verfahren im Umgang mit dem eigenen Medium realisieren." Bei der Sondierung der eingesandten Arbeiten - 72 Einreichungen von 94 Bewerbern aus 20 Ländern - habe man "einen spürbar gewachsenen Anteil junger Künstlerinnen und Künstler" verzeichet. Dabei, so Weiss weiter, habe sich allerdings auch gezeigt, dass "die technischen und technologischen Möglichkeiten, die immer raffinierter werden, [...] leicht zur schönen Oberfläche [verführen ]und [...]künstlerische Konsequenz der Materialerforschung verloren gehen [lassen]." So gebe es "immer wieder eine erschreckende Naivität und Schludrigkeit im Umgang mit der Sprache als künstlerischem Medium", und es sei "kaum etwas zu spüren von der ausgefeilten Sprachobsession, mit der zum Beispiel Friederike Mayröcker, die im letzten Jahr unsere Preisträgerin war, poetische Sprachklanglandschaften erschafft". Dennoch, so Weiss, "scheint die Radiokunst auch heute noch reizvoll zu sein, sogar wieder reizvoller zu werden." Dieser Trend manifestiere sich auch in der Auswahl der diesjährigen Preisträger. Das Preiswerk von Stefano Giannotti bezeichnete Weiss als "Szenen eines heiter absurden Ohrentheaters, das aus der Spannung zwischen menschlichen Tönen, elektronischen und instrumentalen Klängen eine Art 'magischen Realismus' beschwört, dessen Reiz aber gesteigert wird durch die Freude am witzigen Einfall." Mit seiner spielerischen Lust, "einem Konstruktionsprinzip zu folgen und das Material zur poetischen Offenheit auszureizen" rühre Giannotti "an die Grenzen menschlicher Labyrinthe und Abgründe, ohne die Freude an seiner Grenzgängerei zu verlieren."          Das Förderpreiswerk von Andreas Bick, "Windscapes", charakterisierte Weiss in ihrer Laudatio als "konsequente[...] musikalische[...] Forschungsarbeit", die allerdings in Teilen auch eine "gewisse akustische wie konzeptionelle Überfrachtung" aufweise. Abschließend bezeichnete Weiss Preis- und Förderpreiswerk des Karl-Sczuka-Preises 2002 als Werke, die als "neue[...] und junge[...] Varianten der Radiokunst [, die] anregend genug sind, um der Zukunft mit - wie Franz Mon es nennt - 'gelenkigem Ohr' zu begegnen."          In seiner Preisverleihungsrede betonte SWR-Hörfunkdirektor Bernhard Hermann, dass es ein Glücksfall sei, dass die künftige Kulturstaatsministerin Donaueschingen als regelmäßiger Gast bereits bestens kenne und so neben den übrigen Künsten in Zukunft auch nicht ganz so Eingängiges wie Neue Musik und akustische Kunst Gehör fänden: "Ganz besonders freue ich mich, dass Sie Kultur nicht als ein aperçu betrachten, sondern als ein Lebensmittel, als etwas, das in der Lebensmitte der Menschen seinen Platz hat und nicht am Lebensrand."

    Bezogen auf den diesjährigen Karl-Sczuka-Preis stellte Hermann heraus, dass es von der Lebendigkeit des Preises zeuge, "dass die lange Reihe früherer Preisträger, die inzwischen zu den Klassikern der Radiokunst zählen, die nachwachsenden Generationen nicht entmutigt, sondern - im Gegenteil - angespornt hat." Die hohe Zahl von Autorenproduktionen und Einreichungen junger Künstler in diesem Jahr sei "auch ein Zeichen dafür, wie wichtig Preise und Wettbewerbe wie dieser sind, um den Nachwuchs zu fördern und die Kunst eben nicht der Kommerzialisierung Preis zu geben." Für eine solche nichtkommerzielle Kunst seien nach wie vor die Kulturprogramme im Radio wie etwa SWR2 absolut notwendige Foren, weil sie "nicht vordringlich auf Reichweiten schiel[en]" müssten.

    Dennoch, so Hermann weiter, sei es wichtig, sich zu vergewissern, "warum wir uns kulturell so engagieren wie wir es tun", denn nach wie vor seien die Kulturprogramme unter den heutigen Arbeitsbedingungen im Kreis der reichweitenstarken Formatprogramme nicht unbedingt die beliebtesten: "Sie kosten viel Geld, haben keine Massenwirkung und die Inhalte lassen sich nicht nebenbei konsumieren, sondern sie fordern Aufmerksamkeit und Konzentration." Gerade deshalb, so Hermann weiter, dürfe man nicht aus dem Blick verlieren, dass die Frage nach der Daseinsberechtigung teurer Kulturprogramme jenseits des im Staatsvertrag festgeschriebenen kulturellen Auftrags "auf derselben Ebene liege wie die nach der Existenzberechtigung der Stuttgarter Oper oder des Mainzer Staatstheaters." Hermann betonte: "Wir sind gewollt, wir sind politisch gewollt, wir sind gesellschaftlich gewollt. Und wir lösen gerne die damit an uns gestellten Ansprüche auch ein. [...] Auch wir werden uns weiter ändern müssen, aber wir werden nicht das zur Diskussion stellen, was den SWR gerade auch als öffentlich-rechtlichen Rundfunk ausmacht: Sein kulturelles Profil und sein kulturelles Engagement. Beides halten wir hoch, gerade auch, wenn wir uns in jenen kulturellen Bereichen engagieren, die nicht massenattraktiv sind, wie beispielsweise die zeitgenössische Musik. Unsere Tradition nämlich verpflichtet uns nicht nur auf Traditionelles, auf die ständige Neuinterpretation der großen Werke der Musikgeschichte etwa. Das auch, aber ebenso sehr sehe ich unsere Aufgabe als öffentlich-rechtlicher Rundfunk darin, mit dazu beizutragen, dass das Neue und das Schwierige möglich bleibt."          Der seit 1955 vom Südwestfunk Baden-Baden verliehene, aber erst seit 1967 konsequent jährlich vergebene Karl-Sczuka-Preis, benannt nach de m Hauskomponisten der SWF-Gründerjahre, wurde zunächst für Hörspielmusik vergeben. Er wird seit 1972 öffentlich ausgeschrieben und im Rahmen der Donaueschinger Musiktage verliehen für die "beste Produktion eines Hörwerks, das in akustischen Spielformen musikalische Materialien und Strukturen benutzt". Mit 72 gültigen Einreichungen von 94 Bewerbern aus 20 Ländern fand der Wettbewerb in diesem Jahr unter Radiokünstlern weltweit große Resonanz. Die Gesamtzahl der Einreichungen kam damit auf den zweithöchsten Stand seit Stiftung des Preises. Eine Rekordmarke erreichte die Zahl freien Autorenproduktionen mit 32 Einreichungen.

    Weitere Informationen zum Karl-Sczuka-Preis und Biografien der Preisträger sowie die Sendetermine der Preiswerke in SWR2 finden Sie im Internet unter www.swr2.de/sczuka

    Dort finden Sie auch die vollständigen Texte der Laudatio von
Christina Weiss und der Verleihungsrede von SWR-Hörfunkdirektor
Bernhard Hermann sowie die Begründung der Jury, der neben Christina
Weiss Klaus Ramm als Juryvorsitzender angehörte, sowie Heinrich
Vormweg, Monika Lichtenfeld und Johann-Georg Schaarschmidt.
    
    
ots Originaltext: SWR
Im Internet recherchierbar: http://www.presseportal.de

Bei Rückfragen sowie für die Anforderung von Rezensions-CDs der
Preiswerke und Bildmaterial wenden Sie sich bitte an Georg Brandl,
Tel.: 07221/929-3854, georg.brandl@swr.de

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