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06.08.2002 – 10:46

SWR - Südwestrundfunk

Das Erste : Presseinformation zu REPORT Mainz, Montag, 5. August 2002 im Ersten
REPORT MAINZ: Verbandsärzte distanzieren sich vom Prominenten-Arzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt

    Mainz (ots)

    Müller-Wohlfahrt pflege: "Ein Gurutum, das sich mit Vorstellungen
renommierter Sportmediziner nicht verträgt"
    
Der Mannschaftsarzt der deutschen Fußballnationalmannschaft, Dr.
Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, vertreibt über die Firma formula
Müller-Wohlfahrt AG unter anderem sogenannte
Nahrungsergänzungsmittel. Hierfür wird er von einer Reihe
hochrangiger Ärzte kritisiert. So erklärte beispielsweise der
Orthopäde Dr. Karlheinz Graff, ehemaliger leitender Verbandsarzt der
Leichtathletik, gegenüber REPORT Mainz:  "Ich glaube, dass wir uns
davor hüten sollten, dass so etwas in der Medizin einreißt. Es sind
Gott sei Dank wenige, die sich für so etwas hergeben. Ich glaube,
dass wir einfach die Glaubwürdigkeit verlieren und zu Geschäftsleuten
werden." Der Präsident der Gesellschaft für
Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS), Dr. Martin
Engelhardt, befürchtet sogar, "dass der seriösen Sportmedizin damit
Schaden zugefügt wird". Auch die Vereinigung der Verbandsärzte
Deutschlands, ein Zusammenschluss der Nationalmannschaft- und
Olympia-Ärzte, übt deutliche Kritik: "Wir müssen uns und tun das auch
als Verband der Verbandsärzte Deutschland e.V. hiervon distanzieren",
erklärt der Chef des Vereins Dr. Hubert Hörterer.
    
    Auslöser der heftigen Kritik sind vor allem die von der Firma
formula Müller-Wohlfahrt AG auf den Markt gebrachten Mittel oxano und
pro collagen. Sie sollen nach Angaben der Firma für die Regeneration
des Bindegewebes (pro collagen), für mehr Fitness und
Durchhaltevermögen sorgen, natürliche Abwehrkräfte unterstützen,
Alterungsprozesse verzögern und bei der Stressbewältigung (oxano)
helfen.
      
    Experten bezweifeln allerdings solche Wirkungen: "Aus der
Tatsache, dass ich die Nahrungsergänzungsmittel generell in den
allermeisten Fällen für überflüssig halte, geht hervor, dass ich
ihnen auch nicht solche Heilwirkungen zuspreche", meint Prof. Klaus
Müller, Chef des Institutes für Doping-Analytik im sächsischen
Kreischa. Skeptisch ist auch Prof. Hans-Hermann Dickhuth, Präsident
der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP):
"Ich glaube, dass der Wirkungsnachweis dieser Substanzen, so wie sie
eingesetzt werden sollen, nicht bisher besteht."
    
    Fortsetzung: REPORT MAINZ: Verbandsärzte distanzieren sich vom
Prominenten-Arzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt

    Von REPORT Mainz zur Wirksamkeit der Präperate befragt, lautet die
Antwort der Firma lediglich: "Die Zusammensetzung von oxano steht im
Einklang mit dem wissenschaftlichen Erkenntnisstand zu
Antioxidantien...". Und zu pro collagen heißt es: "Es ist Stand der
Wissenschaft, dass die in pro collagen enthaltenen Inhaltsstoffe am
Bindegewebsstoffwechsel beteiligt sind."
    
    Deutschlandweit wirbt die Firma des Bayern-Doc für die
umstrittenen Pillen mit Büchern, Plakaten und Werbespots: "Das ist
das, was uns als Ärztekammer, was mich persönlich, auch verärgert,
dass Menschen, die hier auf diese Werbung reinfallen, über einen
bekannten Arzt, der seinen ärztlichen Beruf ja auch ernst nimmt, in
der Art und Weise hinters Licht geführt werden", sagt der
Hauptgeschäftsführer der Bayerischen Landesärztekammer, Dr. Horst
Frenzel. Er bedauert gegen Dr. Müller-Wohlfahrt nicht unter
standesrechtlichen Aspekten vorgehen zu können: "Der Trick, der hier
gemacht wird, ist schlicht und einfach: Es handelt sich um eine
Firma. Genau dies ist unser Problem. Weil es sich nicht um den Arzt
handelt, sondern um die Firma formula Müller-Wohlfahrt, haben wir als
Ärztekammer keine Möglichkeit, die Vereinbarkeit dieser Aussagen mit
berufsrechtlichen Vorgaben, die für den Arzt gelten, zu überprüfen."
    
    Auch renommierte Sportmediziner kritisieren die Geschäftspraktiken
der Firma des Bayern-Doc: "Ich denke, dass das Geschäftsgebaren
sicherlich mit dem rein ärztlichen Berufsethos wenig zu tun hat. Hier
geht es sicherlich rein um das Geschäft", meint der Präsident der
Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologischer Sportmedizin, Dr.
Martin Engelhardt. Dr. Hubert Hörterer, der Vorsitzende der
Verbandsärzte Deutschlands e.V. sieht das ähnlich: "Ich denke schon,
dass hier ein gewisses Pflegen eines Gurutums vorhanden ist, das sich
mit den derzeitigen Vorstellungen der renommierten Kollegen in der
Sportmedizin nicht verträgt."
    
    
    
    
    
ots Originaltext: SWR
Im Internet recherchierbar: http://www.presseportal.de

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Report Mainz,
Tel.: 06131/929-3351.

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