SWR - Südwestrundfunk

Erstes Deutsches Fernsehen
Blütenweiße Westen und lückenlose Karrieren

    Baden-Baden (ots) - Sie waren maßgeblich involviert in die
Maschinerie des NS-Terrorstaates: Juristen, Ärzte, Journalisten,
Offiziere und Unternehmer - die deutschen Führungseliten, ohne deren
Expertenschaft und Unterstützung das NS-Regime nicht hätte
funktionieren können. Wie entwickelten sich diese Karrieren nach dem
Ende des Dritten Reiches? Kann von einer Aufarbeitung ihrer
Beteiligung und einem "wirklichen" Neuanfang ausgegangen werden?
    
    Die fünfteilige SWR-Dokumentationsreihe "Hitlers Eliten nach 1945"
setzt sich am 15. und 22. Juli, montags, jeweils um 21.45 Uhr, sowie
am 31. Juli, 7. und 14. August, mittwochs, jeweils um 23.30 Uhr, im
Ersten mit diesen Fragen kritisch auseinander.
    
    Die Reihe beginnt mit dem Beitrag "Journalisten - Diener der
Macht". Gemessen am eigenen Berufsethos und dem Selbstverständnis
objektiver Berichterstattung würde man gerade von der Berufsgruppe
der Journalisten eine selbstkritische Aufarbeitung ihrer jüngsten
Vergangenheit erwarten. Aber das ist nicht der Fall. Im Spannungsfeld
zwischen Dritten Reich und junger Bundesrepublik gehen auch die
Journalisten den Weg des geringsten Widerstandes. Niemand hat
gefragt: Welche Rolle spielten in den Tagen der
NS-Propagandamaschinerie Henri Nannen, der Gründer des "stern",
Giselher Wirsing, Chefredakteur der auflagenstarken Wochenzeitung
"Christ und Welt" oder Horst Mahnke, Ressortleiter beim "Spiegel"?
Insofern gibt es zwischen den Journalisten, den Juristen, Medizinern
und Unternehmern eine Gemeinsamkeit: Sie haben die Chancen des
Neuanfangs ausnahmslos genutzt und sind dabei meist einer
Konfrontation mit ihrer Vergangenheit ausgewichen. Durch
Verschweigen, Verdrängen und eine geschickte Standespolitik konnten
sie in der jungen Bundesrepublik wieder Karriere machen. Moralische
Kategorien, wie Schuld und Verantwortung, blieben nach der "Stunde
Null" meist außen vor.
    
    Reflektiert wird ein Bild der jungen Bundesrepublik, deren
Geschicke maßgeblich durch die alten NS-Eliten geprägt waren. Dabei
richtet die SWR-Dokumentationsreihe den Blick auf den Wiedereinstieg
der NS-Eliten nach der bedingungslosen Kapitulation und beleuchtet
deren gesellschaftliche Position im politischen Geflecht der
Nachkriegsära der Bundesrepublik. Der Fokus liegt nicht nur auf ein
paar hochrangigen Helfer Hitlers, sondern nimmt eine größere Zahl
deutscher Eliten in Augenschein. Männer, die das Ziel vor Augen
hatten, als Teil der Funktionselite an den Hebeln der Macht zu
bleiben.
    
    In aufwändigen Archivrecherchen, zahlreichen Zeitzeugeninterviews
und mit historischen Bildmaterialien haben die Autoren Wilhelm Reschl
und Kurt Schneider (Journalisten), Alexander Stenzel (Unternehmer),
Gerolf Karwath (Ärzte), Holger Hillesheim (Offiziere) und Gabriele
Trost (Kalter Krieg mit Nazi-Akten) zeithistorische Porträts
zusammengetragen, um mit den Mitteln des Dokumentarischen den Mythos
der "sauberen Eliten" zu widerlegen.
    
    Die SWR-Dokumentationsreihe wird von Dr. Thomas Fischer, Leiter
der Redaktion "Bildung und Zeitgeschehen" im SWR verantwortet, der
auch die 52-teilige ARD-Geschichtsreihe "100 Deutsche Jahre" über
die Deutschen im 20. Jahrhundert und die zeitgeschichtliche Reihe
"Vier Kriegsherren gegen Hitler" entwickelte. Wissenschaftlicher
Berater der Sendereihe war Norbert Frei, Professor für Neuere und
Neueste Geschichte an der Ruhr-Universität Bochum. Frei hat
zahlreiche Veröffentlichungen zur deutschen Geschichte im 20.
Jahrhundert vorgelegt.
    
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