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REPORT MAINZ: Bundesregierung drängt auf grundlegende Änderung der Fischereipolitik
Ministerin Künast bezeichnet deutsche Pläne als "revolutionär"

    Baden-Baden (ots) - Nach Informationen des ARD-Politikmagazins
REPORT MAINZ will sich die Bundesregierung auf der nächsten Sitzung
des EU-Fischereirates am 8. April in Brüssel für eine neue
Fischereipolitik einsetzen. Ziel sei, der extremen Überfischung unter
anderem in der Nord- und Ostsee wirksam entgegenzutreten.
    
    Renate Künast, zuständige Ministerin für Verbraucherschutz,
Ernährung und Landwirtschaft, erklärte REPORT MAINZ gegenüber: "Jetzt
ist das Meer etwas, wo jeder wie ein Pirat sich bewegen kann, wie er
möchte, dem er etwas entnimmt, ohne sich um die Folgezeit zu kümmern.
Wir müssen uns davon nicht nur verabschieden, sondern wir müssen ein
ganz neues System haben, ein neues System, das sagt: Das Meer ist ein
Schatzkästlein, und da muss man sich genau überlegen: Wieviel
Eingriff darf da gemacht werden. Wir brauchen Gebiete, in denen die
Tiere laichen können. Wir müssen respektieren, dass um eine bestimmte
Anzahl zu erhalten, die Tiere immer wieder laichen können müssen. Wir
müssen akzeptieren, dass von jeder Art ein Minimumbestand -
wissenschaftlich belegt - existieren muss, weil sonst der Kreislauf
auseinandergezogen wird. Das hört sich so einfach und natürlich an,
es wäre aber revolutionär in der Fischereipolitik."
    
    Die Bundesregierung werde im EU-Fischereirat die Einrichtung von
Schutzzonen und Schonzeiten fordern, um die Reproduktion der
Fischbestände zu erleichtern. In einem aktuellen Grundsatzpapier des
Ministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft, das
REPORT MAINZ vorliegt, heißt es wörtlich: "Generell muss die
‚flächendeckende' Fischerei aufgegeben werden zugunsten einer
sinnvollen räumlichen und zeitlichen Aufteilung in Nutzungs- und
Schutzräume."
    
    Die Ministerin will dem Positionspapier zufolge auch ein "Verbot
oder kurzfristig zumindest (eine) Einschränkung der
Industriefischerei". Industriefische nennt man Arten wie Sandaal,
Sprotte oder Stintdorsch, die zu Tierfutter verarbeitet werden.
    
    Das Ministerium fordert überdies eine "EU-weite Reduzierung des
Fischereiaufwandes durch dauerhaften Kapazitätsabbau der EU-Flotten".
Konkret wird im REPORT-Interview Gerd Hubold, Berater des
Ministeriums und Leiter des Instituts für Seefischerei an der
Bundesforschungsanstalt für Fischerei in Hamburg. Er empfiehlt die
Fangkraft der EU um "40 bis vielleicht sogar 50 Prozent" zu
reduzieren.  "Die übrigbleibenden Fischereien könnten", so Hubold
"sehr profitabel und dann auch sehr nachhaltig wirtschaften. "
    
    Das Ministerium stellt sich auf harte Auseinandersetzungen im
EU-Fischereirat ein. Nach Informationen von REPORT MAINZ wird
besonders aus Frankreich und Spanien erbitterter Widerstand gegen den
deutschen Vorstoß in der Fischereipolitik erwartet.
    
    
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