SWR - Südwestrundfunk

REPORT Mainz, Montag, 26.11.2001, 21.00 Uhr im ERSTEN

    Baden-Baden (ots) -     REPORT MAINZ: "Um das Pentagon tut es mir nicht leid!"     Exklusiv-Interview mit Gaddafis Sohn Saif al Islam al Gaddafi          In einem Exklusiv-Interview mit dem ARD-Magazin REPORT Mainz in Tripolis, Libyen, hat der Sohn und potentielle Nachfolger des sogenannten Revolutionsführers Muhammar al Gaddafi, Saif al Islam Gaddafi zu den Attentaten von New York, den Topterroristen Bin Laden, dessen Organisation Al Kaida, die Befreiung der "Shelter-Now-"Geiseln und über das "La Belle"-Urteil sowie die deutsch-libyschen Wirtschaftsbeziehung Stellung bezogen.          Saif al Islam Gaddafi, der als politisch gemäßigt gilt, fordert den Westen auf, "die alten Akten zu schließen" und Libyen nicht mehr als Schurkenstaat zu verurteilen. Die libyschen Terrorakte der 80er und 90er Jahre sollten der Vergangenheit angehören. Darüber hinaus weist der Gaddafi-Sohn eine politische Verantwortung für Attentate und terroristische Aktivitäten durch den libyschen Staat nach wie vor zurück.            "Es ist zu Ende, zu Ende, es ist ein für alle Mal zu Ende", so Saif al Islam über das bisherige weltpolitische Ansehen seines Landes. "Es war ein Teil des Kalten Krieges, nun soll ein neues Kapitel aufgeschlagen werden, wir wollen eine neue Beziehung, zu Amerika, zu Deutschland und zum Westen." Vor allem zeigt sich Saif an einer Intensivierung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Libyen interessiert und meint: ""Wir wollen deutsche Investoren nach Libyen holen, wir wollen Know-How und Technologie aus Deutschland nach Libyen importieren (...). Daher bin ich besorgt, wenn ich Sachen höre wie "La Belle" und ähnliches, weil es der Beziehung der beiden Staaten einfach im Wege steht." Bereits heute ist Libyen, trotz aller politischer Probleme, der größte außereuropäische Erdöllieferant.          Auch aus diesem wirtschaftspolitischen Interesse heraus, so vermuten Experten, versucht Libyen seit rund zwei Jahren der Weltgemeinschaft ein neues Image von sich selbst zu vermitteln. So betont Gaddafi-Junior REPORT Mainz gegenüber die positive Rolle Libyens und seiner eigenen "Gaddafi Charity Organisation" bei der Lösung von internationalen Entführungsfällen, etwa bei der Befreiung der Geiseln von Jolo und vor rund zehn Tagen der "Shelter Now"-Mitarbeiter in Afghanistan.          "Bezüglich der Befreiung der Geiseln hatten wir natürlich Gespräche mit den Taliban, und erzielten dann eine eindeutige Vereinbarung, dass sie nach dem Gerichtsurteil freigelassen werden sollten. Danach kontaktierten uns die Taliban und teilten uns mit, dass wegen der Bombardierungen und der Kriegswirren die Geiseln früher freigelassen werden."

    Das Auswärtige Amt in Berlin kann eine Beteiligung Libyens bei der
Freilassung der "Shelter Now" - Gefangenen nicht bestätigen, wie
REPORT Mainz auf Anfrage erfuhr.
        
    Dem von Saif al Islam propagierten neuen Image seines Landes, das
nach wie vor von seinem Vater als eine Ein-Mann-Diktatur geführt
wird, stehen allerdings Aussagen des Gaddafi-Sohns zu den Anschlägen
von New York entgegen, die dieser REPORT Mainz gegenüber gemacht hat.
So sagt er über Bin Ladens Al Kaida:
    
    "Ich bin der Überzeugung, dass niemand in der arabischen Welt
gegen die angekündigten Ziele von Al Kaida ist, dass sie nämlich
Israel bekämpfen wollen, dass sie Palästina befreien und dass sie
gegen die amerikanischen Stützpunkte in Saudi Arabien vorgehen
wollen. Bin Laden vermochte es, seine Ziele und Angriffspunkte mit
den Zielen und Angriffspunkten der arabischen Welt vollständig in
Übereinstimung zu bringen - die Ziele sind eins."
    
    Obwohl sich sein Vater, Staatschaf Gaddafi, von den Anschlägen in
den Vereinigten Staaten öffentlich distanziert hat, bekennt der Sohn
heute: "Ich würde nicht sagen, dass ich glücklich darüber war, als
ich die Türme in New York zusammenstürzen sah - nein, dass ich
glücklich darüber war, möchte ich nicht sagen. Wenn Sie allerdings
vom Pentagon sprechen: darum tut es mir nicht leid. Niemandem hier
hat es um das Pentagon leid getan."
    
    
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