SWR - Südwestrundfunk

Südwestrundfunk (SWR): Programmhinweise Woche 48

    Baden-Baden (ots) -

    Sonntag, 25. November 2001  (Woche 48)/22.11.2001
    
    22.35    Wortwechsel (47/49)
        
                 Fritz Frey im Gespräch mit Tomi Ungerer (Karikaturist,
Grafiker)
    
    Der "Meister der sarkastischen Pointen" und "Pendler zwischen
heiler und geiler Welt" wird 70. Tomi Ungerer zählt zu den
renommiertesten und umstrittensten Zeichnern der Gegenwart. Als
Pornograf verteufelt, als Zyniker beschimpft und als genialer
Künstler bewundert. Die Zeichner-Legende mit dem mal lasziven, mal
lieblichen Strich ist produktiver denn je, sowohl als Botschafter des
Europarats für Kindheit und Erziehung als auch als Künstler. "In mir
lebt ein kleiner Teufel, vielleicht mehr als einer", lautet sein
Selbstbekenntnis - und dies auch noch mit 70 Jahren.
    Tomi Ungerer wurde am 28. November 1931 in Straßburg geboren. Der
Direktor des Gymnasiums verweigert ihm das Abgangszeugnis, weil er
"subversiv und pervers" sei. Er reist zunächst durch ganz Europa und
verbringt dann ein Jahr in Algerien bei den französichen
Kamelreitertruppen. 1956 schifft sich Ungerer nach Amerika ein und
macht eine steile Karriere als Zeichner, Maler, Autor und
Werbegrafiker. Heute lebt Ungerer mit seiner Familie im Südwesten
Irlands und in Straßburg.
        
    Dienstag, 27. November 2001  (Woche 48)/22.11.2001
    
    14.00    Yo!Yo!Kids
                 Moderation: Mirko Klos
    
    Tanzen und Rappen, Lieder selber machen - "Yo!Yo!Kids" erklärt
heute, wie es geht. Selber rappen, singen und tanzen lernen, das
zeigt die Musik- und Showproduktion Gestiko. Ihre Leiterin ist die
Tänzerin Bettina Ott, sie bringt zehn Kinder aus Kirchhain mit ins
Studio nach Baden-Baden. Gestiko ist aber auch eine Anleitung für
Pädagogen und Lehrer in Schulen, selber mit Kindern Rap und Tänze,
aber auch Texte und Lieder zu entwickeln. Die Kinder dürfen bei den
Lied-Themen selber entscheiden. Die Studiogäste sind schon häufiger
aufgetreten, hauptsächlich im Raum Hessen und Köln und haben auch
schon eine CD aufgenommen. Bei der Verlosung gibt es in der Sendung
ein richtiges Zauber-Wochenende in einer Jugendherberge in Herrenwies
zu gewinnen. Außerdem werden Ausschnitte aus dem neuen
Harry-Potter-Film gezeigt.

    Mittwoch, 28. November 2001  (Woche 48)/22.11.2001
    
    14.00    Yo!Yo!Kids
                 Moderation: Mirko Klos
    
    Wie lernt man richtige Kunststücke, oder ist doch alles echt?
Nicht nur David Copperfield kann zaubern, auch er hat mal klein
angefangen. Genauso wie Claus Heintzeler, er ist Nachwuchszauberer,
15 Jahre und kommt aus Stuttgart. Claus zaubert erst seit drei
Jahren, hat aber schon einige Preis gewonnen, unter anderem in
Luxemburg beim Jugendwettbewerb. Er erklärt Moderator Mirko Klos wie
man zaubert, welche Voraussetzungen man dafür braucht und wie viel
man üben muss. Er ist Mitglied beim Magischen Zirkel, der Vereinigung
der Zauberer in Deutschland. Deshalb darf er keinen Trick verraten,
er kann aber erklären, was beim Zaubern wichtig ist. Bei einer
Verlosung gibt es dann heißbegehrte Fan-Artikel von Harry Potter zu
gewinnen. Außerdem gratuliert "Yo!Yo!Kids" Tomi Ungerer zu seinem 70.
Geburtstag und sendet Ausschnitte aus dem Zeichentrickfilm "Die blaue
Wolke", der nach dem gleichnamigen Buch von Ungerer entstanden ist.
Der Film erzählt von einer blauen Wolke, die mit viel Anstrengung und
Mühen, einen Krieg beendet und sich für Toleranz und Miteinander
einsetzt.
    
    
    Mittwoch, 28. November 2001  (Woche 48)/22.11.2001
    
    21.45    Auschwitz und kein Ende (1/4)
        
                 Nachkriegszeit: Die schwarze Milch der Frühe
    
    Seit 1945 haben sich Künstler, Literaten, Filmemacher immer wieder
darum bemüht, dem Thema Auschwitz in ihren Ausdruckssprachen gerecht
zu werden - entsprechend dem Zeitgeist oder gegen ihn. Häufiger in
der Bundesrepublik, weniger in der DDR, die sich von vorneherein den
Antifaschismus auf die Fahnen geschrieben hatte und ihre Künstler
eher dem Aufbau als der Rückschau verpflichtete. Die Geschichte
dieser Darstellungsweisen oder künstlerischen Bewältigungsstrategien
ist auch eine Geschichte wechselnder Skrupel und Tabus im Umgang mit
dem Thema. Die vierteilige Dokumentation erhebt nicht den Anspruch,
eine vollständige Chronik der kulturellen Bewältigung abzubilden. Sie
zeigt einzelne Stationen einer Auseinandersetzung, um Filme,
Theaterstücke, Bücher, Ausstellungen, um Formen des Erinnerns, um
deutsche Schuld und Verantwortung. In ihrer zeitlichen Abfolge
zeichnen diese Stationen den Prozess einer öffentlichen
Bewusstseinsbildung in Deutschland nach, der bis heute nicht
abgeschlossen ist - "Auschwitz und kein Ende" hat Martin Walser eine
Rede genannt, die er bereits 1979 hielt. Darin heißt es: "Ich möchte
lieber wegschauen von diesen Bildern. Ich muss mich zwingen
hinzuschauen. Und ich weiß, wie ich mich zwingen muss. Wenn ich mich
eine Zeitlang nicht gezwungen habe hinzuschauen, merke ich, wie ich
verwildere. Und wenn ich mich zwinge hinzuschauen, merke ich, dass
ich es um meiner Zurechnungsfähigkeit tue."
    
    Teil 1: Die erste Beschäftigung der Deutschen mit der eigenen
Vergangenheit findet unfreiwillig statt, sie gehört zum
Umerziehungsprogramm der Sieger. Diese führen dem Volk der Täter das
Grauen vor Augen: Sie zeigen in den Kinos schockierende Bilder von
Leichenbergen. In der Literatur und auf der Bühne wirkt der Krieg
unmittelbar nach: Die Deutschen sehen sich nicht so sehr als Täter,
sondern als Opfer. Die Figur des durch den Krieg traumatisierten
Heimkehrers Beckmann aus Wolfgang Borcherts Drama "Draußen vor der
Tür" (1947) wird zum Archetyp. Das erfolgreichste Bühnenstück der
Zeit ist "Des Teufels General" von Carl Zuckmayer, der seinen General
Harras als ins Unheil verstrickte Identifikationsfigur darstellt. Im
Kino der unmittelbaren Nachkriegszeit ist das schon anders: Wolfgang
Staudte und Kurt Maetzig ("Die Mörder sind unter uns" und "Ehe im
Schatten") suchen die Schuld der Täter und erzählen das Schicksal der
Opfer. Noch heißt Auschwitz Dachau, Buchenwald und Bergen-Belsen.
Noch ist die Schuld eine Sache weniger Täter. Als Paul Celan 1952 bei
einem Treffen der Gruppe 47 sein Gedicht Todesfuge vorträgt, wissen
die Schriftsteller damit nichts anzufangen. Erst durch Anne Frank
(Buch und Bühne) lernen die Deutschen, sich in die Opfer einzufühlen.
Dann die erste, durch dokumentarische Gründlichkeit unwiderlegbare
Analyse des Verbrechens: Alain Resnais' Film "Nacht und Nebel" (1956)
zeigt die Ermordung der Juden als industriellen Vorgang.

    Mittwoch, 28. November 2001 (Woche 48)/22.11.2001
    
    22.30    Juden in der deutschen Kultur
                 Ein Gespräch mit Marcel Reich-Ranicki
                 Moderation: Christa Schulze-Rohr
    
    Christa Schulze-Rohr und Marcel Reich-Ranicki betrachten rund 150
Jahre gemeinsame deutsch-jüdische Geschichte. Ob Literaten, Künstler,
Philosophen, Wissenschaftler oder Politiker - zahlreiche jüdische
Namen sind untrennbar mit der deutschen Kultur verbunden und haben
diese nachdrücklich geprägt.
    
    
    Mittwoch, 28. November 2001  (Woche 48)/22.11.2001
    
    23.20    Auschwitz und kein Ende (2/4)
        
                 60er Jahre: Die Bühne als Gerichtssaal
    
    Soeben haben sich die Westdeutschen im Wirtschaftswunder
eingerichtet, da holt Auschwitz sie ein - durch zwei Prozesse: 1961
steht Adolf Eichmann in Israel vor Gericht. "Ich habe viel über
Eichmann gelacht", sagt eine Prozessbeobachterin, die jüdische
Philosophin Hannah Arendt, und sie schreibt über die Banalität des
Bösen. 1962 wird Eichmann hingerichtet; ein Jahr später beginnt der
Frankfurter Auschwitz-Prozess. Gerade ist das Erstlingsstück des
32-jährigen Rolf Hochhuth uraufgeführt worden: "Der Stellvertreter" -
gemeint ist Papst Pius XII. Der Papst habe zu den massenhaften
Judenmorden im Dritten Reich geschwiegen, behauptet Hochhuth und will
das durch historische Fakten belegt haben. Der Skandal ist perfekt -
ein deutsches Theaterstück löst eine um die ganze Welt gehende
Diskussion aus: Was ist eine Moral wert, die sich einem
vermeintlichen Realitätsprinzip beugt? Das Theater reagiert auf die
Gerichtsprozesse mit neuen Formen: Peter Weiss' dokumentarisches
Stück "Die Ermittlung" wird zum Politikum: Die Rezeption dieses
Stückes zeichnet die Fronten des Kalten Krieges nach. Die
Studentenbewegung trägt die Frage nach der deutschen Schuld auf die
Straße. Der amerikanische Krieg in Vietnam und dessen Billigung durch
die öffentliche Meinung in der Bundesrepublik erregt einen
außerparlamentarischen Protest, der sich auf Auschwitz beruft. So
werden die 60er Jahre zum Jahrzehnt der Schärfung des politischen
Gewissens der Deutschen.
    
    
    Mittwoch, 28. November 2001  (Woche 48)/22.11.2001
    
    00.05    Auschwitz und kein Ende (3/4)
        
                 1970-1989: Holocaust - ein Medienereignis
    
    Eine TV-Serie, made in USA, verändert über Nacht die
Bewusstseinslage der Nation. An vier Abenden im Januar 1979 geht in
einem einmaligen Verbund der dritten Fernsehprogramme "Holocaust" auf
Sendung und löst eine nie da gewesene Welle der Betroffenheit aus,
beinahe 35 Jahre nach Kriegsende. Was bisher für viele Deutsche
abstraktes Geschichtswissen war, wird als konkretes Schicksal
erzählt, mit den dramaturgischen Mitteln Hollywoods. Der Holocaust
als Fernsehunterhaltung? Während die effektvoll auf Emotionalität
ausgerichtete Aufbereitung beim Fernsehpublikum ihre Wirkung nicht
verfehlt und Bestürzung - oder Aggression - auslöst, diskutieren
Intellektuelle und Künstler darüber, ob diese Machart angemessen sei.
Ästhetische Gegenprogramme sind zum Beispiel die Filme von Ebbo
Demant ("Lagerstraße Auschwitz") oder - Jahre später - , Claude
Lanzmanns neunstündiger Dokumentarfilm "Shoah". Lanzmann lehnt jede
direkte Darstellung des Traumas Auschwitz ab. Ähnlich halten es auch
Künstler wie Jochen Gerz und Horst Hoheisel, die ihre Mahnmale und
Installationen in die Erde versenken. In den 80er Jahren erregen noch
andere Ereignisse die Gemüter, etwa der makabre deutsch-amerikanische
Versöhnungsgipfel auf dem Soldatenfriedhof Bitburg. Oder das
vermeintlich antisemitische Fassbinderstück "Der Müll, die Stadt und
der Tod", dessen Aufführung von der jüdischen Gemeinde in Frankfurt
verhindert wird. Und in Bonn muss ein überforderter
Bundestagspräsident wegen seiner missverständlichen Rede aus Anlass
des 50. Jahrestages der Reichspogromnacht seinen Platz räumen.

    Mittwoch, 28. November 2001  (Woche 48)/22.11.2001
    
    00.50    Auschwitz und kein Ende (4/4)
        
                 Trauer, staatstragend: Die 90er Jahre
    
    Die Mauer ist gefallen, Berlin ist Hauptstadt, die Berliner
Republik braucht eine neue staatliche Zeichensprache.
Vergangenheitsbewältigung wird für das wiedervereinigte Deutschland
identitätsstiftend. Zunächst lässt Kanzler Kohl für die zentrale
Gedenkstätte, die Neue Wache Unter den Linden, Käthe Kollwitz'
Skulptur "Mutter mit totem Sohn" vierfach aufblasen - eine
sentimentale Plastik für einen Ort, an dem gleich allen Opfern von
Krieg und Gewaltherrschaft auf einmal gedacht werden soll. Der
Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Ignatz Bubis, trägt dieses
Konzept nur deshalb mit, weil ihm der Kanzler im Gegenzug ein Mahnmal
eigens für die ermordeten Juden Europas versprochen hat.
    
    Die Auseinandersetzung um das Holocaust-Mahnmal wird sich bis 1999
hinziehen - das Mahnmal wird staatstragend, die Frage der Gestaltung
Politikersache. Auf der einen Seite der Versuch, die eine, gültige
Form für das Holocaust-Gedenken zu finden. Auf der anderen Seite
scheint sich die Erinnerung immer mehr zu individualisieren: in Form
von Erzählungen und Erfahrungsberichten, die auf den deutschen
Buchmarkt kommen - und gelesen werden. Auf großes Publikumsinteresse
stößt auch die Ausstellung "Verbrechen der Wehrmacht", die die Frage
nach der Schuld des einfachen Soldaten stellt. Der amerikanische
Historiker Daniel Goldhagen attestiert in seinem Buch "Hitlers
willige Vollstrecker" den Deutschen gar eine Art kollektiven
Antisemitismus'. Obwohl amerikanische wie deutsche
Historiker-Kollegen Goldhagens Publikation nahezu einmütig für
unseriös halten, verkauft es sich in Deutschland allein in den ersten
vier Wochen 100.000 mal. Am Ende des Jahrzehnts stehen zwei
Positionen einander gegenüber: die Martin Walsers, der vor einer
Instrumentalisierung von Auschwitz warnt und Gewissen für nicht
delegierbar hält, und die Ignatz Bubis',der findet, eine solche
Haltung leiste dem Vergessen Vorschub.
    
    
    Donnerstag, 29. November 2001  (Woche 48)/22.11.2001
    
    14.00    Yo!Yo!Kids
                 Moderation: Mirko Klos
    
    Heute geht es um das richtige Sitzen. Zu Gast sind Yolinchen und
der Bewegungstherapeut Michael Schwanz aus Rastatt mit fünf Kindern
aus Baden-Baden. Bekannt ist, dass Kinder zuviel sitzen - ob in der
Schule auf Holzstühlen oder zu Hause vor dem Computer oder Fernseher.
Das ist nicht gesund. Jolinchen erklärt deshalb, was man tun kann,
wie man sich in den Pausen fit hält, und zeigt eine ganz andere Art
zu sitzen. Im Kinotipp stellt Mirko den neuen Walt Disney Film
"Atlantis" vor, und bei der Verlosung gibt es Atlantis-T-Shirts zu
gewinnen.

ots Originaltext: SWR
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Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Stephan Reich, Tel.:
07221/929-4233 oder Martin Ryan, Tel.: 07221/929-2285.

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