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Rotmilane stärker durch Windräder gefährdet
SWR4 Rheinland-Pfalz über eine neue Studie zu den Schlagopferzahlen

Mainz (ots) - Der Rotmilan ist in Rheinland-Pfalz offenbar viel stärker durch Windräder gefährdet, als vermutet. Nach SWR4-Informationen könnten pro Jahr mehr als 100 der geschützten Greifvögel im Land durch Windanlagen getötet werden. Hintergrund ist eine neue Studie der Staatlichen Vogelschutzwarte Brandenburg. Experten haben dort zum ersten Mal wissenschaftlich berechnet, wie viele Rotmilane durch die Rotorblätter von Windrädern erschlagen werden. Dazu wurden in einem Monitoring über mehrere Monate hinweg die Schlagopferzahlen in Windparks systematisch erfasst. Allein in Brandenburg werden demnach pro Jahr mehr als 300 Rotmilane durch Windanlagen getötet. Der Leiter der Staatlichen Vogelschutzwarte in Brandenburg, Dr. Torsten Langgemach, sagte im SWR4-Interview, die Ergebnisse der Studie seien international akzeptiert und anerkannt. Die Zahlen aus Brandenburg seien durchaus auch auf andere Regionen in Deutschland übertragbar. Pro zehn Windräder könne man von einem toten Rotmilan ausgehen. Bei derzeit 1.400 Windrädern in Rheinland-Pfalz wären das 140 tote Rotmilane pro Jahr.

Die Landesregierung von Rheinland-Pfalz geht offiziell von niedrigeren Zahlen aus. Seit Einführung der Schlagopferstatistik im Jahr 2002 wurden demnach in Rheinland-Pfalz sieben Rotmilane als Schlagopfer von Windkraftanlagen in der Statistik erfasst.

Torsten Langgemach kritisierte im SWR4-Interview die Schlagopferstatistik in Rheinland-Pfalz. Die Landesregierung stütze sich lediglich auf Zufallsfunde und Stichprobenkontrollen. Rheinland-Pfalz verschließe die Augen vor der tatsächlichen Gefahr. Die offiziellen Daten aus Rheinland-Pfalz seien wissenschaftlich nicht haltbar. Zwar gebe es in Rheinland-Pfalz weniger Windräder als in Brandenburg, allerdings sei ihm kein einziger Fall von Kollisions-Monitoring in Rheinland-Pfalz bekannt. Dies sei aber die einzige Basis für seriöse Hochrechnungen. Die Zahlen der Landesregierung sagten daher nichts aus. Langgemach fordert auch für Rheinland-Pfalz ein systematisches Kollisions-Monitoring an bestehenden Windkraftanlagen und -parks. Erst dann könne man sehen, "was da vom Himmel fällt". In vielen Bundesländern fehle aber oft der politische Wille, eine systematische Suche nach Kollisions-Opfern zu starten.

Der Rotmilan gehört zu den streng geschützten Vogelarten in Europa. In Deutschland lebt die Hälfte aller Rotmilane der Welt. Rheinland-Pfalz liegt im Kerngebiet der Verbreitung.

Der Windparkbetreiber Juwi hatte erst in den vergangenen Tagen einen geplanten Windpark bei Oberkirn im Hunsrück wegen des Rotmilan-Vorkommens gestoppt. Auch in Hillesheim in der Vulkaneifel wird es vorerst wegen des Rotmilans keine Windräder geben.

Pressekontakt: Heike Rossel, Tel. 06131 929-33272, heike.rossel@swr.de

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