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Südwestrundfunk (SWR): Ein Mann gibt nicht auf: Eine Reportage aus Zimbabwe von Uwe Bork
Sonntag, 20. Mai 2001, 17.30 - 18.00 Uhr

    Baden-Baden (ots) - "Die Eisenstange war schon ein starkes Argument!" Ein paar Wochen nach dem Abschluss ihrer Dreharbeiten in Zimbabwes Hauptstadt Harare sehen Autor Uwe Bork und sein Team (Kameramann Ottmar Schnepp, Kameraassistentin Jacqueline Appel, Toningenieur Helmut Walter) manches schon wieder etwas lockerer. Obwohl damals, in der Nacht auf dem verlassenen Busbahnhof...          Im Zimbabwe des Jahres 2001 einen Film zu drehen, ist kein ganz einfaches Unternehmen. Das einstige Musterland im Süden Afrikas ist heruntergewirtschaftet, Korruption und ein Kriegsabenteuer im Kongo haben den Staat ruiniert. Benzin ist Mangelware, die Eisenbahn hat aus Treibstoffmangel weitgehend ihren Betrieb eingestellt, die Inflationsrate liegt bei 70 Prozent. Darüber hinaus verbreiten tatsächliche und selbsternannte Veteranen des mehr als zwanzig Jahre zurückliegenden Befreiungskrieges im Land Angst und Schrecken, Anarchie droht auszubrechen. Wenn in dieser gespannten Situation ein europäisches Fernsehteam ganz bewusst ohne den Schutz durch die in Verruf geratene Polizei oder sonstige Sicherheitsorgane versucht, in der Dunkelheit des nächtlichen Harare authentische Bilder einzufangen, um mit ihnen die Situation der Obdachlosen zu beschreiben, ist das nicht unbedingt ungefährlich. Gewaltbereitschaft wie Kriminalität sind in den vergangenen Monaten geradezu sprunghaft angestiegen. "Man muss die Leute verstehen," beurteilt SWR-Redakteur Uwe Bork die Lage nüchtern, "gerade die Streetkids haben nichts mehr zu verlieren. Und für sie sind wir als Weiße und Europäer natürlich unermesslich reich..."          Ausgerechnet diese Streetkids, die Straßenkinder, das ist die Personengruppe, die Pater Wolf Schmidt besonders am Herzen liegt. In der Sorge für sie sieht der Jesuit aus dem Sauerland, der seit 1990 als Lehrer und Gemeindepfarrer in Zimbabwe tätig ist und dort auch 1987 zum Priester geweiht wurde, eine seiner seelsorgerischen Hauptaufgaben. Er kennt die Lage genau. Eine hohe und immer noch steigende Arbeitslosigkeit verbunden mit einer AIDS-Rate von zum Teil über 30 Prozent haben dazu geführt, dass die traditionellen Familienstrukturen weitgehend zerbrochen sind. Viele Kinder müssen ohne Betreuung aufwachsen: "Manche sind erst acht Jahre alt. Alleingelassen fallen sie in der Stadt 'unter die Wölfe'.

    Sie stehlen oder verdienen sich Geld, indem sie auf geparkte Autos aufpassen. In einer Kinderbande haben sie noch am ehesten Chancen, dieses möderische Klima der Großstadt zu überleben."          Wolf Schmidt, mittlerweile Gemeindepfarrer in Mbare, dem ältesten und größten Township von Zimbabwes Hauptstadt Harare, kümmert sich seit 1997 um die Streetkids. Zur Zeit betreut er mit Helferinnen und Helfern aus seiner Gemeinde 89 Kinder. Er will damit verhindern, dass immer mehr Kinder und Jugendliche aus dem sozialen Brennpunkt Mbare zu Straßenkindern werden und darüber hinaus möglichst viele derjenigen, die schon auf der Straße leben, von dort in einen geregelten Alltag zurückholen. "Wir haben den Traum," fasst er seine Vision zusammen, "dass diese Kinder und Jugendlichen ihre Talente entdecken und ihren Selbstwert erkennen. So können sie dann zu verantwortlichen und zuverlässigen Gliedern dieser Gesellschaft werden."          Uwe Bork hat mit einem Team des Südwestrundfunks Wolf Schmidt bereits vor rund einem Jahr eine Woche lang bei seiner Arbeit begleitet. Er erlebte mit, wie der Jesuitenpater den damals elfjährigen Brendan von der Straße holte: Seine Eltern waren an AIDS gestorben und sein Onkel hatte ihn auf einem Busbahnhof ausgesetzt. Das Fernsehen begleitete den zweiundzwanzigjährigen Mupiwa, auch er ein ehemaliges Straßenkind, während der letzten Tage seiner Schulzeit und tauchte ein in das intensive Gemeindeleben einer afrikanischen Pfarrei.

    In diesem Frühjahr war das SWR-Team nun wieder auf Drehreise in
Afrika. Filmautor Uwe Bork, Leiter der Fernsehredaktion 'Religion,
Kirche und Gesellschaft' des SWR, wollte erfahren, was aus Pater
Schmidt, Brendan, Mupiwa und all den anderen geworden ist. "Bei
unseren Dreharbeiten im vergangenen Jahr sind wir unseren
Hauptpersonen sehr nahe gekommen, und auch in den abgelaufenen zwölf
Monaten ist der Kontakt nie abgerissen. Mich hat nun einfach
interessiert, wie ihre Geschichte weitergegangen ist." Und noch einen
weiteren Grund nennt er, in das krisengeschüttelte Zimbabwe
zurückzukehren: "Ich wollte wissen, was einen Mann wie Pater Schmidt
bewegt, unter fast aussichtslosen Umständen auszuhalten und seine
Arbeit trotz aller Beeinträchtigungen fortzusetzen. Sein Optimismus
hat mich fasziniert."
    
    Was Uwe Bork und seine Mitarbeiter von ihren Dreharbeiten
mitgebracht haben, sind gute Nachrichten aus einer schlechten Zeit.
Ihre beobachtende Reportage spürt einzelnen Schicksalen nach und
zeigt damit gleichzeitig die Möglichkeiten und Grenzen kirchlicher
Arbeit in einer schwierigen Situation.
    
    
    Biografie:
    
    Pater Wolf Zanorashe Schmidt SJ
    (Zanorashe ist ein zweiter, angenommener afrikanischer Vorname,
    eine Geste gegenüber den Zimbabwern)
    geboren am 7. Juni 1956 im sauerländischen Altena
    seit 1979 Jesuit, Noviziat in Münster, danach Philosophiestudium
    in München
    2 Jahre Pastoralarbeit in Zimbabwe
    Theologiestudium in Nairobi, Kenia
    1987: Priesterweihe in Zimbabwe
    1988/1989: Studium der Religionspädagogik in New York, USA
    seit 1990: Arbeit in Zimbabwe (zunächst als Lehrer an
    einem Jesuitenkolleg, dann als Pfarrer an der St.Peter
    Claver Kirche in Mbare, einem Stadtteil von Harare)
    seit 1997: Arbeit mit Straßenkindern
    
    
ots Originaltext: SWR
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Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Uwe Bork, Tel.:
07221/929-2826.
Fotos können bei der SWR-Fotoredaktion, Tel.: 07221/929-2287,
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