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13.09.2012 – 18:12

SWR - Südwestrundfunk

Zur Sache Rheinland-Pfalz! Nürburgring: Schweizer Finanzvermittler Urs Barandun packt aus
heute, 20.15 Uhr, SWR Fernsehen

Mainz (ots)

Nürburgring-Investor aus den USA kam aus dem Rennsport

Der Schweizer Finanzvermittler Urs Barandun weist den Vorwurf zurück, der amerikanische Nürburgring-Investor Pierre S. Dupont sei ein Betrüger gewesen. Dupont sei der Geschäftsführer einer Investmentgesellschaft mit Sitz in Kalifornien und Florida gewesen, sagte Barandun dem SWR-Politikmagazin "zur Sache Rheinland-Pfalz!" Die Investmentgesellschaft sei weltweit tätig gewesen und habe eine hohe Liquidität gehabt. Einer der Investoren, der im Hintergrund beteiligt gewesen sei, "war einer der Hauptinvestoren in die Nascar-Rennserie", sagte Barandun. Die National Association for Stock Car Auto Racing (Nascar) ist einer der führenden Motorsportverbände in den USA und Veranstalter verschiedener Rennserien.

Wegen der Motorsport-Verbindung habe sich die Nürburgring GmbH für diese Investorengruppe entschieden, sagte Barandun. Bei der Nascar-Serie habe es "Interesse an strategischen Synergien" gegeben: "Es ging um Automobilrennsport, und es ging letztlich auch um die Formel 1", sagte Barandun.

Der umstrittene Schweizer Finanzvermittler sollte 2008 und 2009 für die Firma Pinebeck Investoren suchen, die Geld in den rund 330 Millionen Euro teuren Freizeitpark am Nürburgring investieren würden. Er habe vier Namen auf den Tisch gelegt, sagte Barandun. Das eine sei das Konsortium um Dupont gewesen. Daneben habe es einen deutschen Automobilhersteller gegeben, der indirekt auch im Rennsport aktiv sei. Diese Person habe ihr Leben lang mit Automobilen zu tun gehabt. "Der hatte ein eminentes Interesse, dort zu investieren", sagte Barandun. Die anderen Interessenten aus dem Mittleren Osten "hatten keinen Bezug zum Automobilrennsport, aber sonst genug flüssige Mittel", so Barandun weiter.

Das Land Rheinland-Pfalz stellte als Beleg seiner Solvenz für die Investorensuche zwei Bardepots von 80 Millionen Euro und von 95 Millionen Euro auf einem Schweizer Konto zur Verfügung. Seinem Modell zufolge hätten die Immobilien am Nürburgring als Sicherheiten gedient, sagte Barandun weiter: "Sollte man die Renditeziele nicht erreichen, wäre der ganze Komplex dem Investor übereignet worden", sagte der Schweizer. Er selbst hätte aber auf die Bardepots nicht zugreifen können, betont Barandun: "Ich habe absolut Null kriminelle Energie", sagte er: "Die Welt ist zu klein, um davon zu rennen." Auch habe er "noch nie ein Dokument gefälscht."

Die Finanzierung war letztlich geplatzt, weil Barandun zwei Barschecks in Höhe von 67 Millionen Euro und 33 Millionen Euro unterschrieb und an seine Geschäftspartner weiter gab. Die Schecks waren auf ein Konto Duponts ausgestellt, konnten aber nicht sofort eingelöst werden, weil sich auf dem fraglichen Konto nicht genug Geld befand. "Die Schecks können nur platzen, wenn sie tatsächlich in Verzug sind, das waren sie aber nie", sagte Barandun dazu. Das Einlösen eines Schecks dauere in der Regel zehn bis vierzehn Tage. Am Schluss sei aber "alles unter Druck, unter Druck" gewesen, weil sonst dem damaligen Finanzminister Ingolf Deubel (SPD) "die Felle davon laufen." Dadurch seien Fehler passiert und das Geschäft geplatzt. "Hier ist nur Inkompetenz und Absurdität an den Tag gelegt worden", sagte Barandun.

Er selbst habe sorgfältig und transparent gearbeitet, für seine Mühe aber nie Geld bekommen. "Ich habe weit über 100.000 Schweizer Franken investiert", sagte Barandun. Dazu kämen Kosten für vertragliche Abklärungen, Juristen und Vertragsanpassungen. "Wenn man noch eine Konventionalstrafe wegen Vertragsbruch mit einbezieht und einen Kollateralschaden, dann geht das über fünf Millionen Euro", sagte Barandun. Er habe deshalb vergangenes Jahr eine Strafanzeige gegen Unbekannt bei der Bundesstaatsanwaltschaft in der Schweiz platziert. "Zivilrechtlich kann ich im Moment noch nichts machen, dieser Punkt wird aber kommen", versicherte er.

Bei der Staatsanwaltschaft Koblenz läuft weiterhin ein Ermittlungsverfahren gegen Barandun wegen Scheckbetrugs. Ex-Finanzminister Ingolf Deubel muss sich wegen Vorwürfen der Gelderveruntreuung ab dem 16. Oktober vor Gericht verantworten. Deubel hat die Vorwürfe stets bestritten. "zur Sache Rheinland-Pfalz!" hat Baranduns einstige Geschäftspartner sowie den Ex-Finanzminister zu Interviews angefragt. Keiner der Beteiligten wollte sich der Kamera stellen.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Clemens Hoch hält die Darstellung Baranduns für wenig glaubwürdig. "Wenn ich einen Scheck habe, will ich den auch einlösen und will das Geld haben", sagte Hoch dem SWR. Das Verfahren sei ja nicht deshalb geplatzt, weil die deutsche Seite Schecks ins Spiel gebracht habe, sondern weil Barandun seine Zusagen nicht eingehalten habe, betonte Hoch: "Es kam ja nie Geld an." Die Forderung, nach Eingang der Schecks erst einmal vierzehn Tage stillhalten zu müssen, sei unrealistisch gewesen. "Da ist jemand, der seinen Ruf wiederherstellen möchte und Werbung in eigener Sache macht", sagte Hoch.

"Für mich wirft dieses Interview neue Fragen auf", sagt hingegen der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Christian Baldauf dem SWR. "Die Schecks waren nicht gedeckt", betonte er. Wenn Barandun behaupte, sie wären vierzehn Tage später gedeckt gewesen, sei das nicht nachprüfbar. "Wenn es so war, wie er es sagt, hat die Landesregierung ein noch größeres Problem, als sie es bisher schon hat", sagte Baldauf.

Weitere Informationen zu diesem Thema: heute, 13.9.2012, 20.15 Uhr in "zur Sache Rheinland-Pfalz!" im SWR Fernsehen. Zitate gegen Quellenangabe "zur Sache Rheinland-Pfalz!" frei.

Bei Fragen können Sie sich an Edgar Verheyen, Tel. 06131/929-33512, edgar.verheyen@swr.de, wenden.

Original-Content von: SWR - Südwestrundfunk, übermittelt durch news aktuell

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