Deutscher Raiffeisenverband

Studie zur künftigen Orientierung der Molkereigenossenschaften: Proaktives Handeln verspricht gute Erfolgschancen

    Bonn (ots) - Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) hat im Frühjahr 2005 eine Studie zur künftigen Orientierung der Molkereigenossenschaften in Auftrag gegeben. Hintergrund hierfür sind die raschen und spürbaren Veränderungen in den Strukturen des EU-Milchmarktes, im Lebensmittelhandel und bei den europäischen Wettbewerbern. Hinzu kommen die anhaltenden Überschussprobleme, für die die Politik keine tragfähigen Lösungen bereithält.

    Die vorliegende Studie bestätigt, dass die europäische und insbesondere die deutsche Milchwirtschaft unter einem sich weiter verstärkenden Druck sowohl auf der Angebots- als auch der Nachfrageseite steht. Die Angebotsseite ist in der EU durch einen Überschuss von ca. 15% der Milchmenge geprägt. Daraus resultiert für die Milcherzeuger eine schwierige wirtschaftliche Lage, die zu Forderungen nach kurzfristig hohen Auszahlungspreisen führt. Auf der Nachfrageseite bringen die agrarpolitischen Einschnitte der Agrarreform eine reduzierte Marktstützung. Gleichzeitig werden insbesondere die hohe Konzentration sowie die niedrigen Margen im Handelsbereich für weiteren Preiswettbewerb und damit starken Druck auf die Molkereien sorgen. Diesen Druck von beiden Seiten kann die Verarbeiterstufe nicht auffangen und durch betriebswirtschaftliche Maßnahmen momentan nur schwer kompensieren.

    Bei der Bewältigung dieses Anpassungsdrucks kommt den genossenschaftlich geprägten Unternehmen eine besondere Bedeutung zu, da mehr als 60 % der verarbeiteten Milchmenge auf Molkereigenossenschaften entfallen.

    Die derzeitige Struktur des genossenschaftlichen Molkereisektors wird in der Studie als sehr heterogen beschrieben. Sie ist neben der relativ starken Fragmentierung durch komplexe Produktsortimente, zahlreiche Tochterunternehmen und einer Vielzahl von bilateralen Kooperationen geprägt. Daraus ergeben sich aus betriebswirtschaftlicher Sicht teilweise Unterauslastungen der Betriebsstätten bzw. der Produktionsabteilungen und im Vergleich zu Wettbewerbern im In- und Ausland auch Nachteile in der Vermarktung und Innovationskraft.

    In der Untersuchung wurde herausgestellt, dass die Molkereigenossenschaften mittelfristig eine weitere Konsolidierung ihrer Strukturen vorantreiben müssen. Anderenfalls werden die Ertrags- und Investitionskraft eingeschränkt, Wettbewerbsrisiken zunehmen und in den nächsten Jahren eine Reihe von Molkereigenossenschaften in eine kritische wirtschaftliche Situation geraten. Ansatzpunkte für eine künftige Ausrichtung der genossenschaftlichen Molkereien liegen insbesondere in der weiteren Realisierung von Größeneffekten durch eine verbesserte Auslastung und einer Verringerung der Anzahl von Betriebsstätten sowie im Bereich der Vermarktung in einer Reduktion der vorhandenen Markenvielfalt.

    Die Studie zeigt auch deutlich auf, dass diese Maßnahmen der genossenschaftlichen Molkereien mit einem erheblichen finanziellen Aufwand, u. a. außerordentliche Abschreibungen für nicht mehr benötigte Betriebsstätten und zusätzliche Investitionen an verbleibenden Standorten, verbunden sein wird. Zudem werden mögliche Restrukturierungseffekte erst mit einem zu berücksichtigenden Zeitverzug wirksam, was die Bereitschaft der Genossenschaftsmitglieder voraussetzt, diese Schritte mit zu gehen.     "Eine Neuausrichtung der genossenschaftlichen Milchwirtschaft hat gute Erfolgschancen, wenn wir die vor uns liegenden Aufgaben rechtzeitig und aus einer Position der Stärke heraus bewältigen", wertet DRV-Präsident Manfred Nüssel die vorliegenden Ergebnisse.

    Der DRV wird diese den regionalen Genossenschaftsverbänden und den Molkereigenossenschaften als Hilfestellung an die Hand geben, die das umfassende Informationsmaterial und die erarbeiteten Empfehlungen dann für ihre Entscheidungen unmittelbar nutzen können. Dabei sieht Nüssel die genossenschaftlichen Molkereiunternehmen durchaus im richtigen Zeitrahmen für notwendige Entscheidungen und Lösungen, um sich im Markt zukunftorientiert neu aufzustellen. Angesichts der bereits erfolgten beachtlichen Strukturveränderungen ist er zuversichtlich, dass auch künftig die weiterhin notwendigen Anpassungen erreicht werden können.

    Nach Nüssels Auffassung bestätigt die Studie neben der Notwendigkeit einer weiteren Bündelung der Kräfte aber auch, dass die Molkereigenossenschaften mit einer weiteren Steigerung ihrer Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit die mit der Agrarreform eingeleiteten Liberalisierung des EU-Milchmarktes und den daraus resultierenden Einkommensdruck für die Milcherzeuger nicht ausgleichen können. "Solange die Agrarpolitik für das Grundproblem des strukturellen Mengenüberschusses am EU-Milchmarkt keine Lösung bietet, können die Molkereien den Preisdruck auch mit optimalen Strukturen allenfalls abfedern, aber nicht beseitigen", so der DRV-Präsident.

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